Festival, Ausstellung und Radiosendungen ehren H.C. Artmann

Am 12. Juni feiert die Literaturwelt den 100. Geburtstag des am 4. Dezember 2000 verstorbenen Dichters H.C. Artmann. Das ORF-Radio Ö1 startet am 3. Juni einen Schwerpunkt mit 16 Sendungen, in der Edition Ö1 erscheint die Doppel-CD „H.C. Artmann: pur & vertont“. Am 9. Juni eröffnet eine Artmann-Schau in der Wienbibliothek im Rathaus. Das Kabinetttheater veranstaltet von 10. bis 12. Juni ein Minidramen-Festival, und am 12. gibt es im RadioKulturhaus eine Geburtstagsfeier.

Mit „H.C. Artmanns Zauberkasten“ startet am Donnerstag (3. Juni) um 22.05 Uhr der Ö1-Schwerpunkt mit einer Sendung über H.C. Artmanns Poesie als Quell der Inspiration für Musikschaffende von Jazz bis Wienerlied, von Oper bis Chanson. Zu hören sind Vertonungen u.a. von Gerhard Lampersberg, Kurt Schwertsik, HK Gruber und Fatty George. Am 5. Juni ist im „Ö1 Hörspiel“ (14 Uhr) Heinrich von Kleists „Der zerbrochne Krug“ in der Artmann-Bearbeitung zu hören. In der ORF-Produktion aus dem Jahr 1995 spielen unter der Regie von Klaus Gmeiner Ernst Prassel den Dorfrichter Adam, Maria Köstlinger die Eva und Julia Gschnitzer Frau Rull.

Das von Georg Motylewicz geführte letzte Interview H. C. Artmanns ist in den „Tonspuren“ am 6. Juni ab 20.15 Uhr zu hören. Er spricht darin über sein Leben, über die Faszination fremder Sprachen und über den Minimalismus in seiner Literatur. Kurt Neumann widmet sich in den „Gedanken für den Tag“ ab 7. Juni jeweils um 6.56 Uhr der visionären Sprengkraft von Artmanns Dichtung. In den „Radiogeschichten“ (11.05 Uhr) am Montag, den 7. Juni, ist Artmann mit eigener Prosa zu hören, in „Des Cis“ (11.30 Uhr) werden am Freitag, den 11. Juni, Auszüge aus der neuen Ö1-Doppel-CD „H.C. Artmann: pur & vertont“ vorgestellt. Darauf finden sich Gedichte aus „med ana schwoazzn dintn“, gelesen vom Autor selbst, sowie Artmann-Vertonungen von HK Gruber, Kurt Schwertsik und Otto M. Zykan.

Am 12. Juni singt in „Le week-end“ (13.00 Uhr) Helmut Qualtinger „Schwarze Lieder“ und trifft dabei auf Tom Waits. Ab 14 Uhr ist im „Ö1 Hörspiel“ in Artmanns „Um zu tauschen Vers für Kuss“ Erwin Steinhauer mit seinen musikalischen Reisebegleitern Joe Pinkl, Georg Graf und Peter Rosmanith zu hören. Das Klangbuch dazu erscheint im Mandelbaum Verlag. Ab 22.20 Uhr liest Anne Bennent in „Nachtbilder – Poesie und Musik“ aus Artmanns „Von denen Husaren und anderen Seil-Tänzern“. Am 13. Juni steht in „Du holde Kunst“ (8.15 Uhr) eine Aufnahme aus den späten 1980ern auf dem Programm: H.C. Artmann liest Gedichte aus „med ana schwoazzn dintn“. Und am 16. Juni (14.05 Uhr) sind im „Ö1 Konzert“ Kurt Schwertsiks Lieder nach H.C. Artmann zu hören.

Auch das ORF-Fernsehen widmet sich H.C. Artmann: Am 7. Juni (23.15 Uhr) gibt es auf ORF 2 anschließend an den „kulturMontag“ den Porträtfilm „Freibeuter der Sprache – Artmann zum Hunderter“ von Gustav W. Trampitsch.

