Flughafen Wien verliert an Boden

Ryanair sieht keine Zukunft in Schwechat – Das Rettungspaket für Lufthansa-Tochter AUA liegt noch in weiter Ferne

Für die Ryanair-Tochter Laudamotion könnte in Wien-Schwechat bald Schluss sein. Auch Lufthansa und Austrian Airlines müssen abspecken.
Für die Ryanair-Tochter Laudamotion könnte in Wien-Schwechat bald Schluss sein. Auch Lufthansa und Austrian Airlines müssen abspecken. © APA/Fohringer

Bei den Verhandlungen der Lufthansa-Tochter AUA mit der Regierung über Staatshilfen ist eine rasche Einigung nicht in Sicht. Klima- und Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Grüne) meinte dazu, die Fortbestandsprognose der Wirtschaftsprüfer sei noch ausständig. Man bereite sich auf mehrere Optionen und Szenarien vor, so Gewessler.

Der AUA-Aufsichtsrat soll am Mittwoch über die weitere Vorgangsweise beraten. Die Austrian Airlines haben 767 Mio. Euro Staatshilfen gefordert und verhandeln mit Lieferanten über Preisnachlässe in Höhe von 20 Prozent. Die AUA-Belegschaft hat zudem ein Paket im Wert von 200 Mio. Euro Einsparungen und Lohnverzicht über einige Jahre angeboten. Das Schicksal des Luftfahrt-Drehkreuzes Wien hängt an einem immer dünneren Faden.

Diese Woche wird über eine Rettung der Lufthansa und ihrer Tochterfirmen weiter verhandelt, die Luftlinie braucht dringend etwa zehn Milliarden Euro Steuergeld, wehrt sich aber gegen staatliche Beteiligungen.

Eurowings, die Billigflugtochter der Lufthansa, fährt das Flugangebot im Juni angesichts des schrittweisen Abbaus von Reisebeschränkungen in Europa hoch. So seien 40 neue Ziele im Programm. Bis Ende Juni sollen bis zu 20 Flugzeuge wieder abheben.

Schwechat droht das Aus

Der irische Billigfluglinie Ryanair fährt angesichts der Corona-Krise ein scharfes Sparprogramm. Dem dürfte auch die Laudamotion-Basis in Wien zum Opfer fallen, sagte Firmenchef Michael O’Leary anlässlich der Präsentation der Unternehmensergebnisse für 2019/20. Er rechne nicht mehr mit einer Einigung mit der heimischen Gewerkschaft.

O’Leary verlangt im Konzern von Piloten und Kabinenpersonal eine Lohnkürzung von 20 Prozent. Selbst mit diesem Entgegenkommen würden 3000 Jobs wegfallen. Sollten die Mitarbeiter dem nicht zustimmen, dann würden noch mehr Jobs gestrichen, stellte O’Leary klar.

Laudamotion stehe vor einer existenziellen Krise und habe schon vor Ausbruch der Corona-Pandemie Verluste gemacht. „Ich denke, dass es wahrscheinlich ist, dass die Basis in Wien Ende Mai schließt, weil wir nicht sehen, dass die Gewerkschaft, die vor allem Beschäftigte österreichischer Luftlinien vertritt, Bedingungen akzeptiert, die Lauda überleben lassen“, so O’Leary.

Die übrigen Lauda-Stützpunkte in Stuttgart, Düsseldorf und Palma bleiben offen, sagte O’Leary. Dafür dürften andere Ryanair-Basen dem Sparstift zum Opfer fallen, zunächst in Großbritannien, Spanien und Deutschland. Aber auch Stützpunkte in Italien, Belgien und Osteuropa stehen auf dem Prüfstand. Das abgelaufene Geschäftsjahr 2019/20 für Ryanair durchaus erfolgreich. 149 Mio. Passagiere wurden befördert, der Gewinn nach Steuern lag knapp über einer Milliarde Euro.

Kritik an Sparmaßnahmen

Harsche Kritik an Ryanair kam von der Arbeiterkammer. Demnach würden Ryanair-Beschäftigte über „Drangsalierungen, psychischen Dauerdruck und sicherheitsgefährdende Einsparungen“ klagen.

Techniker würden „systematisch unter Druck gesetzt, um ihr OK für die Flugtauglichkeit von Fliegern zu geben, um damit notwendige teurere Service-Wartungen zu umgehen“, berichtete AK-NÖ-Präsident Markus Wieser. Auch gebe es Berichte über Zwangsimpfungen für Mitarbeiter oder Kündigungen nach Krankenständen.

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