Fall Seisenbacher: Seine Flucht ist im Prozess kein Erschwernisgrund

Schon im Vorjahr versuchte Ex-Judoka ohne Pass auszureisen

Peter Seisenbacher
Peter Seisenbacher © APA/Fohringer

Die Entscheidung, ob der unter Missbrauchsverdacht stehende ehemalige Sportler Peter Seisenbacher in Untersuchungshaft genommen wird, soll heute fallen. Der Ex-Judoka war — wie berichtet — am Donnerstag von der Ukraine ausgeliefert worden. Er wurde auch am Freitag weiterhin in der Justizanstalt Josefstadt angehalten.

Fast drei Jahre lang entzog sich Seisenbacher der Justiz, nachdem er Ende 2016 kurz vor seinem Prozess in Wien außer Landes flüchtete. Seither wurde er mit internationalem Haftbefehl gesucht.

Dem zweifachen Olympiasieger wird vorgeworfen, in seinem Wiener Judo-Verein zwei unmündige Mädchen missbraucht zu haben. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

Seisenbacher tauchte schlussendlich in der Ukraine unter, am 1. August 2017 wurde er in Kiew festgenommen. Österreichs Justiz bemühte sich seither vergeblich um eine Auslieferung des Doppel-Olympiasiegers, weil die inkriminierten Delikte nach ukrainischem Recht bereits verjährt waren. Seisenbacher wiederum stellte einen Asylantrag, der aber von der Ukraine abgelehnt wurde. Abgesehen vom negativen Asylbescheid gab es seit Herbst 2017 eine aufrechte Verpflichtung zur Ausreise gegen den 59-Jährigen.

Dann dürfte der Österreicher zwei Mal versucht haben, mit gefälschten Dokumenten aus der Ukraine zu flüchten. Am 11. Februar 2018 wollte er in Odessa mit einem falschem Reisedokument ausreisen. Er wurde damals gefasst und nach kurzer Haft wieder auf freien Fuß gesetzt.

Am vergangenen Samstag erfolgte der nächste Versuch. Mit einem gefälschten österreichischen Pass wollte Seisenbacher von Lwiw aus über die polnische Grenze. Erneut wurde er erwischt und in Haft genommen. Nun entschied die Ukraine, den Österreicher in seine Heimat abzuschieben. Strafrechtlich hat Seisenbachers Flucht übrigens keine Auswirkung. Sie ist im Falle einer Verurteilung kein Erschwernisgrund. Im Falle eines Schuldspruches drohen Seisenbacher bis zu zehn Jahre Haft.

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