Ex-Wirecard-Vorstand Marsalek will sich doch nicht stellen

Der langjährige Vorstand des in einen Bilanzskandal verstrickten Finanzdienstleisters Wirecard, Jan Marsalek, wird sich einem Bericht der “Süddeutschen Zeitung” zufolge doch nicht der Justiz stellen. Marsalek hatte über seinen Anwalt in der vergangenen Woche zunächst erklären lassen, er werde nach München kommen, um sich dort vernehmen zu lassen. Dies soll demnach nun nicht stattfinden.

Weder die Staatsanwaltschaft München noch sein Verteidiger äußerten sich demnach zunächst zu dem Bericht. Der laut deutschen Medienberichten per Haftbefehl gesuchte Österreicher Marsalek hält sich möglicherweise in China auf. Der philippinische Justizminister Menardo Guevarra teilte mit, Marsalek sei vergangene Woche auf die Philippinen eingereist und habe das Land kurz darauf Richtung China wieder verlassen.


Wirecard hatte eingestanden, dass in der Jahresbilanz 1,9 Mrd. Euro fehlen und das Geld bei zwei philippinischen Banken vermutlich gar nicht existiert. Der Börsenkurs des DAX-Konzerns stürzte ab, das Unternehmen meldete Insolvenz an. Ex-Wirecard-Chef Markus Braun stellte sich bereits der Justiz.

Der Münchner Rechtsanwalt und Sanierungsexperte Michael Jaffe soll sich indes um den Insolvenzfall Wirecard kümmern. Das Amtsgericht München berief Jaffe am Montag als vorläufigen Insolvenzverwalter. Jaffes Berufung hatte sich abgezeichnet: Das Gericht hatte ihn bereits vergangene Woche als Sachverständigen bestellt, um ein Gutachten über den Insolvenzantrag zu erstellen.

Jaffe war als Insolvenzverwalter des zusammengebrochenen Medienkonzerns von Leo Kirch bekannt geworden. In gleicher Funktion wickelte er auch die Pleite des von Infineon abgespaltenen Speicherchip-Herstellers Qimonda ab. Derzeit ist Jaffe auch Insolvenzverwalter der Firma P&R, die Schiffscontainer in großem Stil als Anlageobjekt an 54.000 Investoren, darunter auch an etliche in Österreich, verkauft hatte. Ein großer Teil der Container existierte nicht, wie sich später herausstellte.

Die philippinische Anti-Geldwäsche-Behörde AMLC will indes möglichst rasch für Aufklärung sorgen. Man werde eine “schnelle und gründliche” Untersuchung starten, um weitere involvierte Gesellschaften und Personen zu finden, sagte Mel Georgie Racela vom AMLC am Montag zu Reuters. Genau ansehen werde sich die Behörde vor allem drei Unternehmen, die im Zusammenhang mit dem deutschen Zahlungsabwickler stünden – Centurion Online Payment International, PayEasy Solutions und ConePay International. Von den Firmen war keine Stellungnahme zu erhalten.

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