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Im Wiener Kabinetttheater stehen beim dreitägigen Geburtstagsfestival von 10. bis 12. Juni sieben Minidramen, darunter drei Erstaufführungen, Musik nach und Texte von Artmann auf dem Programm, das man 2022 teilweise wiederholen möchte, nachdem die Veranstaltung bereits so gut wie ausverkauft ist. Der Eröffnungstag beginnt um 18 Uhr mit dem Film „wackelatlas“ (2000) von Emily Artmann und Katharina Copony. Es folgen um 20 Uhr „prolog des weissen hirschen zu caspar als luftschiffeur“ (1961), „ein tarockes stück“ (1953) und „Manifest gegen die Wiederbewaffnung Österreichs“ (1953). Musik und Lesung bestreiten Daniel Wisser und das Erste Wiener Heimorgelorchester. Am 11. Juni präsentiert Christian Thanhäuser Originalillustrationen zu Artmann-Texten, danach folgen die Dramolette „prolog der schwarzen köchin“ (1960) und „progetto di una pantomima“ (1963) sowie die „8 punkte proklamation des poetischen acts“ (1953) mit Anna C. Hauf (Gesang), Oskar Aichinger (Komposition, Klavier) und Robert Reinagl (Lesung).

Der Schlusstag startet um 18 Uhr mit einem Gespräch über „Artmanns Dramen im Allgemeinen, drei Stücke im Speziellen“. Ab 20 Uhr gibt es die Uraufführungen der Dramolette „attila ante portas“ (1963), „brighella, sauer wie der mann im mond“ (1965) und „how lovecraft saved the world“ (1963) mit Peter Paul Skrepek und Vincenz W. Wizlsperger (Musik) sowie Martina Spitzer und Thomas Frank (Lesung).

Am 12. Juni gibt es aber auch im ORF RadioKulturhaus eine Geburtstagsveranstaltung, bei der es buchstäblich Granada spielt: Bei „Granada feiern 100 Jahre H.C. Artmann“ lädt die Neo-Austropop-Formation Granada Freunde und Gäste ein, mitzufeiern und Interpretationen von H.C. Artmann zu präsentieren. Die Veranstaltung beginnt um 19.30 Uhr und ist auch als Video-Livestream auf radiokulturhaus.ORF.at zu sehen.

„geheimnachrichten an h.c.artmann“ verfasst dagegen eine von Ondrej Cikán geleitete Klasse der Schule für Dichtung. „er liebte es, die ausdrucksmöglichkeiten der sprache durch dialekt und archaismen zu erweitern. gerade mit archaismen lässt sich allerlei schabernack treiben“, heißt es in dem Aufruf, „gedichte und kürzestprosa (à max. 1500 zeichen), die sich alter stilistischer mittel oder uralter rechtschreibung bedienen, um neue bilder entstehen zu lassen und wörter zum leuchten zu bringen“ einzusenden. Eine kostenlose Registrieren unter ist dafür erforderlich. .

Auch eine Ausstellung feiert den 100er von Hans Carl Artmann: Unter dem Titel „Recht herzliche Grüße vom Ende der Welt!“ widmet man sich in der Wienbibliothek im Rathaus dem Thema Reisen in Leben und Werk des Dichters. „Zahlreiche Fotos, Lebensdokumente und Korrespondenzen zeugen ebenso wie Werke aus der Nachlassbibliothek von den Lebensstationen des vielsprachigen Dichters, die ihn bis an die Ränder Europas und weit darüber hinaus führten“, heißt es in der Ankündigung der Schau, die am 9. Juni eröffnet wird. Die rund 50 Exponate belegen nicht nur reale, sondern auch dichterische Abschweifungen. „Man stelle sich Artmann in der jetzigen Zeit vor, ohne Möglichkeit, dem Drang nach spontanen Ortswechseln nachgeben zu können“, so Gerhard Hubmann, der gemeinsam mit Marcel Atze die Schau kuratiert. Die thematische Spannweite reicht vom Reisen über Exil und Verbannung „bis hin zu Vorstellungen des geographischen Weltendes und des Weltuntergangs“.

(S E R V I C E – Ausstellung: „Recht herzliche Grüße vom Ende der Welt! H.C. Artmann zum 100. Geburtstag“, Wienbibliothek im Rathaus / Loos-Räume, Wien 1, Bartensteingasse 9/5, Ausstellungseröffnung: Mittwoch, 9. Juni, 18.30 Uhr. Geöffnet: 10. Juni bis 10. Dezember, Montag bis Freitag, 9.00 bis 13.00 Uhr – Eintritt frei, ; Ö1-Schwerpunkt-Programm im Detail abrufbar unter .; Kabinetttheater, Wien 9, Porzellangasse 49 im Hof, Karten und Informationen: 01/585 74 05; ; )

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