Faßmann: „Ich habe nie Schule geschwänzt“

Der Bildungsminister erklärt im VOLKSBLATT-Gespräch auch, dass er dem Teamtrainer keine Tipps geben wird

Volksblatt-Interview mit Bildungsminister Heinz Faßmann

VOLKSBLATT: Können Sie sich noch an Ihren ersten Schultag erinnern?

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An den ersten Schultag direkt nicht, aber ich kann mich an die erste Schulzeit erinnern. Das war interessant, weil ich damals mit einem deutlich erkennbaren deutschen Akzent in einer Wiener Schule war … hatte also dort meine ersten Anpassungsprobleme.

Und an den ersten Schultag ihrer Kinder?

Da kann ich mich gut erinnern. Meine Tochter konnte es kaum erwarten bis der erste Schultag da ist. Und wir konnten es nicht erwarten, dass sie endlich in die Schule kommt, sich selbst beschäftigt.

Was war ihr schlimmstes Schulerlebnis?

Ich habe kein wirklich schlimmes Schulerlebnis gehabt. Ich war ein mittelguter Schüler, bin gerne in die Schule gegangen, meine Freunde dort waren ganz wichtig für mich.

Haben Sie jemals Schule geschwänzt?

Ich muss offen sagen, ich habe nie Schule geschwänzt. Ich habe ein hohes Ausmaß an Pflichtbewusstsein, dass verfolgt mich bis heute. Ich gehöre nicht zur Kategorie der Schulschwänzer.

Sind die Neuregelungen bezüglich des Schwänzens notwendig?

Ich glaube, diese Regelungen sind notwendig. Wir haben im Prinzip ein gutes Schulsystem. Wir haben ein kostenloses Bildungssystem. Und ich erwarte mir schon, dass Schüler und Eltern diese Angebote ernst nehmen.

Haben Sie einen guten Tipp für die rund 14.500 Schulanfänger in Oberösterreich?

Mein guter Tipp wäre: Sie sollen erwartungsvoll und optimistisch in die Schule hineingehen. Sie werden sehen, die Schule erschließt ihnen eine neue Welt. Bildung führt zu einer ganz anderen Perspektive. Man kann sich auch über das Lesen Phantasiewelten schaffen. Also mit viel Optimismus hineingehen und wenn es ab und zu kleine Rückschritte gibt, weil man etwa kein Sternchen oder nicht die Note bekommen hat, die man wollte: Nicht entmutigen lassen. Es wird wieder besser.

Wenn diese in vermutlich elf Jahren vor der Matura stehen, wie wird diese aussehen?

Ich hoffe, dass es weiterhin eine vergleichbare Matura gibt, die standardisiert ist. Wo man am Ende der Schullaufbahn auch sagen kann: Ja, es wurde viel an Leistungen erworben, der Übertritt an die Universitäten ist ein geebneter. Also gar nicht so unterschiedlich wie heute.

Zumindest für heuer gibt es in OÖ ausreichend Lehrer. Trotzdem: Wie real ist die Angst vor einem Lehrermangel?

Wir haben versucht, im Ministerium diese Angst nachzuvollziehen, anhand konkreter Daten. Es ist uns nicht ganz gelungen. Wir können ja heute schon die Pensionierungen abschätzen, aber haben auch die Studentenzahlen an den Pädagogischen Hochschulen. Der Lehrer- und Lehrerinnenmangel ist ein Mangel in manchen Fächern – insbesondere in Naturwissenschaftlichen Fächern. Und es ist auch ein Problem, dass Lehrer zu wenig mobil sind, also bestimmte periphere Gebiete werden Schwierigkeiten bekommen — aber insgesamt sind wir ganz gut unterwegs. Eine Maßnahme ist, dass wir versuchen, Quereinsteiger in den Beruf zu holen.

Heuer sind auch viele Maßnahmen in Kraft getreten, die die Autonomie der Schulen stärken. Wie viel Autonomie brauchen die Schulen und wie viel verträgt unser Schulsystem?

Das ist eine empirische Frage und da muss man zunächst beobachten und testen. Die Schulen haben jetzt mehr Autonomie bekommen – etwa beim Personal. Und ich würde sagen, schauen wir uns das an, wie sich das entwickelt und bewährt. Dann kann man die nächsten Schritte überlegen.

In kaum einem Bereich gibt es so viele Experten wie in der Bildungspolitik — vielleicht noch beim Fußball. Stören Sie die vielen Zurufe oder sind die eine Bereicherung?

Manchmal bekommt man interessante neue Aspekte. Manchmal ist es aber auch eine Überschätzung derer, die die Meinung abgeben. Jeder hat natürlich seine persönlichen Erfahrungen, aber wir müssen von den Einzelmeinungen wegkommen zu allgemeinen Urteilen. Manchmal ist es eine Bereicherung, manchmal aber auch eine Verzerrung der realen Situation.

Also Sie verstehen den Teamtrainer?

Ja. Und ich werde mich hüten, dem Teamtrainer neue Tipps zu geben.

Ein Schlagwort der Zukunft ist die Digitalisierung, bisweilen sind die Schüler darin oft firmer als ihre Lehrkräfte. Braucht es da analoge Lehrer?

Die Lehrer sind unzweifelhaft wichtig. Daher habe ich auch dem Kanzler vorgeschlagen, dass ein Punkt im Masterplan Digitalisierung die Lehrerfort- und Weiterbildung sein muss. Denn wenn die Lehrer es nicht mittragen, wird der Erfolg enden wollend sein. Aber wir müssen auch überlegen, was heißt digitale Kompetenz: Für mich ist es mehr als nur das Knopferldrücken – nur das Bedienen von Softwareprogrammen. Man muss dahinter schauen können und verstehen, was bedeutet Programmierung, algorithmisches Denken. Sonst kommen wir nicht auf den nächsten Level der Digitalisierung.

Lehrervertreter Paul Kimberger hält es für „eigenartig, fragwürdig und verantwortungslos“ das Schulsystem „ständig so zu reformieren, dass unsere Kinder möglichst gut den Anforderungen der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes entsprechen“. Was sehen Sie als das Ziel von Schule?

Das hat er krass formuliert, aber natürlich ist im Kern schon etwas Wahres. Schule vermittelt Bildung, das ist eine Qualität für jeden einzelnen, es trägt zur Emanzipation des Menschen bei. Bildung ist also sicher mehr als Ausbildung. Aber ganz darf man auf einen Ausbildungsaspekt nicht verzichten. Das Bildungssystem muss sich schon ein bisschen daran orientieren, was heute und morgen gefragt sein wird.