Fristgerechte Proteste von Austria Wien und Austria Lustenau

Die Fußball-Bundesliga hat am Donnerstagvormittag mitgeteilt, dass sowohl Austria Wien als auch Zweitligist Austria Lustenau „fristgerecht Protest beim Protestkomitee eingebracht“ haben. Beiden Clubs war in erster Instanz vom Senat 5 die Lizenz für die kommende Saison verweigert worden. Zweitligist FAC Wien, dem ein Bundesliga-Aufstieg aus infrastrukturellen Gründen verweigert worden ist, sowie Regionalligist SV Stripfing/Weiden haben dagegen auf einen Einspruch verzichtet.

Die beiden Austrias, die aus finanziellen Gründen noch ohne Spielgenehmigung für 2021/22 dastehen, haben bei ihren Protesten laut Lizenz- bzw. Zulassungsbestimmungen „eine eingeschränkte Neuerungserlaubnis“ genutzt, da bis zum Ablauf der Protestfrist „neue Beweismittel“ zulässig sind. „Die erstmalige Vorlage eines UGB-Prüfberichtes oder eines Prüfberichtes gemäß den vereinbarten Prüfungshandlungen, Änderungen des geprüften Jahresabschlusses oder betragsmäßige Änderungen der Erwartung und des Budgets sowie des Liquiditätsplans sind jedoch unzulässig“, hielt die Bundesliga allerdings in ihrer Aussendung fest.

Die Wiener Austria, die in den vergangenen Jahren eine Infrastrukturoffensive durchgeführt hat, plagt ein hoher Schuldenberg. Der jüngste Geschäftsbericht wies Verbindlichkeiten von 78 Millionen Euro aus. Alleine in der Saison 2019/20 schrieben die „Veilchen“ ein Minus von 18,8 Mio. Euro. Mithilfe der für luxuriöse Lifestyle-Produkte bekannten und im März als neuen Investor vorgestellten Insignia-Gruppe erhoffte sich die Austria eine wirtschaftliche Erholung und die Rückkehr auf die europäische Bühne.

Doch Insignia-Vizepräsident Luka Sur überraschte in der Vorwoche, als er auf Instagram schrieb, dass „der Erhalt der Lizenz“ nicht in die Zuständigkeit seines Unternehmens falle, das „war nie unsere Verpflichtung“. Die Austria hatte deshalb alle Hände voll zu tun. Bis Mittwochabend, also wenige Stunden vor Ablauf der Frist um Mitternacht, liefen noch die finalen Gespräche, wie die Wiener bestätigten. Da die Favoritner, die Mitte März ihr 110-jähriges Jubiläum feierten, mit den Young Violets auch in der 2. Liga vertreten sind, steht die Zukunft dieses Farmteams ebenfalls auf dem Spiel.

Gönner und Sponsoren sollen aber inzwischen jene Summe – sieben Millionen Euro wurden kolportiert – aufgestellt haben, um die Lizenz im zweiten Anlauf noch zu erlangen. Drahtzieher bei den „Freunden der Austria“ soll Vizepräsident Raimund Harreither sein. Sein Unternehmen verlängerte den Sponsorvertrag am Dienstag um drei Jahre, mit Sharp blieb ein weiterer Sponsor an Bord. „Es ist ein Zeichen, es geht um den Verein. In den letzten Tagen gab es eine Welle der Unterstützung für die Austria, in diesem Sog wollen einige helfen“, betonte Harreither.

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Für Zweitligist Austria Lustenau wird das Lizenzierungsverfahren ebenfalls zur Zitterpartie, nachdem der Bundesliga-Senat 3 (Stadienausschuss) das geplante Stadionprojekt der Vorarlberger auch in zweiter Instanz nicht für die höchste Spielklasse zugelassen hatte. Die „Ländle-Austria“ verlor somit einen Lizenzbonus und musste innerhalb von acht Tagen ein Budgetloch von 460.000 Euro bis zum Ende der Protestfrist stopfen.

Wie die „Vorarlberger Nachrichten“ (Donnerstag-Ausgabe) berichteten, sollen die nötigen Unterlagen, um die Einstellung des Profibetriebs nach 27 Jahren in Lustenau zu verhindern, am Mittwochnachmittag nach Wien gesendet worden sein. „Kurz vor 16 Uhr haben uns noch rund 10.000 Euro gefehlt, die haben wir dann auch noch aufgetrieben. Somit steht in meinen Augen einer Zulassung für die 2. Liga nichts mehr im Wege, und ich gehe davon aus, dass wir diese auch bekommen“, wurde Finanzchef Christoph Wirnsperger in den „VN“ zitiert.

Über die Crowdfunding-Plattform stellten die Lustenauer mit der „Zämmo Kampagne“ exakt 227.868 Euro auf. Gönner und vorwiegend Sponsoren, die sich bereit erklärten, ihre Sponsorverträge sofort statt im Mai zu unterschreiben, sollen den Rest der Summe beigesteuert haben.

Das Protestkomitee wird seine Entscheidung bis kommenden Dienstag treffen, womit das Verfahren bzw. der Instanzenweg innerhalb der Bundesliga abgeschlossen ist. Sollte dann noch immer keine Lizenz erteilt worden sein, bleibt nur noch die Klage beim Ständigen Neutralen Schiedsgericht, die innerhalb von acht Tagen eingebracht werden muss. Das Schiedsgericht ist kein Gremium der Fußball-Bundesliga und entscheidet – endgültig – anstelle eines ordentlichen Gerichts bis 31. Mai. Denn bis dahin muss das Lizenzierungs- und Zulassungsverfahren mit der offiziellen Bekanntgabe der lizenzierten Clubs an die UEFA abgeschlossen sein.

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