„Fackel der Erinnerung“ weitertragen

Vor 75 Jahren wurde das Konzentrationslager der Nazis in Mauthausen befreit

Der NS-Opfer wird alljährlich mit einer großen Gedenkver- anstaltung im Parlament gedacht. Heuer fand sie reduziert statt: Die Mitglieder der Präsidialen von National- und Bundesrat — Präsidenten und Klubobleute — fanden sich, mit großem Abstand und teilweise mit Mund-Nasen-Schutz, im Dachfoyer der Hofburg ein. © Parlament/Zinner

Auch wenn die Corona-Krise eine außergewöhnliche Zeit ist, ist sie unvergleichbar mit jener Zeit, der am Dienstag, 75 Jahre nach der Befreiung des KZ Mauthausen, gedacht wurde, so Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) bei der — Pandemie-bedingt reduzierten — Gedenkveranstaltung des Parlaments gegen Gewalt und Rassismus fest. Es gelte, die „Fackel der Erinnerung“ zu Kindern und Enkeln weiterzutragen — „auch in Zeiten noch so großer Herausforderungen“.

Das KZ Mauthausen stehe — wie alle „Orte des Schreckens“ der NS-Herrschaft — „für das düstere Gegenteil all dessen, was unsere Gesellschaft ausmacht“, nämlich für „das Böse schlechthin“, für Zynismus, Selbstüberschätzung, Gewalt, die konstruierte Einteilung der Menschen in Höher- und Minderwertige, Ausmerzung der Untüchtigen und mörderischen Judenhass.

In scharfen Worten trat Bundesratspräsident Robert Seeber dem Vergleich des Lebens mit Covid-Schutzmaßnahmen mit dem Leben der Juden im Faschismus entgegen — wie bei Protesten gegen die Corona-Regelungen zu hören gewesen sei. Das sei „nichts anderes als eine Verharmlosung des NS-Terrors“, sagte er. Dem müsse man entgegentreten — und allen Einhalt gebieten, die für Gewalt und Hass eintreten.

Kurz betont Österreichs Verantwortung

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) nutzte den Tag, um an die historische Verantwortung Österreichs „für die dunkelsten Seiten der Geschichte“ zu erinnern. „Mauthausen steht wie kein zweiter Ort in unserem Land für die Schrecken des NS-Terrorregimes. Umso wichtiger sei es, sich der Geschichte zu stellen. „Unsere Verantwortung gilt den 100.000 Menschen, großteils jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger, die Mauthausen zum Opfer fielen. Menschen mit Behinderung, Roma und Sinti, Homosexuelle, Widerstandskämpfer und Menschen mit anderen Meinungen verloren an diesem Schicksalsort für Österreich ihr Leben. Ihnen allen sind wir in der Pflicht“, so Kurz.

Mauthausen sei der „zentrale Gedenk- und Erinnerungsort an die Gräuel des Nationalsozialismus in Österreich“, sagte Vizekanzler Werner Kogler (Grüne). Es sei „unsere Verpflichtung, der Opfer des NS-Terrors zu gedenken“ und zu erinnern, mahnte Kogler.

Wachsamkeit nötig

SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner mahnte kollektive Wachsamkeit ein. „Wir dürfen auch nicht vergessen, dass es die Verantwortung von uns allen ist, dass sich die schlimmsten Gräueltaten in unserer Geschichte nicht wiederholen. Menschlichkeit ist unsere Pflicht“, so Rendi-Wagner.

FPÖ-Parteichef Norbert Hofer bezeichnete die Mauthausen-Befreiung durch Soldaten der Alliierten als Warnung. Wer heutzutage in der Politik tätig ist, trage „die große Verantwortung und Verpflichtung, immer darauf zu achten, dass Respekt im Mittelpunkt der politischen Arbeit stehen“.

Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger stellte neben das Gedenken an die Opfer des NS-Regimes einen Vergleich mit der Gegenwart. „Mauthausen konnte passieren, weil sich Österreicherinnen und Österreicher gegen ihre eigenen Nachbarinnen und Nachbarn sowie Freundinnen und Freunde gewandt haben“, erklärte sie. Es gelte, „jeden Tag überzeugt gegen jede Art von Ausgrenzung, Einschränkung von Rechtstaatlichkeit und Menschenrechten einzutreten — ganz besonders in schwierigen Zeiten, in denen es leicht ist, in alte Muster zu verfallen und Sündenböcke zu suchen“.

Es liege „in unserer Verantwortung“, die Erinnerung wachzuhalten „und die Worte der Überlebenden tief in unserem Bewusstsein zu verankern, damit sich solche grausamen Taten niemals wiederholen“, betonte LH Thomas Stelzer. Er danke dem Mauthausen-Komitee für dessen „enorm wichtige Arbeit“, es trage wesentlich dazu bei, „dass Werte wie Menschlichkeit und Solidarität hochgehalten werden“, so Stelzer.

Die Mauthausen-Befreiungsfeier wird heuer wegen der Coronavirus-Pandemie online auf der Website des Mauthausen Komitees Österreich (MKÖ) abgehalten. Gedenkaktionen im kleineren Rahmen fanden schon statt. So legte Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) beim Mahnmal zur Erinnerung an die Opfer der Gestapo am Wiener Morzinplatz einen Kranz nieder.

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