Freizeit ohne Grenzen genießen

Der Verein MoBet – für mobile Betreuung ermöglicht Menschen mit Beeinträchtigungen, die Freizeit nach ihren individuellen Wünschen gestalten zu können. Für die Arbeit mit Behinderten ausgebildete Kräfte unterstützen bei Behördengängen, Ausflügen, diversen Aktivitäten oder beim Einkaufen. Auch für eine Urlaubsreise kann ein Begleiter gebucht werden.

Das Feriencamp in Nußdorf macht sichtlich Spaß. © MoBet

Text: Michaela Ecklbauer

Sein eigenes Schicksal war der Auslöser dafür, dass Roman Haunschmid (44) heute Menschen mit Beeinträchtigungen bei ihrer Freizeitgestaltung betreut. Am Silvestertag 1996 brach der damals 22-Jährige beim Mittagessen plötzlich zusammen. Er hatte eine Gehirnblutung erlitten und kämpfte sich mit Hilfe von Ärzten, Pflegern, Familie und Freunden, die ihn ziemlich forderten, rasch wieder ins Leben zurück. Anfang Mai 1997 saß der junge Mann bereits wieder auf seinem Motorrad und machte mit seinem Freunden eine Tour an den Sporn von Italien. Der Elektriker, der durch die Erkrankung eine Erinnerungslücke von sechs Wochen hat, musste wieder Reden und Gehen lernen und hatte monatelang kein Kurzzeitgedächtnis. Seither weiß er, worum es im Leben wirklich geht. Der gebürtige Linzer, den man in die Pension schicken wollte, gab sich nicht auf und ließ sich zum Behindertenpädagogen ausbilden. Seit November 2009 ist er als mobiler Personenbetreuer tätig. Im April 2012 gründete Haunschmid den Verein MoBet mit Sitz in Vöcklamarkt, der in Oberösterreich aber auch in Wien Freizeitbetreuung anbietet. Egal, ob es sich dabei um einen Behördengang, eine Einkaufstour, eine sportliche Betätigung oder einen Urlaub handelt.

Extrem beliebt sind die Feriencamps im ÖWR Jugendzentrum in Nußdorf am Attersee. An jedem Termin (siehe www.mobet.at) können 20 Menschen mit Beeinträchtigung ab 14 Jahren, die selbstständig gehfähig sein müssen, teilnehmen. Unterstützt von zehn Betreuern können sie eine unbeschwerte Woche mit Spiel und Spaß erleben. „Die Plätze sind meist schon nach wenigen Tagen ausgebucht. Wir haben je nach Witterung ein buntes Programm für die Teilnehmer mit Baden, Ausflügen, Kinobesuch, Brettspielen oder beim Basteln. Es gibt auch einen Fußballplatz, man kann Tischtennis spielen. Und wer gerade einmal nicht Lust hat, beim Ausflug mitzumachen, der bleibt mit einem Betreuer im Quartier“, schildert Haunschmid im VOLKSBLATT-Gespräch.

Kreative Lösungen für die Wünsche der Kunden

Daneben bieten er und sein Team individuelle Lösungen von regelmäßigen oder gelegentlichen Freizeitbetreuungen an. „Der Kunde ist König. Wir suchen eine kreative Lösung für seine Wünsche“, versucht der Behindertenpädagoge auch das Unmögliche möglich werden zu lassen. Der Stundensatz für eine Betreuung beträgt 32 Euro, der Tagsatz liegt bei 180 Euro. Möchte jemand auf einem Urlaub zum Beispiel nach Teneriffa begleitet werden, dann muss er neben seinen eigenen Reisekosten, die des Betreuers und den jeweiligen Tagsatz übernehmen. „Die individuelle Eins-zu-Eins-Betreuung ist sowohl für Menschen mit geistiger oder körperlicher Beeinträchtigung möglich, als auch für Menschen mit einer psychischen Erkrankung oder einer Sinnesbeeinträchtigung“, sagt der Vereinsobmann. Der Erstkontakt ist kostenlos, dabei geht es auch ums Kennenlernen. Wenn die Wünsche klar kommuniziert sind, wird nach einer individuellen Lösung gesucht. „Meist sind die Kunden sehr dankbar und erfreut, was machbar ist. Wir begleiten auch Paare, die in einer Einrichtung leben und einmal abseits von ihrer Wohngruppe einen Urlaub erleben möchten“, sagt der MoBet-Obmann. Er selbst freut sich über jeden Tag, den er gesund genießen kann und nimmt die Herausforderungen des Lebens gelassen an.