„Fit mit Philipp“: Der Vorturner der Nation

„Fit mit Philipp“: Eigene Sendung und der Traum vom Praterstadion mit 50.000 Turnern

Philipp Jelinek ist gerne der „Vorturner der Nation“ © ORF/Hans Leitner

Vielleicht haben Sie heute schon mit ihm geturnt, vielleicht stehen die rund 20 Minuten Bewegung noch an. Am Montag (11.1.) jedenfalls startet „Fit mit Philipp“ als eigene Sendung auf ORF 2. ORF-Vorturner Philipp Jelinek zeigt, wie es geht: von Montag bis Freitag jeweils 9.10 bis 9.30 Uhr.

VOLKSBLATT: Sie haben Ende März angefangen im ORF zu turnen, jetzt startet Ihre eigene Sendung. Haben Sie mit so einem Erfolg gerechnet?

PHILIPP JELINEK: Nein! Das war eine ganz spontane Aktion. Ich habe am 20. März eine Mail an den Channel-Manager und den Sendungsverantwortlichen geschrieben, binnen drei Minuten habe ich die Antwort „Wir machen das! Wie setzen wir es um?“ bekommen und zehn Tage später sind wir auf Sendung gegangen. Die Idee war: Wir turnen a bissl im Lockdown. Wir haben damals ein Samenkorn gesetzt und das hat sich einfach super prächtig entwickelt. Vor zwei Monaten ungefähr bin ich dann angerufen worden, dass es eine eigenständige Sendung wird. Es war ein sehr emotionaler Moment, wo auch die eine oder andere Träne geflossen ist.

Wie wird denn die neue Sendung ablaufen?

Prinzipiell bleibt „Fit mit Philipp“ wie es ist. Es kriegt nur eine eigene Aufmachung. Wir bleiben bei den Turn-Basics, weil alles andere wäre zu viel. Natürlich schauen wir, dass wir immer ein bisschen ‘was Neues hineinbringen. Ich arbeite ja mit einem Sporttherapeuten und mit einer Physiotherapeutin zusammen. Das was wir tun, kann jeder machen. In seiner Bewegungsgröße eben, in seiner Intensität. Mein großes Ziel ist es, dass die Damen und Herren in Österreich gesund altern. Was begonnen hat mit der zweiten Lebenshälfte ist mittlerweile bei allen Generationen am Plan. Der nächste Schritt für mich ist, Kinder zu bewegen. Das Sportministerium hat mich kontaktiert, dass sie „Fit mit Philipp“ in den Schulen ausprobiert haben — mit einer sehr guten Resonanz. Mittlerweile sind wir soweit, dass es ein Unterstützungsschreiben gibt vom Ministerium und von der Österreichischen Bundessportorganisation. Der Traum wäre, dass täglich 20 Minuten in den Schulen mitgeturnt wird.

Man hätte ja auch erwarten können, dass die Menschen im Lockdown träge werden …

Was mich besonders freut ist, wenn Menschen mir schreiben, die mich wochen- oft monatelang beobachtet haben, und dann mitmachen und Freude daran haben. Die merken, dass es ihnen gut tut.

Die „neue“Sendung wäre ein guter Startpunkt für Neueinsteiger, oder?

Genau! Neujahrsvorsatz! Wir selber sind für unsere Gesundheit verantwortlich. Dadurch stärken wir unser Immunsystem, wir können also alle selber einen Beitrag dazu leisten, gesünder zu sein.

Es ist ja erstaunlich, dass in Zeiten, wo Fitness-Videos jederzeit abrufbar sind, das Turnen im Fernsehen so einen Erfolg hat. Was ist das Erfolgsgeheimnis?

Eines ist der Live-Faktor. Ich stehe wirklich jeden Tag um die Zeit dort und die Menschen haben mit mir einen Termin. Die wissen: „Um kurz nach 9 kommt der Philipp!“ Die Menschen haben dadurch wieder eine Struktur. Die freuen sich, dass es 9 wird und dass sie sich bewegen und sie haben auch einen Spaß dabei. Und das ist der zweite Faktor: Es lebt davon – der Philipp ist wie er ist. Ich verstelle mich nicht und ich glaube, dass die Leute das sehr schätzen. Der dritte Punkt ist der, dass, wenn du dir ein Youtube-Fitness-Video anschaust – da schalten viele nach zwei Minuten ab, weil das, was gezeigt wird, der Otto-Normalverbraucher nicht kann. Die 20 Minuten sind ideal. Das kannst du sogar im Büro machen, du brauchst nicht einmal ein Turngwandl dafür.

Ihre große Stärke ist die Motivation. Bekommen Sie auch die größten Couchpotatoes zum Turnen?

Es ist das Schönste, wenn die richtigen Bewegungsmuffel mir schreiben. Da schreibt mir beispielsweise eine Frau, die mitmacht, dass ihr Mann immer danebengesessen ist und sie belächelt hat – und jetzt turnt er mit.

Das neue Jahr hat begonnen, am Wunschzettel vieler Menschen steht mehr Bewegung. Wie überwindet man den Schweinehund? Ihr ultimativer Tipp!

Indem man den Schweinehund an der Hand nimmt und sagt „Komm Schweinehund, gemma! Jetzt geben wir Gas!“ Es ist ja nicht jeder Tag gleich, auch der Schweinehund kann mal auf der Couch liegen. Aber man weiß ja, wie gut man sich nach einem Training fühlt! Wenn man dieses Gefühl einmal gehabt hat, dann kann man damit schon Suchtpotenzial entwickeln.

Wie kann es mit „Fit mit Philipp“ noch weitergehen?

Corona hat es zu dem gemacht, was es ist, jetzt bremst es ein bisschen. Weil der nächste Schritt, den ich machen wollte, der wegen den aktuellen Bedingungen noch nicht möglich war, ist, dass ich zu den Menschen gehen möchte. In Schulen, in Altersheime … dort mit den Menschen live turnen, ihnen das Gefühl des gemeinsamen Bewegens geben. Mein Traum ist es, das Praterstadion zu füllen und dort mit 50.000 Menschen gemeinsam zu turnen.

Gibt es weitere Ambitionen im Fernsehen?

Mein Traum war immer eine eigene Samstagabendshow. Ich habe schon ein Konzept geschrieben, und die 40plus-Generation schaut sich so etwas noch gerne an. Das ist genau meines. Ich weiß, was ich kann. Ich mache auch seit Jahren das Warm-Up bei der „Starnacht“ in Klagenfurt, oder in der Wachau. Live ist mein Leben.

Mit Vorturner PHILIPP JELINEK sprach Mariella Moshammer

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