Experten: FPÖ droht bei BP-Wahl Gefahr von rechts und links

FPÖ-Chef Kickl hat bisher noch keinen Kandidaten präsentiert © APA/HERBERT NEUBAUER

Die FPÖ muss bei der Bundespräsidentschaftswahl wohl mit Konkurrenz rechnen – und zwar aus dem rechten Lager, aber auch aus dem linken, wie Meinungsforscher Peter Hajek gegenüber der APA sagte. Denn auf rechter Seite könnte Ex-FPÖ/BZÖ-Politiker Gerald Grosz der FPÖ Stimmen kosten, auf impfskeptischer Seite MFG-Kandidat Michael Brunner. Und von links sieht Hajek ebenfalls Gefahr für Blau: Denn Bierpartei-Chef Dominik Wlazny („Marco Pogo“) könnte eventuell der FPÖ nahe kommen.

„Das größte Risiko trägt aktuell die FPÖ“, sagte Hajek zur derzeitigen Lage in Hinblick auf die Präsidentschaftswahl am 9. Oktober. „Außer sie kommen mit einem echten Karnickel aus dem Hut“, spielte er auf die noch immer offene Kandidaten-Frage der Freiheitlichen an. Die FPÖ hat ja als einzige der im Nationalrat vertretenen Parteien fix angekündigt, einen eigenen Kandidaten ins Rennen zu schicken, während Grüne, SPÖ und NEOS Amtsinhaber Alexander Van der Bellen unterstützen. Die ÖVP gab zwar keine Wahlempfehlung für Van der Bellen ab, schickt aber auch keinen eigenen Kandidaten und wünschte dem derzeitigen Präsidenten „Alles Gute“ für die Wiederkandidatur.

Bis zuletzt hüllte sich die FPÖ in Schweigen, was ihren Kandidaten oder ihre Kandidatin betrifft – als präsidiabel genannt wurde seitens Parteichef Herbert Kickl in den letzten Wochen Verfassungssprecherin Susanne Fürst. Andere Gerüchte, etwa über eine Kandidatur von „Krone“-Kolumnist Tassilo Wallentin für die FPÖ, wies Kickl zurück; seine eigene Kandidatur schloss er wiederholt aus.

Dass die FPÖ nach wie vor keine Entscheidung präsentiert hat, deutet laut Hajek darauf hin, dass sie keinen Kandidaten findet. Hajek sieht darin eine mögliche Gefahr für Kickl, parteiintern unter Druck zu kommen – immerhin hat er ja selbst ein blaues Antreten als fix angekündigt. „Es könnte sein, dass interne Kritiker auf den Gedanken kommen, ‚du hast gesagt, wir treten an – wir haben keinen Kandidaten, also trittst du an‘“. „Diese vollmundige Ankündigung einer Kandidatur könnte zum Selbst-Faller werden“, so Hajek.

Gleichzeitig wies Hajek darauf hin, dass auch die angekündigten Kandidaturen von Grosz, Brunner (MFG) und Wlazny (alias „Marco Pogo“) der FPÖ durchaus Stimmen kosten könnten. Grosz greife immerhin auf rund 500.000 Follower in den sozialen Medien zurück und komme aus dem blauen Lager. Und die MFG habe nicht nur bei Corona eine ähnliche Position wie die FPÖ, sondern auch beim Thema Neutralität und Ukraine-Krieg. „Das heißt, wir haben zwei Kandidaten, die im selben Becken wie die FPÖ fischen“ – für Kickl eine „total unangenehme“ Situation.

Und sollte Bierpartei-Chef Wlazny stark mobilisieren können, könnte es – so Hajek – theoretisch sogar einen Kampf um den zweiten Platz mit der FPÖ geben. Denn Grosz und MFG würden an den blauen Stimmen „knabbern“ und Wlazny könnte im linken Lager Stimmen gewinnen – nämlich von jenen Wählern, die davon ausgehen, dass Van der Bellen ohnehin klar auf Platz eins landen wird.

„Das Thema ist dann nicht mehr: ‚Gewinnt Van der Bellen die Wahl oder nicht‘, sondern: ‚Wer wird Zweiter – ein linker oder ein rechter Kandidat?‘“ Dieses Szenario sei derzeit zwar nicht durch Datenmaterial untermauert, so Hajek, aber „auch nicht ganz von der Hand zu weisen“. „Wenn man sehr zuspitzen will, dann geht es um den zweiten Platz.“ Pogo könne nur dann mobilisieren, „wenn die Losung ausgegeben wird: ‚Die Freiheitlichen werden Dritte‘.“ Für einen Wahlkampfmanager der Bierpartei könne das Motto Wlaznys daher wohl nur lauten: „Erster werden wir eh nicht, aber wenn ihr uns unterstützt, dann werden wir Zweite vor den Freiheitlichen.“

Polit-Berater Thomas Hofer blieb betreffend dieser Überlegungen im APA-Gespräch zurückhaltender: „Ich würde mich da nicht so weit vorwagen“, aber: „Ich würde ihn (Wlazny, Anm.) nicht unterschätzen.“ Auch Hofer betonte, die dominante Strategie des Bierpartei-Chefs müsse es sein, zu vermitteln, dass Van der Bellen ohnehin Platz eins machen wird. Gleichzeitig müsse er unter dem Motto „Fügen wir doch der Rechten eine Niederlage zu, dass ich Zweiter werde“ um Stimmen werben.

Die Frage sie dabei auch, wie stark Van der Bellen sein Lager mobilisieren kann, sagte Hofer. Es könnte nämlich dann umgekehrt auch die Situation entstehen, dass Wähler aus dem eher linken Lager motiviert sind, Van der Bellen zu stärken. „Das würde dann dem Pogo wieder weh tun“, so Hofer.

Ein solches Szenario könnte laut dem Polit-Berater vor allem dann zustande kommen, sollten die Auseinandersetzungen der „Kleinen“ und der FPÖ auf einem niedrigen Niveau stattfinden. Van der Bellen könnte dann die staatspolitische Verantwortung ausspielen, so Hofer. „Deswegen bin ich bei Pogo zurückhaltend.“

Für die FPÖ sei bei dieser Wahl nicht die entscheidende Frage, ob ein blauer Kandidat an das Ergebnis von Norbert Hofer aus dem Jahr 2016 heran kommt, sondern: „Kommt man an das derzeit gemessene Potenzial der FPÖ bei Nationalratswahlen heran?“, so der Polit-Berater. Zum Problem könnte für die FPÖ auch werden, dass Van der Bellen wohl nicht zu TV-Duellen gehen wird. „Für die FPÖ droht daher die Situation, dass sie sich nicht in der ‚Elefantenrunde‘ wiederfinden würde, sondern in der ‚Mückenrunde‘“ – wo der blaue Kandidat dann auf einmal der Vertreter der etablierten Parteien wäre und gegen die anderen um Stimmen kämpfen müsste.

Dass Brunner, Grosz und Wlazny die für die Kandidatur notwendigen 6.000 Unterstützungserklärungen zusammenbringen, halten sowohl Hajek als auch Hofer für möglich. MFG habe ein bestehendes Netzwerk, so Hajek, Grosz müsste seine Follower in den sozialen Medien dazu bringen, aufs Gemeindeamt zu gehen und Wlazny habe schon bewiesen, dass die Bierpartei antreten kann: 2019 bei der Nationalratswahl in Wien – und ebenfalls in Wien bei den Landtags-und Gemeinderatswahlen 2020.

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