Forscher warnen vor „ewiger Sommerzeit“

Linzer Schlafmediziner relativiert

Welche Zeit ist besser? Die Winterzeit entspricht eher unseren Biorhythmus. Allerdings ließe sich die längere Helligkeit bei der Sommerzeit sportlich nutzen.
Welche Zeit ist besser? Die Winterzeit entspricht eher unseren Biorhythmus. Allerdings ließe sich die längere Helligkeit bei der Sommerzeit sportlich nutzen. © Pascal Huot – stock.adobe.com

Von Michaela Ecklbauer

MÜNCHEN/LINZ – Nach einer Online-Umfrage, bei der sich – wie berichtet – 84 Prozent der 4,6 Mio. Teilnehmer gegen die Zeitumstellung ausgesprochen haben, will die EU-Kommission nun vorschlagen, dass nicht mehr ständig an der Uhr gedreht wird. Jedes Land soll selber darüber entscheiden, ob es eine dauerhafte Sommer- oder Winterzeit einführt. Ein Ende der Zeitumstellung wird von Medizinern grundsätzlich begrüßt, ambivalent fällt jedoch die Beurteilung aus, welche Zeit auf Dauer besser ist.

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„Europäer werden dicker, dümmer und grantiger“

Till Roenneberg vom Institut für Medizinische Psychologie der Uni München warnt bei einer ständigen Sommerzeit vor „riesigen Problemen“. Es erhöhe sich die Wahrscheinlichkeit an Diabetes zu erkranken, Depressionen, Schlaf- und Lernprobleme zu bekommen – „das heißt, wir Europäer werden dicker, dümmer und grantiger“.

Bei dauerhafter Sommerzeit müsse man an deutlich mehr Tagen im Dunkeln aufstehen, es gebe mehr dunkle Schulwege morgens.

Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) spricht sich für eine dauerhafte „Normalzeit“ – sprich Winterzeit – aus, weil diese eher der inneren Uhr – wann wir wach und wann wir müde werden – entspricht. Dem pflichtet auch Primar Christoph Röper, Schlafmediziner am Linzer Kepler Uniklinikum, bei.

Allerdings führt der Mediziner auch ins Treffen, dass bei der Sommerzeit mehr Menschen die Möglichkeit und Ambition haben, sich nach der Arbeit noch bei Helligkeit zu bewegen. Sei es sportlich, oder einfach nur durch Spazierengehen. „Wer die Helligkeit sinnvoll nützt, wirkt damit wieder Krankheiten wie Diabetes entgegen“, sagt er im VOLKSBLATT-Gespräch.