Reformfreudiger Eliasch weiter bis 2026 FIS-Präsident

Der Brite Johan Eliasch ist als Präsident des Internationalen Ski- und Snowboard-Verbandes (FIS) – so der neue Name des Weltverbandes – für vier Jahre wiedergewählt worden. Der in Schweden geborene ehemalige Head-Chef erhielt am Donnerstag in Mailand beim 53. FIS-Kongress 100 Prozent der abgegebenen Stimmen, aber nicht alle Delegierte hatten gewählt. Ex-ÖSV-Präsident Peter Schröcknadel ist neues FIS-Ehrenmitglied, ÖSV-Finanzreferent Patrick Ortlieb neues Vorstandsmitglied.

Eliasch hatte das Amt im Juni 2021 vom verstorbenen Schweizer Gianfranco Kaspar übernommen. Bei seiner Wiederwahl war er der einzige Kandidat, die Abstimmung bei der Generalversammlung hätte per Akklamation stattfinden sollen. Auf Antrag mehrerer Delegierter wurde per Abstimmung eine geheime Wahl festgelegt. Der nicht mit der Fragestellung zufriedene kroatische Delegierte Vedran Pavlek verließ vor der Abstimmung aus Protest den Raum, einige andere folgten. Von den verbliebenen Delegierten erhielt Eliasch die höchstmögliche Unterstützung.

„Wir brauchen Veränderung, wir brauchen einen Wandel“, reagierte der FIS-Chef auf das Vertrauen. „Das ist ein Abstimmungsergebnis, mit dem wir weiter in diese Richtung gehen können. Ich freue mich darauf.“ Der 60-Jährige sprach auch von unlimitierten Möglichkeiten. Radikale Reformbestrebungen und mangelnde Kommunikation hatten die nationalen Verbände im Vorfeld des Meetings vom Milliardär abrücken lassen. Viel diskutierte Themen sind Ansätze für die Gestaltung des alpinen Weltcupkalenders und die angestrebte Zentralvermarktung der Rechte.

„Der jetzige Kalender (für 2022/23/, Anm.) wurde in enger Verbindung mit dem Vorstand von diesem einstimmig genehmigt“, sagte Eliasch in der anschließenden Pressekonferenz. Kritik ob so mancher Änderungen dürfte ihn nicht überrascht haben. „Wenn man etwas zum Besseren ändert, haben immer manche andere Interessen. Der neue Kalender ist aber eine Grundlage, um darauf aufzubauen und um weitere Verbesserungen zu machen.“

Ein wesentlich neuer Punkt in er nächsten Saison ist, dass es für die Männer nach den Weltmeisterschaften im Februar in Meribel/Coruchevel erneut nach Nordamerika geht. Für Eliasch ist das eine Notwendigkeit: „Skirennsport ist groß in den USA, aber die FIS ist dort nicht so am Plan, wie sie sein sollte“, ließ er wissen. „Im März ist das Interesse in Europa für den Weltcup im Abnehmen, in den USA aber herrscht noch großes Interesse. Das ist daher eine sehr gute Zeit, um dorthin zu gehen.“ Der US-Trip im November/Dezember hingegen folge daraus, dass es sonstwo meist Schneemangel gebe.

Eliasch hat auch China im Fokus, seine Eindrücke von den Winterspielen bestätigen ihn darin. „Da haben sie ihr großes Potenzial gezeigt. Wir hoffen, China in allen Disziplinen im Kalender zu haben. Das wird uns eine weitere Möglichkeit eröffnen, Ski und Snowboard so weit wie möglich hinauszutragen. Das ist ein Prozess. Wir müssen einen Weg finden, um einen kontinuierlichen Kalender zu haben.“ Einen möglichst einfachen Kalender mit so wenig Reisekilometern und niedrigen Kosten wie möglich und an schönen, kultigen Plätzen zu haben, sei aber eine Herausforderung.

Dass es vor seiner Wahl Unstimmigkeiten gegeben hat und die 100 Prozent der abgegebenen Stimmen für ihn wohl nicht den Grad der Zustimmung zeigen, irritiert Eliasch nicht. „Es gibt verschiedene Meinungen, es ist eine Demokratie. Aber die Wahl war transparent.“ Auch unter Einbeziehung derjeniger, die den Saal verlassen hatten, läge die Zustimmung sicher über 60 Prozent. „Das ist eine signifikante Mehrheit. So können wir den Prozess weiterverfolgen, mit dem wir vor einem Jahr begonnen haben. Es ist meine Pflicht, das Beste für alle Verbände herauszuholen.“

Das möchte Eliasch auch auf dem Sektor der Medienrechte, für die er eben die Zentralvermarktung anstrebt. „Das kann einen großen Vorteil für die FIS als Ganzes bringen. Auch für die Länder, die am meisten vom Weltcup profitieren“, meinte er wohl auch in Richtung ÖSV. „Wir machen das mit Transparenz.“ In diesem Sinn sprach er auch geplante „FIS Games“ an, sie sollen in den geraden Jahren ohne Winter-Olympia stattfinden. „Wenn man das zusammennimmt, würde das die Aufmerksamkeit, die Fanbasis und die Zuschauerzahlen steigern.“

Vor Eliasch’ Wahl war der 80-jährige Schröcksnadel für seine lange Mitwirkung im FIS-Vorstand per Standing Ovations gedankt worden, später erfolgte einstimmig seine Ernennung zum Ehrenmitglied. Rot-weiß-roter Vertreter im Vorstand statt dem zuletzt als Vizepräsident amtierenden Tiroler ist nun der Vorarlberger Ortlieb. Der Olympiasieger in der Abfahrt von 1992 in Albertville schaffte es unter 23 Kandidaten mit dem sechstbesten Ergebnis sicher auf einen der 18 zu vergeben gewesenen Vorstandsplätze. Wer die neuen Vizepräsidenten sind, war vorerst noch nicht klar.

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