Fahrer-Streik in Südkorea erreicht die Chipindustrie

Der seit Tagen anhaltende landesweite Streik von Lkw-Fahrern in Südkorea wirkt sich erstmals auch auf die Halbleiterindustrie aus. Die Lieferung eines für die Chipherstellung benötigten Reinigungsmittels nach China sei unterbrochen worden, teilte der koreanische Außenhandelsverband (Kita) am Dienstag mit.

Dies gilt als erstes Anzeichen dafür, dass der seit acht Tagen andauernde Streik die ohnehin angespannte globale Lieferkette der Chiphersteller belastet.

Dem Verband zufolge räumte ein koreanischer Hersteller von Isopropylalkohol – das bei der Reinigung von Chip-Wafern verwendet wird – Schwierigkeiten bei der Lieferung an ein chinesisches Unternehmen ein. Dieses wiederum versorgt Chiphersteller mit den Halbleiter-Scheiben, auf denen die Mikrochips produziert werden. Der Export von etwa 90 Tonnen des Materials habe sich verzögert, was etwa einer Wochenlieferung entsprechen soll.

Die 22.000 Mitglieder zählende Fahrergewerkschaft hat am 7. Juni mit ihrem Ausstand begonnen, um angesichts stark gestiegener Kraftstoffpreise höhere Löhne und eine Mindestlohngarantie durchzusetzen. Nach Angaben des Industrieministeriums hat der Streik die heimische Wirtschaft bereits mehr als 1,2 Milliarden Dollar (1,15 Mrd. Euro) an Produktionsausfällen und nicht ausgeführten Lieferungen gekostet.

Besonders die Auto-, Stahl-, Petrochemie- und Zementindustrie leiden demnach unter dem Streik. Südkorea ist international stark vernetzt dank weltweit agierender Konzerne wie Samsung und ein wichtiger Lieferant von Halbleitern, Smartphones, Autos, Batterien und Elektronikartikeln. Im Auftrag des Verkehrsministeriums sprang zuletzt das Militär mit etwa 100 Lastkraftwagen auf Strecken von und zu wichtigen Häfen wie dem von Busan ein.

Analysten gehen davon aus, dass die Auswirkungen des Streiks auf die südkoreanischen Chiphersteller begrenzt sein werden, da sowohl Samsung als auch der zweitgrößte Speicherchiphersteller der Welt, SK Hynix, in der Regel genügend Material für drei Monate oder mehr vorrätig haben.

„Beide haben ihre Lagerbestände drastisch erhöht, seit Japans Exportbeschränkungen für Chipmaterial im Jahr 2019 das Problem deutlich gemacht haben“, sagte Ahn Ki-hyun vom Branchenverband Korea Semiconductor Industry Association.

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