Finale als Pulverfass: Appell an Zuschauer

Europa League: Atletico Madrid geht beim Finale in Lyon gegen Salzburg-Bezwinger Olympique Marseille auf den dritten Titel los

51
Zwischen Fan-Chaoten von Marseille und Lyon, in dessen Heimstadion das Finale stattfindet, kam es häufig zu schweren Ausschreitungen. Atletico-Co-Trainer German Burgos (kl. Bild) ist berüchtigt für manchen Ausraster am Spielfeld.
Zwischen Fan-Chaoten von Marseille und Lyon, in dessen Heimstadion das Finale stattfindet, kam es häufig zu schweren Ausschreitungen. © AFP/Poujoulat

Die Vorzeichen auf ein friedliches Fußballfest könnten vor dem Finale in der Europa League weitaus besser sein. Vor allem auf Seiten von Olympique Marseille gab es vor dem Endspiel am Mittwoch (20.45, live Puls 4) gegen Atletico Madrid einige Befürchtungen, dass die Lage eskalieren könnte.

Dahingehend war die Wahl des Finalorts Lyon unglücklich, wenngleich dies der UEFA freilich nicht vorzuwerfen ist. Wer konnte ahnen, dass ausgerechnet heuer mit Marseille einer der Erzfeinde des im Groupama Stadion beheimateten Klubs ins Finale kommt?

Schon in den letzten Duellen zwischen Lyon und Marseille war es zu schweren Krawallen gekommen. 1250 Polizisten sollen jedenfalls für Sicherheit sorgen, Wasserwerfer und ein Hubschrauber stehen bereit. Die Olympique-Protagonisten richteten sogar einen dringenden Appell an die Zuschauer. „Ich hoffe, dass alles im Rahmen bleibt und nichts zerstört wird. Ich hoffe, wir sind alle intelligent genug, um diese Party nicht zu ruinieren“, nahm Abwehrspieler Adil Rami die Anhängerschaft in die Pflicht. Und auch Trainer Rudi Garcia betonte: „Es muss ein Fußballfest vor, während und nach dem Spiel werden, an dem auch Frauen und Kinder problemlos teilnehmen können.“

„Türsteher“ als Vertreter von Diego Simeone

Ein Mann, der wohl nicht deeskalierend wirken wird, ist Atletico-Co-Trainer German Burgos. Der 49-Jährige vertritt den gesperrten Chef Diego Simeone und gilt als einer der aufbrausendsten Typen an der Seitenlinie überhaupt. In einem Derby gegen Real Madrid wollte er schon auf den Schiedsrichter losgehen, zu Jose Mourinho sagte er einmal: „Ich werde dir den Kopf abreißen!“ Und Ex-Salzburg-Trainer Roger Schmidt meinte nach einem Duell mit Leverkusen gegen Atletico: „Der Co-Trainer ist ja der Wahnsinn, er hat die ganze Zeit provoziert und wird immer wie ein Türsteher vorgeschickt.“

Atletico als Favorit

Sportlich gelten die Madrilenen dennoch als Favorit. Auch wenn die Diskussionen über einen möglichen Abgang von Antoine Griezmann zu Barcelona die Mannschaft belasten. „Das gefällt uns gar nicht“, gab Mittelfeldspieler Koke zu. Dafür weiß Atletico, wie es ist, in einem Endspiel zu stehen: Seit 2010 schaffte man es zweimal ins Europa-League- und zweimal ins Champions-League-Finale. 2010 und 2012 gelang im Nachfolgebewerb des UEFA-Cups der Titel.

Für Marseille ist es das erste Endspiel im Europacup seit 2004. Der letzte Triumph gelang 1993 in der CL. Frankreich ist in der Geschichte der Europa League bzw. des UEFA-Cups überhaupt noch ohne Titel. „Das ist ein Finale, man arbeitet sein ganzes Leben für so eine Gelegenheit“, sagte Marseille-Ass Luiz Gustavo.

cg