Fokus auf Frauen und Ehrenamt

Laut aktuellem Integrationsbericht bleibt Bildung Integrationsbaustelle

PK BUNDESKANZLERAMT
PK BUNDESKANZLERAMT "PRSENTATION DES INTEGRATIONSBERICHTS": © APA/Jäger

Der Bildungsbereich bleibt eine „Baustelle in der Integration“. Das konstatierte die Vorsitzende des Integration-Expertenrats Katharina Pabel bei der Vorstellung des Integrationsberichts 2020 Dienstagvormittag. Zwei Drittel der Kinder mit Migrationshintergrund erreichten die Bildungsstandards im Lesen nicht, das sei alarmierend. Bedingt ist dies auch durch die mittlerweile sehr hohe Zahl an Kindern mit nicht deutscher Umgangssprache. In den Pflichtschulen ist diese zuletzt auf 26 Prozent gestiegen, in Wien sogar auf über 50 Prozent. Pabel plädiert hier unter anderem für ein verpflichtendes zweites Kindergartenjahr. Integrationsministerin Susanne Raab (Bild, ÖVP) sieht in den heuer erstmals durchgeführten Sommerschulen und Elternkursen einen wichtigen Schritt, auf dem sie weiter aufbauen will.

Frauen als Motor

Raab will aber auch die Rolle der Mütter als Integrationsmotoren ausbauen. Dazu nötig sein wird eine höhere Erwerbsbeteiligung. Von jenen Frauen, die seit der großen Flüchtlingswelle vor fünf Jahren gekommen sind, haben aber nur elf Prozent am Arbeitsmarkt Fuß gefasst. Ein Grund ist die schlechte Ausbildung.

Raab hofft auch auf das Ehrenamt als „Säule der Integration“. Wenn Zuwanderer sich ehrenamtlich engagierten, sei das sehr viel wert, bringe es doch Kontakte und verbessere die Sprachkenntnisse.

Konkrete Vorschläge dazu soll der Expertenrat ausarbeiten. Das gilt auch für den Kampf gegen Parallelgesellschaften, den die Integrationsministerin ein weiteres Mal ausrief, sieht sie doch jetzt schon Brennpunktzonen vor allem in Wien. Entschlossen bekämpft werden müsse auch die illegale Migration, hänge doch die Integration auch zu einem guten Teil von der Zahl der neu in die Gesellschaft Kommenden ab.

Was den Anstieg der Zuwanderung im vergangenen Jahrzehnt angeht, betont Statistik Austria-Chef Tobias Thomas, dass dieser bei allen Gruppen stattgefunden habe, also sowohl aus den „alten“ EU-Staaten als auch aus den Beitrittsländern, der Türkei sowie aus Syrien, Afghanistan und dem Irak. Bei letzterer Gruppe sei der Trend stärker, aber insgesamt bilde sie trotzdem nur 1,4 Prozent der in Österreich lebenden Bevölkerung.

Sprache als Schlüssel

„Der Bericht zeigt einmal mehr, dass das Thema Integration zu den zentralen Herausforderungen unserer Zeit gehört“, betont OÖVP-Integrationssprecher LAbg. Wolfgang Hattmannsdorfer. Generell gebe es laut Hattmannsdorfer bei den Deutschkenntnissen noch gröbere Defizite und er verweist auch auf Personen, die trotz langjährigen Aufenthaltes in Österreich die Vorgaben des OÖ. Wohnbaufördergesetzes nicht erfüllen können. So wurden wegen mangelnder beruflicher und sprachlicher Integration in den vergangenen beiden Jahren rund 2240 Anträge auf Wohnbeihilfe abgelehnt. Das Erlernen der deutschen Sprache sei aber auch eine zentrale Voraussetzung, um am Arbeitsmarkt Fuß fassen und sich selbst erhalten zu können. Im Juli war die Arbeitslosenquote unter ausländischen Staatsbürgern in OÖ mit 9,7 Prozent fast doppelt so hoch wie unter inländischen Staatsbürgern mit 5,4 Prozent. Und Hattmannsdorfer fordert auch konkrete Maßnahmen vom zuständige Integrationslandesrat.

Für FPÖ-Landeschef LH-Stv. Manfred Haimbuchner setzt der Integrationsbericht der „politischen Unfähigkeit ein fragwürdiges Denkmal“ und er ärgert sich, dass seine Forderungen „seit einem Jahrzehnt ignoriert werden“.

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