Forscher machten Sensationsfund: Römerlager im Mühlviertel entdeckt

Luftaufnahmen liefern Beweis für römische Militärpräsenz im Aisttal

Das Mündungsgebiet von Enns und Aist dürfte für die Römer strategische Bedeutung besessen haben.
Das Mündungsgebiet von Enns und Aist dürfte für die Römer strategische Bedeutung besessen haben. © ArchaeoPublica

NAARN — Ein bemerkenswerter Fund ist Wissenschaftern im unteren Mühlviertel gelungen. Erstmals konnte römische Militärpräsenz auch nördlich der Donau nachgewiesen werden. Bisher galt die Donau als Grenze des römischen Reiches. Spuren eines Feldlagers in Ober- sebern in der Gemeinde Naarn (Bezirk Perg) liefern jetzt aber den Beweis, dass die einstige Weltmacht auch im Aisttal präsent war.

Ausgelöst wurde der Sensationsfund durch einen ebenfalls spektakulären Fund südlich der Donau. In Stein, einem Ortsteil von St. Pantaleon-Erla (Bezirk Amstetten) waren 2017 vom Verein ArchaeoPublica, in dem Wissenschafter und Hobby-Archäologen zusammenarbeiten, die Reste eines bis dahin unbekannten römischen Kastells entdeckt worden. Parallel zum Beginn der näheren Forschungen in Stein hat das Österreichische Archäologische Institut

(ÖAI) genauere Untersuchungen der Umgebung aufgenommen – und stieß beim Studium von Google Earth Luftbildern nur zwei Kilometer nördlich davon, in Obersebern, gleich auf drei römische Feldlager. Nähere Überprüfungen lieferten nicht nur den Beweis, sondern auch präzise Daten. Demnach weisen die Lager in Obersebern Innenflächen von 1 bis 1,4 Hektar auf und sind den wenigen Funden nach vielleicht schon vor der Mitte des 1. Jahrhunderts nach Chr. angelegt worden.

Strategische Bedeutung

Das Mündungsgebiet von Enns und Aist dürfte vor allem strategische Bedeutung gehabt haben. Die späteren Legionslager von Lauriacum/Enns und Albing sind ebenso wie das Kastell Stein genau auf das Aisttal auf der gegenüberliegenden Donauseite ausgerichtet. Die Region im Grenzbereich von Ober- und Niederösterreich soll im Rahmen der für den heurigen Sommer erhofften Ernennung des Donaulimes (Abschnitt West) zum UNESCO-Welterbe näher untersucht werden. Die Forscher sind überzeugt, dass mit weiteren Überraschungen zu rechnen ist.

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