Fixe Größe in der Theaterlandschaft Gebhartl

Das Linzer Theater Phönix wird heute 30 Jahre alt

Das Linzer Phönix wird 30. Es etablierte sich bereits bald nach dem Start als fixe Größe der Linzer Theaterlandschaft. Zu den Gründungsmitgliedern zählen neben Theaterleiter Harald Gebhartl u. a. auch bekannte Namen wie Ferry Öllinger oder Georg Schmiedleitner, der anlässlich des Jubiläums vor zwei Wochen den Schiller-Remix „SCHILLER. Aufruhr und Empörung“ auf die Phönix-Bühne brachte.

1989 übersiedelte die „Spielstatt Junge Bühne“ aus Leonding in das ehemalige Kino an der Wienerstraße in Linz. Der Umzug war mit großem Engagement der Theatermacher verbunden: Sechs Mitglieder übernahmen für den Kauf des Hauses die Haftung für einen Kredit über mehrere Millionen Schilling. Am 12. Dezember stieg das Phönix mit Turrinis „Rozznjagd“ dann aus der Asche.

Lange kämpfte man mit Geldnöten. Heute ist das Phönix aber stabil, wenn auch ohne große finanzielle Spielräume. Eine flache Gehaltspyramide, Gäste, die gerne am Haus spielen, sowie ein treues Publikum tragen das Ihrige dazu bei, dass es über die Runden kommt. In der abgelaufenen Saison sahen sich knapp 19.000 Zuschauer gut 200 Vorstellungen an. Das Theater verfügt über drei Spielstätten: Der Saal fasst bis zu 230 Zuschauer, der Balkon an die 80 und das Studio rund 50.

Inhaltlich setzt das Phönix auf Autorentheater, Klassiküberschreibungen, Uraufführungen und Auftragswerke — in der aktuellen Saison etwa „Die Affäre Odilon“ von Thomas Baum. Auch aktuelle Themen werden immer wieder aufgegriffen — heuer recherchiert das Phönix in Zusammenarbeit mit dem Grazer Theater am Bahnhof in einem der spektakulärsten Kriminalfälle Österreichs: „1988 — Casting Tibor Foco“ hat am 9. April Premiere.

Immer wieder macht das Phönix aber auch deutlich, dass es sich als Teil der freien Szene sieht. Im Kulturhauptstadtjahr Linz09 ging man in Opposition, was sich etwa in Kurt Palms Satire „Der Zwerg ruft“ manifestierte. Angesichts des Kult-Status der Produktion wurde 2017 eine Fortsetzung — „Ein Sommernachtstraum oder Badewannengriffe im Preisvergleich“ — mit der Originalbesetzung Ferry Öllinger, Karl Ferdinand Kratzl und Georg Lindorfer wieder von Kurt Palm auf die Bühne gebracht.

Der heutige Geburtstag wird nicht explizit gefeiert. Aber am 28. Februar erinnern mit Ingrid Höller und Ferry Öllinger zwei Darsteller von damals in einer szenischen Lesung von Turrinis „Rozznjogd“ an die Eröffnungspremiere.

Er war von Anfang an mit dabei und zählt zu den Gründervätern des Theater Phönix: Harald Gebhartl über Highlights, „Theaterlehrlinge“ und Selbstläufer.

Harald Gebhartl, Mitbegründer und Leiter des Phönix. © Helmut Walter
Harald Gebhartl, Mitbegründer und Leiter des Phönix. © Helmut Walter

VOLKSBLATT: Was waren für Sie die Highlights der vergangenen 30 Jahre?

HARALD GEBHARTL: Jede Produktion ist Herausforderung und Highlight. Herausragend waren für mich „Die Räuber“ in der Regie vom Schmiedi (Anm., Georg Schmiedleitner) und der „Urfaust“.

Wo sehen Sie sich heute in der Theaterlandschaft?

Wir sehen uns als Mittelbühne mit internationalem Charakter.

Betrachten Sie das Phönix auch als Talenteschmiede?

Es hat viele „Theaterlehrlinge“ gegeben, die es zu Größerem gebracht haben, zum Beispiel Ferry Öllinger oder die Regisseurin Christine Ebner, die es ans Hamburger Schauspielhaus geschafft hat, oder die Regisseurin Susanne Lietzow. Schmiedleitner natürlich — aber es haben nicht nur die Gründerväter da mitgemischt. Und viele kommen immer wieder gern ans Phönix zurück.

Wie entwickeln sich die Besucherzahlen?

Die liegen meist bei rund 20.000. Mehr geht nicht, weil wir seit 14 Jahren mit den Subventionen eingefroren sind. Könnten wir investieren, dann hätten wir auch mehr Produktionen …

Wie erreichen Sie junges Publikum?

Früher war Theater ein Selbstläufer, jetzt müssen wir schon ein bissl Marketing machen. Die Schäxpir-Produktion „Else ohne Fräulein“ haben wir schon zweimal verlängert, weil so viele Jugendliche kommen.

Was sind die nächsten Pläne?

Fortsetzung des Erfolgsweges und dabei immer neue Sachen entdecken. Konkretes gibt’s noch nicht, zum Geburtstag gehen wir in Klausur.

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