Fleisch-Käufer bleiben weiter sparsam

Tierwohl-Gedanke wird in Umfragen viel höher bewertet als dann im Geschäft

Konsumenten wollen laut Studien derzeit zugunsten des Tierwohls einen Preisaufschlag von lediglich 13 Prozent akzeptieren.
Konsumenten wollen laut Studien derzeit zugunsten des Tierwohls einen Preisaufschlag von lediglich 13 Prozent akzeptieren. © Knut Viarda - stock.adobe.com

Enttarnt hat den Konsumenten zuletzt wieder ein Experiment der deutschen Hochschule Osnabrück. Dort wurden Fleischwaren mit einem Tierschutz-Gütesiegel in Supermarkt-Vitrinen platziert und die Kaufentscheidungen der Konsumenten dokumentiert — direkt am Regal und vor dem Geschäft in Form von Interviews. Ergebnis: Nur 16 Prozent der Kunden haben im Regal zum Tierwohl-Produkt gegriffen und der akzeptierte Preis-Zuschlag liegt nur bei maximal 13 Prozent.

Eine Grenze, die laut Online-Umfrage des Instituts Marketagent.com auch die österreichischen Konsumenten ziehen. Und das, obwohl bei Umfragen mehr als 80 Prozent angeben, im Sinne des Wohls von Kuh, Schwein, Henne und Co. im Geschäft mehr bezahlen zu wollen. Wissenschafter hatten etwa (auf Basis von Befragungen) vor dem Osnabrück-Experiment Tierwohl-Aufzahlungsbereitschaften von jeweils knapp 40 Prozent bei Eiern, Milch und Fleisch für den durchschnittlichen deutschen Kunden errechnet.

Preisreflex weiter in Kraft

Heißt nun in der wieder aufkeimenden Debatte über eine Sondersteuer zugunsten der landwirtschaftlichen Tierhaltung: Trotz aller Öko-Euphorie ist der Preisreflex der Kunden weiter aktiv. Und dieser Reflex führt in allen Studien bei Preiserhöhungen zu spürbaren Einschränkungen der Kunden. Eine Studie der Technischen Universität München beziffert diese erwartbaren Kaufrückgänge pro Prozentpunkt Preisanstieg: minus 0,93-1,15 Prozent bei Geflügelfleisch, minus 0,71-1,17 Prozent bei Schweinefleisch, minus 1,20-1,41 Prozent bei Rind- und Kalbfleisch sowie minus 1,18-1,39 Prozent bei Wurst.

Erste Hoffnungsschimmer

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Bleibt die Frage nach Möglichkeiten zur Besänftigung der Konsumenten. Hoffnungsschimmer sehen Agrarökonomen dort, wo Bevölkerungskreise schon jetzt eine überdurchschnittliche Zahlungsbereitschaft für das Wohl der Nutztiere zeigen. Es gilt dies laut Studien schwerpunktmäßig für Frauen, Akademiker, öffentlich Bedienstete und urbane Kreise mit Wurzeln im dörflich-landwirtschaftlichen Milieu. Interessanterweise ist der Effekt der Einkommenshöhe auf die Tierwohl-Zahlungsbereitschaft eines Kunden derzeit nicht klar definierbar. Weniger Chancen hat das Tierwohl-Argument am Supermarkt-Regal jedenfalls laut Studien bei älteren Menschen, bei Menschen mit geringem Bildungsniveau, bei Alleinstehenden, bei Menschen im ländlich-landwirtschaftlichen Milieu sowie tendenziell bei Käufern von Verarbeitungsprodukten anstelle von rohem Fleisch.

Experten fordern Allianz

Was soll und kann nun getan werden, um die Landwirte für ihre Leistungen in Sachen Tierwohl gerecht zu entlohnen? In Deutschland präferieren die Kunden zu mehr als 70 Prozent die Ausschüttung entsprechender EU-Förderungen. Eine Sondersteuer würden nur knapp 25 Prozent befürworten. Marketing-Experten sehen Ansatzpunkte für eine Beruhigung des Preisreflexes an vier Stellen: Platzierung von Tierwohl-Produkten und intensive Information in den Geschäften, Klasse statt Masse bei den Gütesiegeln, Verdeutlichung der positiven Auswirkungen der Kaufentscheidung jedes einzelnen Kunden und Etablierung einer österreichweiten Handels-Allianz zugunsten von Tierwohl und Tierschutz in der Landwirtschaft.

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