Finaltraum platzte für LASK im Elferschießen

Um 23.18 Uhr war der Traum vom ersten Cup-Finale des LASK seit 20 Jahren und vom ersten Titel seit 1965 ausgeträumt.


Nach einer nervenzerreißenden Schlacht und einem 1:1 über 120 Minuten setzte Rapids Mateo Barac dem anschließenden Elferkrimi im Halbfinale ein Ende und die Hütteldorfer ins Endspiel am 1. Mai in der Wiener Generali-Arena gegen RB Salzburg. Die Linzer standen nach einer heroischen Leistung mit leeren Händen und vor allem hängenden Köpfen da.

Von Christoph Gaigg und Roland Korntner

“65 is laung her, Linz ist hungrig, wir wollen mehr”, hieß es auf der einen Seite, “Nur wir haben es verdient, das Rapid-Trikot zu tragen” auf der anderen – schon die Begrüßungen der jeweiligen Fans spiegelten die unterschiedlichen Stimmungslagen beim LASK und Rapid wider. Die äußerten sich dann auch auf dem grünen Rasen. Die Linzer gingen gewohnt mutig zu Werke, ließen den Gegner mit ihrem Offensivpressing weder das Spiel aufbauen, noch sonst in irgendeiner Weise zur Entfaltung kommen und strahlten selbst vor allem über die Flügel (speziell über die linke Seite) viel Torgefahr aus. In Minute 16 kochte dann die ohnehin zum Hexenkessel avancierte, ausverkaufte TGW-Arena erstmals so richtig, als Joao Victor Thomas Goiginger auf links bediente, der nach einem kurzen Haken nach innen abzog und genau ins lange Eck zur umjubelten Führung traf.

LASK vernebelte Chance um Chance

Während die Hütteldorfer danach eher durch Mutlosigkeit auffielen, die Athletiker im Spielaufbau gewähren ließen und nur mit Badji und ab und an Schwab attackierten, erspielten sich die Linzer eine Reihe von Möglichkeiten auf ein schnelles zweites Tor. Joao Victor scheiterte aus spitzem Winkel an Rapid-Goalie Strebinger, den Nachschuss setzte Ranftl per Kopf neben das Tor (20.). Ein Klauss-Schuss wurde von Sonnleitner noch abgefälscht (29.), drei Minuten später war Strebinger gegen die Hoffenheim-Leihgabe zur Stelle. Und drei Minuten vor der Pause verhinderte nur die Latte nach einem Goiginger-Kracher aus spitzem Winkel das 2:0 (42.). Von Rapid kam bis auf einen Schwab-Kopfball (21.) und einen zu unplatzierten Schussversuch Desselben (44.) offensiv nichts, weil die Schwarz-Weißen aggressiv gegen den Ball arbeiteten, die Räume gut zustellten und den Wienern völlig der Plan fehlte.

Schock nach Corner

Auch nach dem Wechsel blieben die Hausherren zunächst gefährlicher, Goiginger hatte nach Ranftl-Ablage abermals den zweiten Treffer am Fuß, verfehlte aber das Gehäuse knapp (53.). Dann plötzlich der Schock: Eckball Rapid auf die erste Stange, der Ball wurde verlängert und sprang Maximilian Hofmann vor die Füße, der zum 1:1 einschoss (54.). Die Hütteldorfer bestraften damit die vielen vergebenen Chancen des LASK, der das erste Gegentor im ÖFB-Cup in der laufenden Saison hinnehmen musste.

Erst Pech, dann Glück

Danach waren die Oberösterreicher gleich zweimal vom Pech verfolgt: Rapids Auer klärte eine Hereingabe im Sechzehner klar mit dem Ellbogen, die Pfeife von Schiedsrichter Hameter blieb aber stumm (59.). Fünf Minuten später knallte Wiesinger den Ball aus über 20 Metern an die Latte – schon zum zweiten Mal verhinderte Aluminium die Torhymne der Schwarz-Weißen.

Es folgte die ereignisärmste Phase des Duells, in der beide Teams, wissend um die Bedeutung eines weiteren Tores, nicht das letzte Hemd riskieren wollten. Diese Phase sollte aber ein jähes Ende finden, als zunächst Ramsebner Schobesberger umsenste. Als dann auch noch Michorl Murg regelrecht niederstreckte, die Rote Karte aber ausblieb, glich die Atmosphäre endgültig einem explodierenden Pulverfass. Torschütze Hofmann konnte sich nicht beruhigen und sah Rot, spätestens jetzt wurde der Cup-Schlager zu einer echten Pokal-Schlacht.

Tor aberkannt

In der Verlängerung drückte wieder der LASK, während die Gäste tief standen und sich in Unterzahl hinten einigelten. Das offensichtliche Ziel der Wiener: Sich irgendwie ins Elfmeterschießen zu retten. Das gelang, weil die Athletiker durch Klauss (91.) und Victor (94.) abermals Top-Gelegenheiten ausließen sowie ein Tor von Wiesinger (105.) wegen Abseits zurecht aberkannt wurde.

So kam es, wie es fast kommen musste: Aus elf Metern hatten die Grün-Weißen letztlich die besseren Nerven. Holland und Tetteh verfehlten das Tor, bei Rapid vergab nur Grahovac, um 23.18 Uhr war der Finaleinzug der Hütteldorfer besiegelt. Ein tiefer Stich ins Herz der Stahlstädter.

LASK – SK Rapid Wien 4:5 n.E. (1:1, 1:1, 1:0)
TGW-Arena, 6087, SR Hameter
Torfolge: 1:0 Goiginger (16.), 1:1 Hofmann (54.).
Elfmeterschießen: 1:0 Goiginger, 1:1 Murg, Holland verschießt, 1:2 Schwab, Tetteh verschießt, Grahovac verschießt, 2:2 Frieser, 2:3 Pavlovic, 3:3 Ullmann, 3:4 Barac.

LASK: Schlager – Ramsebner, Trauner, Wiesinger – Ranftl, Holland, Michorl, Ullmann – Goiginger, Klauss (Tetteh 101.), Victor (Frieser 97.).
Rapid: Strebinger – Müldür, Hofmann, Sonnleitner, Auer – Ljubicic (Knasmüllner 65./Barac 91.), Grahovac – Murg, Schwab, Schobesberger – Badji (Pavlovic 82.).
Gelb: Ramsebner, Michorl; Pavlovic, Auer.
Rot: Hofmann (92./Kritik), Ranftl (120.)