Forscher für umfassendere Informationen für Finanzprodukte

Mehr Informationen für Finanzprodukte wie eine umfassende „Risikotabelle“ bei Wertpapieren, fordern Forscher in einer Studie, an der auch Wirtschaftswissenschafter der Universität Innsbruck beteiligt waren. Das weitaus gebräuchlichste Maß für finanzielles Risiko, die Standardabweichung von Renditen scheint demnach allein nicht als Angabe auszureichen.

Das Forscherteam hat erhoben, wie Laien und Finanzexperten das Risiko von Finanzprodukten wahrnehmen: „Je wahrscheinlicher Verluste sind, desto riskanter sehen sie Investments“, heißt es in einer Mitteilung der Universität Innsbruck. Die Standardabweichung – die Abweichung vom Mittelwert – nehme hingegen keinen Einfluss auf die Risikowahrnehmung.

Ein Team von Wirtschaftswissenschaftern um Felix Holzmeister, Jürgen Huber und Michael Kirchler der Universität Innsbruck, der Freien Universität Amsterdam, der Universität Zürich und des Bonner Max-Planck-Instituts zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern hat für die die Studie mit einem Umfrageexperiment unter anderem untersucht, unter welchen Gesichtspunkten Finanzexperten ihre Entscheidungen treffen, wie sie ihre Kunden beraten und wie sie Risiken wahrnehmen. Online befragt wurden im Vorjahr mehr als 2.200 Finanzexperten und mehr als 4.500 Laien in neun Ländern – in Brasilien, China, Deutschland, Indien, Japan, Russland, Großbritannien, USA und Südafrika.

Die Forscher plädieren – analog zur Lebensmittelbranche, wo Nährwerttabellen die genauen Inhaltsstoffe auflisten – für umfassende „Risikotabellen“ bei Wertpapieren.„Stellen Sie sich vor, auf Lebensmitteln stünden plötzlich nur noch Kalorienangaben, keine weiteren Informationen. Ungefähr so wird derzeit über Finanzprodukte informiert“, so Felix Holzmeister vom Institut für Banken und Finanzen an der Universität Innsbruck und einer der Koautoren der Studie.

Diese „Risikotabelle“ soll laut Forderung der Ökonomen neben der Standardabweichung der Renditen auch andere Risikomaße enthalten, vor allem jene mit einer produktverbundenen Verlustwahrscheinlichkeit, heißt es in der heutigen Mitteilung. Finanzberater informierten Kunden oft über das mit Anlagemöglichkeiten verbundene Risiko, indem sie sich auf die Volatilität, die Standardabweichung, der Renditen bezögen und viele Finanzinstitute würden die Risikobereitschaft ihrer Kunden mit volatilitätsbezogenen Fragebögen erheben.

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass das bisher übliche Maß für das Risiko in der Finanzierung – die Renditevolatilität – nicht erfasst, was Menschen tatsächlich als riskant empfinden.“ Diese Diskrepanz zwischen der konventionellen Definition von Risiko und der tatsächlichen Wahrnehmung von Risikounter Laien „ist potenziell schädlich. Mehr Informationen, wie in Form einer ‚Risikotabelle‘, könnten hier helfen.“

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