Fiktion: Kramlovsky & Halvax im Stifterhaus

Die Linzer Autorin Verena Halvax las im Stifterhaus.
Die Linzer Autorin Verena Halvax las im Stifterhaus. © Stifterhaus

Wie autobiografisch ist ein Roman? Die Linzerin Verena Halvax antwortet mit einem Bonmot von Autorenkollegin Margit Schreiner: 99 Prozent sind autobiografisch, 99 Prozent Fiktion. Literatur füttert paradoxe Mathematik, so auch in Halvax’ Roman „Am Kippen“ (Sisyphus). Erzählung einer Frau, der 44-jährigen Sandra, alleinerziehend mit vier Kindern.

Lebensfroh, aber das Seelengerüst bröckelt. Zustände von Übelkeit, von Panik, schleichende Erschöpfungsdepression. Mühsam hingebogener Italienurlaub, der Alltag daheim heißt auch Geldverdienen. Treffen mit enthusiasmierten Geschäftspartnern, einziger Gedanke: weg! Letzter Zufluchtsort das Klo, Notlüge Darmgrippe. Zwei Schriftstellerinnen am Dienstag im Linzer Stifterhaus, zwei thematisch sehr unterschiedliche Texte. Die in Steyr gebürtige Beatrix Kramlovsky, Jahrgang 1954, erzählt im Roman „Die Lichtsammlerin“ (Hanser blau) von drei Frauen. Fünfzehn Jahre, sagt Kramlovsky, wollte sie dieses Buch nicht schreiben, „solange meine Mutter lebt”.

Wie sehr beeinflussen Menschen über Generationen hinweg die Nachkommen? Rosa, die titelgebende Heldin, rettete zwei KZ-Häftlinge und bezahlte dafür mit dem Leben. Rosas Tochter emigriert nach Australien und scheitert. Lebensangst ihr Thema. Nach vierzig Jahren kehrt sie in die Heimat nach Linz zurück und enthüllt ihrer Tochter Details der Familiengeschichte. Einwand und gute Frage von Moderatorin Margarete Affenzeller, sind die Frauenfiguren beider Bücher in Stereotypen der Fürsorglichkeit gefangen? Trifft wohl zu, ist zugleich den erzählten Stoffen geschuldet. pia

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