Frauen mit Behinderungen besonders häufig Opfer von Gewalt

Frauen mit Behinderungen sind um ein Vielfaches öfter von Gewalt betroffen. Grundsätzlich erlebt laut einer EU-Studie in Österreich jede fünfte Frau häusliche Gewalt. Einer Untersuchung aus dem Jahr 1996 zufolge sind Frauen mit Lernschwierigkeiten deutlich gefährdeter, speziell sexuelle Gewalt zu erfahren, hieß es am Freitag in Wien im Rahmen der Konferenz “Frauen mit Behinderungen”.

Um diesen Opfern zielgerichtet helfen zu können, brauche es viele Details, erläuterte Elisabeth Udl vom Wiener Verein Ninlil in einer der zahlreichen Sessions am zweiten und letzten Tag der Veranstaltung, die sich dem Themenkomplex Gewalt gegen Frauen mit Behinderungen, deren Ursprüngen, Auswirkungen und Strategien im Umgang beschäftigte.

Ein zentraler Dreh- und Angelpunkt ist oft die Abhängigkeit, die mit bedarfsgerechter persönlicher Assistenz für alle reduziert werden kann. Neben einem niederschwelligen und barrierefreien Zugang zu Informationen und viel praktischer Begleitung brauche es konkrete Strategien für die Prävention und den Umgang mit den vielfältigen Formen von Gewalt, die oft gar nicht als solche erkannt wird.

Niederschwellige Anlaufstellen sehen einen aktuellen Gesetzesentwurf, der eine umfassendere Anzeigepflicht vorsieht, skeptisch. Die könne dazu führen, dass mehr Opfer schweigen.

Nicht selten fehlen die Worte, aber auch altersadäquate Aufklärung im Vorfeld. “Frauen mit Lernschwierigkeiten werden oft entweder als ewige Kinder oder sexuell völlig enthemmt betrachtet”, schilderte Udl. Um selbstbestimmt über den eigenen Körper verfügen zu können, brauche es Kommunikation auf Augenhöhe. Ein passendes sexualpädagogisches Konzept in Einrichtungen etwa schaffe eher ein täterfeindliches Umfeld.

Je nach Bundesland bzw. Wohnumfeld stehen derzeit unterschiedliche Hilfs- und Präventions-Angebote zur Verfügung. Ninlil in der Bundeshauptstadt befasst sich seit der Gründung 1996 mit sexualisierter Gewalt an Frauen mit Lernschwierigkeiten oder Mehrfachbehinderung, unter dem Namen Kraftwerk werden Beratung für gewaltbetroffene Frauen und deren Bezugspersonen sowie Empowerment-Seminare und Vernetzung angeboten. Der Arbeitsbereich Zeitlupe wiederum ermöglicht seit 2012 Peer-Beratung von Expertinnen, die selbst über einen Erfahrungshintergrund als Frau mit Behinderung verfügen.

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