Förderung für Fortbildung in Kurzarbeit wird erhöht

Um den Herausforderungen des Strukturwandels auf dem Arbeitsmarkt zu begegnen, ist nun ein neuer Austausch- und Arbeitsprozess auf Expertenebene gestartet.

„Ziel ist es, neue Entwicklungen in der Arbeitswelt zu begleiten“, sagte ÖVP-Arbeitsminister Martin Kocher am Dienstag vor Journalisten in Wien. „Dabei wird unter anderem Qualifizierung während des Erwerbslebens entscheidend sein.“ Das gelte auch für die Kurzarbeit, daher wird dort die Fortbildungsförderquote erhöht.

Konkret bekommen Betriebe, deren Mitarbeiter in der kommenden fünften Phase der Kurzarbeit Aus- und Weiterbildungen nachgehen, künftig eine Förderquote von 75 statt bisher 60 Prozent.

Seit der Coronakrise wird schließlich weniger Geld für Weiterbildung ausgegeben, ergab eine Untersuchung imh GmbH. Demnach wird in Führungskräfte- und in Online-Weiterbildungen investiert, wenn investiert wird. Und 2021 sei so wenig für Weiterbildung ausgegeben worden wie seit Beginn der Erhebung 2015 nicht, so imh-Chef Manfred Hämmerle.

Das soll sich nun aber ändern, hofft Kocher. „Wir hoffen, dass es jetzt einen stärkeren Anreiz gibt. Wir haben immer gehofft, dass diese Möglichkeit in der Kurzarbeit stärker genutzt wird.“ Weder Betrieben noch Mitarbeitern dürfe aber Untätigkeit unterstellt werden. Der Arbeitsminister führte die weniger als erhofft genutzten Fortbildungen sinngemäß darauf zurück, dass die Kurzarbeit im vorigen Sommer nicht so stark in Anspruch genommen worden sei und vor allem im Winter viele Betriebe drauf gehofft hätten, dass rasch wieder aufgesperrt werde, was sich allerdings als Trugschluss erwiesen habe. Daher seien vor allem längerfristige Angebote nicht genutzt worden. „Was schon gemacht wurde ist, dass kurzfristige, flexible Angebote genutzt wurden.“ Es habe 6.000 bis 7.000 Schulungen gegeben, was im Vergleich zur Zahl der Kurzarbeitenden freilich „relativ wenig“ gewesen sei.

Die Zahl der beim Arbeitsmarktservice (AMS) gemeldeten Jobsuchenden und der AMS-Schulungsteilnehmer hat sich aktuell von 351.065 auf 349.471 verringert. Mit 65.512 sind nun um rund 2.200 Personen weniger in Schulung als in der Vorwoche (67.702). Die Zahl der Arbeitslosen, die keine Fortbildung besuchen, stieg von 283.363 auf 283.959 – das waren immer noch um 15.700 mehr als im Juli 2019, also vor der Coronakrise.

„Trotz dieser aktuell konstanten Arbeitsmarktentwicklung ist es wichtig, auf längerfristige Entwicklungen am Arbeitsmarkt und die Zukunft des Arbeitens vorbereitet zu sein“, betonte Kocher. Daher sei heute der Startschuss des Beratergremiums „Rat neue Arbeitswelten“ erfolgt. Etwa vierteljährlich werde mit dem „sehr diversen Expertengremium“ beratschlagt, was über die täglichen Themen der neuen Arbeitswelten hinausgehe. Eines der wichtigsten Themen sei die Qualifizierung, der Kampf gegen den Fachkräftemangel, Gesundheit und Arbeit, Inklusion und die Digitalisierung.

Es geht auch darum, wie es Betrieben schmackhafter gemacht werden kann, Weiterbildungen zu fördern. Dies eben auch, wenn sie selbst womöglich gar nicht mehr von der Weiterbildung eines Mitarbeiters profitieren, weil dieser dank einer solchen die Branche wechseln könne, erläuterte Ratsmitglied Arbeitsmedizinerin Eva Höltl. Niemand solle zu dem Eindruck gelangen, er habe jemals ausgelernt, sagte das weitere Ratsmitglied Sunnie Groeneveld, Aufsichtsrätin der HHM Gruppe sowie Studiengangsleiterin des EMBA Digital Leadership an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich.

Die NEOS begrüßten die Möglichkeit regelmäßiger Fortbildungen. „Lebenslanges Lernen ist einer unserer Leitsätze von Anbeginn an. Allerdings sehe ich konkret in diesem Fall die Erhöhung der Fortbildungsförderquote in der Corona-Kurzarbeit äußerst skeptisch“, so Sozialsprecher Gerald Loacker. „Anstatt die Förderquote zu erhöhen, wäre es sinnvoller die Ersatzrate für Unternehmen zu reduzieren, wenn keine Weiterbildung in Anspruch genommen wird.“ Zudem müsse es eigentliches Ziel sein, dass die Corona-Kurzarbeit so schnell wie möglich auslaufe, so der Oppositionspolitiker.

Laut Kocher bieten 45 Prozent der Betriebe (Daten aus 2016) berufliche Erstausbildung an. Damit liege Österreich über dem EU-Durchschnitt von 31 Prozent. Auch beim Anteil der weiterbildungsaktiven Betriebe liege Österreich mit 88 Prozent über dem EU-Durchschnitt von 73 Prozent. Beide Werte sollten aber steigen, so der Minister.

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