Faszinierende Reminiszenz an ein bejubeltes Tanzopus

Netzbühne: „Music for a While“ von Mei Hong Lin mit TANZLINZ und Livemusik des von Christina Pluhar geleiteten Ensembles L'Arpeggiata

Andressa Miyazato
Andressa Miyazato © Vincenzo Laera

Unvergessen bis heute ist ein fantastisches Tanzstück mit dem von Henry Purcell entliehenen Titel „Music for a While“, das Tanzdirektorin Mei Hong Lin mit Christina Pluhar und ihrem Ensemble für Alte Musik L’Arpeggiata 2017 im Musiktheater Linz unter großem Jubel uraufführte.

Wer hätte damals gedacht, dass die Produktion inhaltlich die so traurige Aktualität von heute erlangen würde.

Eine gewisse Zeitlosigkeit stellt sich ein

Am Samstag meldete sich das Stück von der Netzbühne zurück in einer Aufnahme des französischen Fernsehsenders France Television vom November 2018. Welches Glück, dass es auf diese Weise für die Zukunft erhalten bleiben wird.

Erzählt wird das Selbsterlebnis von Menschen (Céline Scheen, Sopran, Vincenzo Capezzuto, Alt) bei Fest und Tanz in Form einer Rückschau, wobei sich Vergangenheit und Gegenwart, Traum und Realität, visionäre Bilder und emotionale Zustände vermischen.

Eine gewisse Zeitlosigkeit stellt sich ein, in deren Zentrum die Sehnsucht nach Liebe steht. Der Schauplatz ist ein Tanzsaal (Dirk Hofacker), der mit Kristallketten ausgestattet ist und die Farbenpracht der Bilder und Kostüme widerspiegelt. Die Hauptakteurin ist eine auf ihren Bräutigam vergeblich wartende Frau (Rie Akiyama) frei von Raum und Zeit zu einem Phantom ihrer selbst geworden.

Als ihr der um 60 Jahre älter gewordene Mann im Rollstuhl begegnet, ist es für die Hochzeit zu spät geworden. Wird nicht auch für uns nach der Pandemie manches zu spät werden?

Mit einer unglaublich ekstatischen Körpersprache werden diese Situationen von den etwa 20 Tänzern ausgedrückt.

Geniale Mixtur aus Barock und Jazz-Improvisation

Im Gleichklang mit der Musik des Barock in einer lebendig-genialen Mixtur aus Harmonien von Händel, Purcell und Monteverdi präsentieren sich die Techniken der Jazz-Improvisationskunst. Auch in stilistischer Hinsicht fügt sich also der Zeitfluss von Vergangenheit und Gegenwart zu einem Gesamtbild der heutigen Welt.

Christina Pluhar begleitet ihre Musiker selbst auf der Theorbe, und man muss gar nicht auf den Bildschirm schauen, nur hören, mit welcher Leidenschaft und Perfektion musiziert wird und dieses Spezialensemble sich für das kleine „Welttheater“ hingibt. Ein wahres Geschenk, die Premiere des Stückes auf der Online-Bühne zu erleben.

Es ist noch bis 5. Juni 2021 on demand (Pay-as-You-Wish) zu sehen. Bitte auf keinen Fall versäumen!

Von Georgina Szeless

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