Fehlende Studenten könnten teuer werden

Vereinbarte Steigerungen können in kaum einer heimischen Universität eingehalten werden

Am Linzer Campus wird fleißig gebaut — im Bild der Sciencepark.
Am Linzer Campus wird fleißig gebaut — im Bild der Sciencepark. © JKU/Hurnaus

Die Studentenzahl an den öffentlichen Universitäten ist wie berichtet im Wintersemester um rund 3500 bzw. 1,3 Prozent auf 265.000 zurückgegangen. Noch höher fiel das Minus bei den Studienanfängern aus: Die Zahl der ordentlichen Neuzugelassenen sank laut einer Aufstellung des Bildungsministeriums um 750 Personen bzw. 1,7 Prozent auf rund 44.900. Damit ist sowohl die Zahl der Studienanfänger als auch die Gesamtstudentenzahl das dritte Jahr in Folge geschrumpft.

Die Studentenzahlen könnten sich auch aufs Geld auswirken: An der Universität Salzburg hat man bereits öffentlich Alarm geschlagen. Laut Vizerektor Martin Weichbold könnte eine „Strafzahlung“ von fünf Millionen Euro drohen. Der Hintergrund: Die Leistungsvereinbarungen der Universitäten mit dem Bund für die Periode 2019 bis 2021 sehen vor, dass die Zahl der prüfungsaktiven Studenten gesteigert werden muss, ansonsten droht eine Reduktion des Budgets.

Stich.wort

Leistungsvereinbarungen für 2019 bis 2021

Mit einem Budgetplus von insgesamt knapp 15 Prozent für den Zeitraum 2019 bis 2021 sind die Verhandlungen über die Leistungsvereinbarungen zwischen den 21 Universitäten und dem Bildungsministerium abgeschlossen worden. Insgesamt wurden so rund 9,5 Mrd. Euro an die Unis verteilt. Je nach Uni betrug der Zuwachs zwischen acht und 17 Prozent — das Budget wird nach neuem System aufgrund bestimmter Indikatoren vergeben. Ein wichtiger Indikator ist die Zahl der prüfungsaktiven Studenten. Als prüfungsaktiv betrieben gilt ein Studium, wenn im Studienjahr Prüfungen im Ausmaß von 16 ECTS abgelegt wurden. Zum Vergleich: Die Studienpläne sind so konzipiert, dass mit 60 absolvierten ECTS pro Studienjahr das jeweilige Studium in Mindeststudienzeit abgeschlossen wird.

Vor allem in der Fächergruppe 1, den sogenannte „Buchwissenschaften“ — zum Beispiel Jus, Sozial-, Wirtschafts- und Geisteswissenschaften — gehen die Zahlen bundesweit zurück. An der Uni Salzburg rechnet Weichbold vor, dass rund 500 Studenten fehlen, denn laut Leistungsvereinbarung müsste die Uni Salzburg die Zahl der „Buch-Studenten“ von 5333 (Basisjahr 2016/17) auf 5588 (Studienjahr 2019/20) steigern. Aber auch an der Linzer Kepler-Uni (JKU) rechnet man in dieser Fächergruppe damit, dass die Vorgabe nicht erfüllt werden kann.

Laut Leistungsvereinbarung müsste die Zahl der prüfungsaktiven „Buch-Studenten“ in Linz von 7249 auf 7596 steigen, das ist allerdings unrealistisch. Die genauen Zahlen werden erst im Februar des kommenden Jahres feststehen, da die Studenten bis dahin die Prüfungen ablegen können. In den anderen Fächergruppen dürften hingegen die Universitäten kein Problem haben, die Vorgabe zu erfüllen. Je nach Struktur des universitären Angebotes ist daher die Betroffenheit der Standorte unterschiedlich ausgeprägt.

Nachverhandlungen nötig

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Da aber alle Universitäten in der Fächergruppe 1 betroffen sind, werde man — so heißt es hinter vorgehaltener Hand — danach geschlossen beim Ministerium vorstellig werden. Man hofft, dass sich eine Lösung finden wird, immerhin sei diese Studienplatzfinanzierung Neuland und habe deshalb „Kinderkrankheiten“. Hier müsse man die Parameter ändern. Denn laut Vertrag würde diese Pönale etwa für die Uni in Salzburg fünf Millionen und damit fast vier Prozent des Jahresbudget ausmachen. An der JKU will man keine Zahlen nennen, doch auch dort wäre es schmerzhaft.

Nagelprobe für Cluster

Auf die Probe stellt die neue Regelung auch die Zusammenarbeit bei der Lehrerausbildung der Universitäten und Hochschulen im Cluster Mitte — also der Bundesländer Oberösterreich und Salzburg. Weil Studenten in diesem Cluster nur einmal inskribieren, seien viele Lehramtsstudenten in Linz gemeldet, obwohl sie auch Kurse in Salzburg belegen. Diese Prüfungen würden dann zwar in Salzburg gerechnet, unterm Strich bleibt aber ein Studenten-Minus. „In einzelnen Fächern haben wir so deutliche Rückgänge“, erklärt Weichbold in den Salzburger Nachrichten. Man habe nun Salzburg-Tage eingerichtet, damit die Oberösterreicher nur einen Tage an die Salzach pendeln müssen und in der Prüfungswoche würden Lehrende auch nach Linz pendeln, um die Prüfung abzuhalten.

Auf der anderen Seite ist man auch in Oberösterreich unzufrieden. Lehramtsstudenten in Deutsch, Englisch, Turnen und Geografie müssen nämlich derzeit nach Salzburg pendeln. Seitens der SPÖ fordert man einen Vollausbau der Linzer Universität. Dort verweist man darauf, dass es in der derzeit gültigen Leistungsvereinbarung nicht vorgesehen ist. Und man stehe grundsätzlich zum Modell des Clusters, Verbesserungen sei man immer aufgeschlossen.

Von Herbert Schicho

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