Forderung nach mehr Stellenwert der Komplementärmedizin

Nachfrage in der Bevölkerung ist groß, Schulmedizin steht aber wegen fehlender Studien auf der Bremse – EU-Forschungsprojekt läuft

Fehlende Studien dürften ein Grund dafür sein, warum die Komplementärmedizin nach wie vor für viel Diskussionsstoff sorgt.
Fehlende Studien dürften ein Grund dafür sein, warum die Komplementärmedizin nach wie vor für viel Diskussionsstoff sorgt. © chamillew – stock.adobe.com

Komplementärmedizin genießt in der Bevölkerung ein hohes Ansehen, in der Fachwelt wird trefflich darüber diskutiert. So ging es auch Mittwochabend in der Ärztekammer in Linz zum Thema „Pluralismus in der Medizin“ zur Sache.

Dabei zeigte Prof. Robert Jütte, Leiter des Institut für Geschichte in der Medizin der Robert-Bosch-Stiftung in Stuttgart, auf, dass in Amerika Komplementärmedizin zu 38 Prozent eingesetzt wird, einen großen Anteil hätte diese in der Therapie von chronischen Schmerzen, etwa bei Rückenproblemen.

Hierzulande ist der Einsatz von Phytotherapie, Homöopathie, Chiropraktik und Akupunktur noch eher bescheiden. Vielfach liegt das an fehlenden Studien über die Wirkung von nicht schulmedizinischen Methoden.

Toskana, Schweiz oder Bayern als Vorreiter

Davon, dass Komplementärmedizin wie in der Toskana im öffentlichen Gesundheitssystem implementiert wird oder die Behandlungen wie in der Schweiz von der Krankenkasse bezahlt werden sowie ein Lehrstuhl an der Universität wie in Baden-Württemberg eingerichtet wird, ist Österreich noch weit entfernt. Dennoch bleibt der Allgemeinmediziner mit Zusatzausbildung Bernhard Zauner an diesen Forderungen dran.

Selbst die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht angesichts der steigenden Antibiotika-Resistenzen Handlungsbedarf. An der Donau- universität Krems läuft daher gerade ein dreijähriges EU-Projekt, das gemeinsam mit der Charité in Berlin, der Uni in Florenz und dem Kräuterspezialisten Kottas, der eine mehr als 200-jährige Erfahrung hat, umgesetzt wird. Bei „Healthy Herbs“ geht es um „Phytotherapie im Respirationstrakt als Strategie zur vermeidung von Antibiotika-Resistenzen“. Der ehemalige EU-Abg. Paul Rübig zeigte auf, dass die EU viel Geld in die Hand nimmt, um auch im Gesundheitsbereich Grundlagenforschung voranzutreiben, u. a. läuft gerade eine umfassende Forschung zur Bekämpfung von Krebs.

Claudia Westreicher, Referentin für Komplementärmedizin in der oö. Ärztekammer, sprach an, wie wichtig die Sicherheit der Patienten ist und dass die Ärztekammer daher Ausbildungsdiplome u. a. für Homöopathie entwickelt hat, damit die Behandlung in fachkundiger Hand bleibt.

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