Friedrich Ani: All die unbewohnten Zimmer

Zwei Polizisten fahren Streife, als plötzlich der eine aus dem Auto springt und die Straße hinunterläuft. Sein unerfahrener Kollege bleibt beim Streifenwagen, bis er auf einen aufgeregt gestikulierenden Passanten aufmerksam wird. Der ältere Polizist liegt mit eingeschlagenem Schädel auf dem Boden.

Niemand hat die Tat beobachtet. Umgehend wird eine Sonderkommission gebildet. Die Polizeiarbeit in „All die unbewohnten Zimmer“ von Friedrich Ani ist außergewöhnlich, denn der Autor setzt all jene Ermittler ein, die jeder für sich im Mittelpunkt einer von Anis Romanreihen gestanden hatten. Und jeder von ihnen ist sehr speziell. Die Polizisten arbeiten unabhängig voneinander und teils auch aneinander vorbei.

Die wenigen Spuren, die es gibt, führen ins Leere. Dafür begegnen die Ermittler immer mehr elenden Existenzen. Fast allen Figuren fehlt ein sicherer Punkt, an dem sie Glück und Stärke für ihr Leben gewinnen können. Am Schluss des Romans ist klar, wer den Polizisten erschlagen hat. Ein Grund oder gar Sinn ist jedoch nicht zu finden.

In der Welt, die Ani beschreibt, besteht das Leben aus der Suche nach Bedeutung und Gemeinschaft, mit vielen Unwägbarkeiten und Gefahren. Die Folgen für die Einzelnen können dramatisch sein, bis hin zum Verbrechen. Ani hat diese Welt und ihre Auswirkungen auf die Seelen der Menschen in einem hervorragend komponierten Roman feinfühlig dargestellt. Kein einfaches, aber ein lohnendes Buch.

Friedrich Ani: All die unbewohnten Zimmer. Suhrkamp Verlag, 494 Seiten, 22,70 Euro

Wie ist Ihre Meinung?