Fest für eine berühmte Pianistin

Elisabeth Leonskaja begeisterte das Publikum bei den Musiktagen Mondsee

Verinnerlichte Interpretation Leonskajas
Verinnerlichte Interpretation Leonskajas © Musiktage Mondsee/Willi Pleschberger

Von Paul Stepanek

Das fünfte Konzert der Musiktage Mondsee stand am Montag unter dem vorsichtig formulierten Motto „Spätwerke“. Vorsichtig, weil nicht „späte“, sondern die wahrscheinlich letzten Werke von Robert Schumann, Gabriel Fauré und Franz Schubert auf dem Programm standen. Zunächst interpretierte Elisabeth Leonskaja auf einem „mächtige“ Töne verheißenden Fazioli-Flügel weitgehend distanziert-analytisch, aber zeitweise auch sehr verinnerlicht, die sogenannten „Geister-Variationen“ in Es-Dur Robert Schumanns. Das Opus verfügt zwar über eine „gespenstische“ Entstehungsgeschichte, ist aber in Stil und Aussage ein würdiges, kaum „Geister“-assoziierendes Spätwerk.

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Sodann widmete sich das Auryn Quartett mit Hingabe und höchster Präzision dem Streichquartett in e-Moll op.121 von Gabriel Fauré, das der bereits ertaubte Komponist 1923/24 knapp vor seinem Tod geschaffen hatte. Das Werk zeichnet sich durch besondere kompositorische Dichte und Komplexität aus und erschließt sich, den Ausführenden alles abfordernd, dem Zuhörenden nicht leicht. Es enthält starke kontrapunktische Elemente, lässt sich kaum einer Stilrichtung zuordnen. Subjektiv könnte es als Gleichnis einer vielfältig variierten Welle empfunden werden: Sie steigert sich in eher musikalischer denn dynamischer Intensität und verbreitert sich in den instrumentalen Charakteristika, um sich von neuem aufzubauen.

Leonskaja entlockte dem Flügel schwebende Töne

Den Abend krönte Franz Schuberts berühmte Klaviersonate in B-Dur D 960 op. posthum, ein Solitär der Klavierliteratur und auch für große Pianisten eine Herausforderung. Mit diesem wunderbar melodiösen Werk demonstrierte Leonskaja, häufig starke Akzente setzend, ihre sagenhafte Anschlagskultur- und Technik. Speziell im ostinaten Grundmotiv des ruhig dahinfließenden Andante entlockte sie dem Fazioli schwebende Piano-Töne, über deren Zartheit man nur staunen konnte. Nach dem optimistischen Finale — dem Gegenteil eines „Schwanengesanges“ — wurde der von Bravo-Rufen und Fußtrommeln gespickte Applaus mit einer Zugabe belohnt: dem dritten Impromptu op. 90 in Ges-Dur Franz Schuberts, faszinierend gespielt.