FPÖ-Angriffe dominierten bei Vorhofer- und Hochner-Preis

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Die politischen Angriffe auf den ORF haben die Reden bei der Verleihung des „Robert-Hochner-Preis“ und des „Kurt-Vorhofer-Preises“ Dienstagnachmittag dominiert. Bundespräsident Alexander Van der Bellen bezeichnete es als unangebracht, aus Verärgerung heraus das Recht auf Kritik einschränken zu wollen. Hochner-Preisträger Stefan Kappacher verteidigte seine ORF-Kollegen gegen Kritik aus der FPÖ.

Den „Mut, Interventionen standzuhalten“ würdigte Van der Bellen in seiner Laudatio für Kappacher und Ernst Sittinger von der „Kleinen Zeitung“, der den Vorhofer-Preis erhalten hatte. Zwar sollten auch Journalisten nicht wehleidig sein. Allerdings sei es „besorgniserregend“, aufgrund eines möglichen Fehlers pauschal ganzen Redaktionen „Lüge“ und „Propaganda“ zu unterstellen, sprach der Bundespräsident indirekt Attacken der FPÖ auf den ORF an.

Eine Lanze brach Van der Bellen für die Gebührenfinanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und verwies auf die dahin gehende Volksabstimmung in der Schweiz, wo die Bevölkerung dieses Modell bestätigt hat. Eine Finanzierung über das Budget mache den ORF „verwundbar“, warnte der Bundespräsident. Eine Regierung könnte nämlich verführt sein, journalistische Gegenleistungen zu verlangen, was der Rede- und Pressefreiheit widerspreche.

Eine Verteidigungsrede für den Öffentlich-rechtlichen hielt auch Hochner-Preisträger Kappacher. Insbesondere Aussagen des neuen, freiheitlichen Stiftungsrats-Vorsitzenden Norbert Steger beunruhigten den Redakteur, der in erster Linie für das Ö1-Medienmagazin „#doublecheck“ ausgezeichnet wurde. Journalismus sei gut, wenn er die eigene Position bestärkt, schlecht, wenn er diese kritisiert, laute die Devise für manche Politiker. „Das nenne ich wehleidig“, so Kappacher.

Aber nicht nur die FPÖ kritisierte Kappacher. „Die ÖVP, die Kanzlerpartei, schweigt“, meinte der Radio-Journalist. Die Finanzierung aus dem Budget nannte Kappacher eine „absolute Horrorvision“. Dies bedeute „Bedarfszuweisungen der Politik, gekoppelt an Wohlverhalten von ORF-Journalisten“. Der Preisträger ging ebenfalls auf das Votum im Nachbarland ein: „Wir ORF-Journalisten werden alles dazu tun, dass Österreich im Fall des Falles zur Schweiz wird.“

Nicht minder scharf war zuvor die Rede von Vorhofer-Preisträger Sittinger ausgefallen. Er ging mit der eigenen Branche ins Gericht. Die Vermittlung differenzierter Inhalte bleibe in Zeiten von Online-Klicks oft auf der Strecke, meinte er und: „Die Aufmerksamkeits-Ökonomie ist zu einer Ablenkungs-Ökonomie geworden.“ Die Medienlandschaft drohe, dem „verlockenden Sog der billigen Effekthascherei“ zu erliegen. Die Devise „Fit to print“ sei einem „Wird schon passen“ gewichen.