Papst kritisiert im Irak Machtmissbrauch und Korruption

Bei seinem Besuch im Nordirak hat Papst Franziskus in einer Messe vor Tausenden Gläubigen Machtmissbrauch und Korruption angeprangert. „Es tut Not, dass die unheilvolle Beeinflussung der Macht und des Geldes aus unseren Herzen und aus der Kirche ausgerottet werden“, sagte der 84-Jährige am Sonntag in seiner Predigt im Fußballstadion der kurdischen Hauptstadt Erbil. Die Messe setzte den Schlusspunkt hinter die Irak-Reise des Oberhaupts der katholischen Kirche.

Der Papst forderte in der Messe in Erbil zudem Solidarität der Gläubigen. „Wir müssen uns verantwortlich fühlen und dürfen nicht einfach zuschauen, wenn der Bruder oder die Schwester leidet“, erklärte er. Erbil wurde für viele Christen zum Zufluchtsort, als die Terrormiliz Islamischer Staat im Nordirak immer mehr Städte einnahm. Vor gut sechs Jahren hielt die Stadt den Angriffen mit Hilfe einer Allianz aus kurdischen Kämpfern und den Vereinigten Staaten stand, als die Islamisten bis auf 40 Kilometer auf Erbil vorgerückt waren.

Nach der Messe traf Franziskus auch den Vater des ertrunkenen Buben Alan Kurdi zusammengetroffen, dessen Bild zu einem Symbolbild des Flüchtlingsdramas im Mittelmeer geworden ist. Papst Franziskus unterhielt sich nach Vatikanangaben ausführlich mit dem Vater. Er habe dessen Schmerz über den Verlust der Familie angehört und ihm die Anteilnahme Gottes an seinem Leiden zugesichert.

Der Papst setzt sich seit langem für die Möglichkeit einer sicheren, legalen und geordneten Einwanderung nach Europa ein. Der knapp dreijährige Alan starb im September 2015 bei einer versuchten Überfahrt nach Europa mit seiner Mutter und einem Bruder. Das Foto seiner Leiche am Strand nahe dem türkischen Bodrum löste weithin Betroffenheit aus. Ein Rettungsschiff der deutschen Hilfsorganisation Sea-Eye trägt seit 2019 den Namen Alan Kurdi.

Am Montag beendet der Papst seine viertägige Irak-Reise. Nach der Abschiedszeremonie auf dem Flughafen Bagdad wird das Kirchenoberhaupt Montagfrüh den Rückflug nach Rom antreten. Die Ankunft in der Ewigen Stadt ist für 12.55 Uhr geplant. Üblicherweise gibt es während des Rückflugs von einer Auslandsreise eine sogenannte „Fliegende Pressekonferenz“ des Papstes mit den mitreisenden Medienvertretern.

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Vor seinem Besuch in Erbil hatte der Papst am Sonntag in der einstigen Terroristen-Hochburg Mosul für all jene gebetet, die vom IS während dessen blutiger Herrschaft im Nordirak ermordet, versklavt und vertrieben wurden. Auf dem Platz Hosh al-Bieaa, Schauplatz der Zerstörung mehrerer christlicher Kirchen zeigte sich Franziskus bestürzt angesichts der „grauenvollen Erfahrungen“, die die Menschen während der IS-Herrschaft gemacht hätten. Ein „unermesslicher Schaden“ sei angerichtet worden. Muslime, Christen, Yeziden – alle zählten zu den Opfern. „Heute bekräftigen wir nichtsdestotrotz erneut unsere Überzeugung, dass die Geschwisterlichkeit stärker ist als der Brudermord“, so Franziskus. „Wenn Gott der Gott des Lebens ist – und das ist er -, dann ist es uns nicht erlaubt, die Brüder und Schwestern in seinem Namen zu töten“, unterstrich der Papst

Am Ende der Zeremonie wurde auf dem Kirchplatz in Mosul ein Gedenkstein enthüllt, um an die Papstvisite zu erinnern. Franziskus ließ eine Friedenstaube steigen, ehe er in den christlich geprägten Ort Qaraqosh weiterreiste, wo er bei der Kirche der Unbefleckten Empfängnis, dem größten christlichen Gotteshaus im Irak, vom Patriarchen der syrisch-katholischen Kirche von Antiochien begrüßt wurde. Ignatius Youssef III. Younan dankte für den „historischen Besuch, der uns über unsere Qualen hinwegtröstet, uns ermutigt, in unserem Land verwurzelt zu bleiben“.

„Unser Treffen hier zeigt, dass der Terrorismus und der Tod niemals das letzte Wort haben“, sagte Franziskus bei seiner Ansprache in dem Gotteshaus. „Eure Anwesenheit hier macht deutlich, dass die Schönheit nicht einfarbig ist, sondern in der Vielfalt und in den Unterschieden aufleuchtet“, ermutigte der Papst die Christen Qaraqoshs. Er sehe mit Traurigkeit die Zeichen der zerstörerischen Kraft von Gewalt und Hass, sagte er.

„Jetzt ist die Zeit, aufzubauen und wieder neu zu beginnen“, so der Appell des Papstes. Es brauche die Fähigkeit zu vergeben und zugleich den Mut zu kämpfen. Das sei schwer, aber Gott könne den Frieden bringen: „Wir vertrauen auf ihn, und gemeinsam mit allen Menschen guten Willens sagen wir Nein zum Terrorismus und zur Instrumentalisierung der Religion.“

Bei seinem Besuch in Qaraqosh brachte Papst Franziskus der dortigen Gemeinde ein besonderes Geschenk mit: In der Kirche der Unbefleckten Empfängnis übergab er laut Vatikanangaben ein restauriertes Gebetbuch mit liturgischen Gebeten aus dem 14. bis 15. Jahrhundert. Es war zuvor von Priestern in Qaraqosh 2014 vor der anrückenden Terrormiliz gerettet worden. Das in syrischer Schrift verfasste Buch enthält Gebete, die zwischen Ostern und dem Heiligkreuzfest auf Aramäisch gesprochen werden. Das stark beschädigte Buch wurde von italienischen Spezialisten aufwendig restauriert. Nach rund sieben Jahren kehrte es nun an seinen angestammten Platz zurück.

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