FMA will von Banken noch länger keine Dividenden sehen

In den nächsten Tagen werden Europas Aufseher darüber befinden, ob die Banken bald wieder Dividenden ausschütten sollen. Um in der Coronakrise Kapital in den Finanzhäusern zu halten, hatte die EZB – und in Österreich die FMA – angeraten, bis Jahresende 2020 nicht auszuschütten. Große Bankkonzerne und auch kleinere heimische Häuser hoffen, ihre Aktionäre wieder bedienen zu können. Die FMA plädiert aber dafür, den Dividendenstopp zu verlängern.

Die heimische Finanzmarktaufsicht (FMA) ist dafür, dass – um die Banken kapitalstark zu halten – so wenig Geld wie möglich aus den Bankbilanzen herausfließt. FMA-Vorstand Helmut Ettl meinte am Donnerstag, vor dem Hintergrund der tiefen Krise durch die Corona-Pandemie wäre es im Moment die beste Lösung, keine großartigen Ausschüttungen vorzunehmen. Man will hier aber jedenfalls in enger Abstimmung mit den europäischen Gremien zu einer neuen Entscheidung kommen.

Die EZB und auch die Bank of England werden in den nächsten Tagen ihre bereits einmal verlängerten „Dividendenverbote“ überprüfen.

Die FMA hat am Donnerstag ihre Prüf- und Aufsichtsschwerpunkte ab 2021 erläutert. Das Instrument des Stresstests soll auf Vorsorgekassen und Fonds ausgeweitet werden, um negative Marktentwicklungen auf verwaltete Vermögen zu erkennen und gegenzusteuern. Es geht auch um Nachhaltigkeitsrisiken in den Bilanzen von Finanzhäusern. Die sollen Eingang in die Bewertungen für die Kapitalvorgaben finden.

Branchenweit getestet werden soll, wie es um die „Abwicklungsfähigkeit“ von Banken bestellt ist, wenn sie im Krisenfall vom Markt genommen werden müssten. Dabei soll laut FMA-Vorstand Eduard Müller herauskommen, wie die Abläufe aussehen und wie alle Beteiligten zusammenspielen. 2021 wird es außerdem eine Neuauflage der Digitalisierungsstudie über den heimischen Finanzmarkt geben.

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Als eine der Lehren aus dem Zusammenbruch der Mattersburger Commerzialbank will die Aufsicht auch andere so genannte „Stand-alone“-Banken gesondert auf ihre Risiken abklopfen. Die Mattersburger waren unter den ersten einer Reihe von regionalen Banken, die im Streit mit ihren früheren dezentralen Sektoren den Weg in die Selbstständigkeit gewählt hatten. Was die Commerzialbank selbst betrifft, so bleibt die FMA dabei, dass dies „keine Bankpleite, sondern Bankraub“ gewesen sei, wo mit hoher krimineller Energie alle externen und internen Kontrollmechanismen ausgehebelt worden seien. Noch stärker zu diskutieren wären in den Augen der FMA Abgrenzungsfragen zwischen den Rollen der Bankenaufseher und der Ermittler.

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