Finanzchefin von Huawei in Kanada festgenommen

Die jüngste Festnahme der Huawei-Managerin Meng Wanzhou steht Insidern zufolge im Zusammenhang mit dem Verdacht auf Verwicklung von Banken in Verstöße gegen Iran-Sanktionen. Es werde ermittelt, ob der chinesische Telekomkonzern das britische Geldhaus HSBC für illegale Transaktionen mit dem Iran genutzt habe, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Die Huawei-Finanzchefin und Tochter des Huawei-Gründers war am Samstag nach Aufforderung der US-Behörden in Kanada festgenommen worden. Das Vorgehen gegen den weltgrößten Netzwerkausrüster ließ Sorgen vor einer Verschärfung des US-Handelsstreits mit China erneut hochkochen.

Huawei bestätigte lediglich die Verhaftung in einem Statement. Der Konzern habe aber nur wenige Informationen erhalten, was der Managerin vorgeworfen werde und ihm sei kein Fehlverhalten bekannt. Huawei halte sich an alle Gesetze und Regulierungen, inklusive Exportkontrollen und Sanktionen der Vereinten Nationen sowie der USA und der EU.

Laut der kanadischen Zeitung “The Globe and Mail”, die zuerst über die bereits am 1. Dezember erfolgte Verhaftung berichtet hatte, sucht die US-Justiz Wanzhou wegen Sanktionsverstößen. Einem Insider nach werde die Tochter von Huawei-Gründer Ren Zhengfei beschuldigt, das US-Handelsembargo gegen Iran verletzt zu haben.

In den USA kursieren schon länger Medienberichte, wonach Justizbehörden gegen den chinesischen Telekom-Ausrüster ermitteln. Das “Wall Street Journal” schrieb bereits im April, die US-Justiz habe Untersuchungen eingeleitet. Demnach verdächtigen die Behörden Huawei, mindestens seit 2016 in den USA gefertigte Produkte in den Iran und andere von US-Sanktionen belegte Staaten exportiert zu haben. Die USA haben den Konzern zudem unter Spionage-Verdacht, deshalb kann Huawei dort geschäftlich auch nur stark eingeschränkt agieren.

Für Freitag wurde eine gerichtliche Anhörung mit Meng angesetzt, wie das kanadische Justizministerium mitteilte. Dabei soll geprüft werden, ob die Tochter von Konzerngründer Ren Zhengfei gegen Auflagen freikommt.

Huawei ist einer der weltweit größten Anbieter von Telekommunikationsausrüstung und Dienstleistungen in dem Bereich. Dieses Jahr überholte der chinesische Konzern Apple als zweitgrößter Handyhersteller der Welt und ist Marktführer Samsung auf den Fersen. In mehreren Ländern wird Huawei allerdings eine zu große Nähe zur chinesischen Regierung vorgeworfen. Die USA und andere westliche Staaten sehen Huawei als Gefahr für ihre Cybersicherheit und befürchten, die Technologie des Konzerns könnte ein Einfallstor für chinesische Spionage sein. Erst am Mittwoch teilte der britische Telekommunikationskonzern BT mit, in seinen Netzen auf Huawei-Technik zu verzichten. Neuseelands größter Telekommunikationsanbieter Spark bekam kürzlich vom Geheimdienst des Landes die Auflage, beim Ausbau von 5G auf Huawei-Technik zu verzichten.

Die Festnahme der Finanzchefin lässt unterdessen die Sorgen vor einer Verschärfung des Handelsstreits mit den USA erneut hochkochen. Weltweit gingen die Aktienmärkte am Donnerstag überdies auf Tauchstation. Der exportorientierte deutsche Leitindex DAX fiel erstmals seit zwei Jahren wieder unter die Marke von 11.000 Punkten. Der europäische Stoxx600-Index fiel 1,2 Prozent und näherte sich damit dem niedrigsten Stand seit zwei Jahren. Lediglich die Aktien des schwedischen Netzwerkausrüsters Ericsson, der als direkter Huawei-Konkurrent auf Vorteile durch die Probleme in den USA rechnen kann, legten 1,5 Prozent zu. Rivale Nokia konnte nicht profitieren.