Fritz Muliar — ewig unvergessen

Einer der größten heimischen Künstler wäre 100 — „So lange man von einem Menschen spricht, ist er wohl gestorben, aber nicht tot."

„Der Inbegriff des Wiener Volksschauspielers“ — so adelte das VOLKSBLATT Künstler-Legende Fritz Muliar am 5. Mai 2009, dem Tag nach seinem plötzlichen Ableben in der Nacht auf den 4. Mai. Bis wenige Stunden vor seinem Tod lebte er seine Leidenschaft, spielte im Theater an der Josefstadt den Baron von Ciccio in Peter Turrinis Stück „Die Wirtin“.

Am kommenden Donnerstag hätte Muliar seinen 100. Geburtstag gefeiert. „Ich bin ein Darsteller des kleinen Mannes – ein jüdischer Bankier, das ist noch drinnen, den Othello muss ich nicht unbedingt spielen. Den Lear – nur in einer Musicalfassung“, beschrieb der stets lustige, aber durchaus kritische Zeitgenosse sein Wirken und prägte damit Generationen.

Zum Tode verurteilt

Muliar wurde am 12. Dezember 1919 als Friedrich Ludwig Stand in Wien geboren. Sein Vater war ein Tiroler k.u.k. Offizier, der sich um seinen Sohn nicht kümmerte und später Nazi wurde, Mutter Leopoldine eine engagierte Sozialdemokratin, die dann den russisch-jüdischen Juwelier Mischa Muliar heiratete. Bereits im Alter von 17 Jahren verhalf die Grande Dame der Kleinkunst, Stella Kadmon, dem aufstrebenden Schmähführer zum Debüt im Kabarett „Der liebe Augustin”. Bald danach kam Muliar zu Karl Farkas ins „Simpl”, ehe der Krieg seine Laufbahn unterbrach. In Hitlers Wehrmacht, wo ihn ein Kamerad wegen wehrkraftzersetzender und österreich-patriotischer Reden denunzierte, wurde Muliar 1942 zum Tod verurteilt, aber zu fünf Jahren Haft und Frontbewährung begnadigt.

Muliar gehörte nach Ende des 2. Weltkrieges rasch zur ersten Garde der österreichischen Volksschauspieler und prägte bis zuletzt alle Bühnen Wiens. Er wurde schnell über die Grenzen seines Heimatlandes bekannt und auch Film- und Fernsehen machten sich schon früh das komödiantische Talent des Wieners zunutze, allerdings in Kinoproduktionen meist nur in Nebenrollen.

TV-Durchbruch als Schwejk

Erst 1972 gelang ihm in der Serie „Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“ der Durchbruch auf den Bildschirmen. Seit diesen 15 Folgen ist Muliars Name untrennbar mit dem Charakter, einer Mischung aus naiver Dümmlichkeit und raffinierter Bauernschläue, verbunden. Jüngeren TV-Zuschauern blieb er mit Auftritten in „Kommissar Rex“ und „MA 2412“ in Erinnerung. Mit Felix Mitterers Monolog „Sibirien“ erreichte Muliar 1992 seinen künstlerischen Höhepunkt.

Der Schauspieler und Kabarettist betätigte sich aber auch rege als Schriftsteller, in seinem 2003 veröffentlichten Werk „Melde gehorsamst, das ja!” lässt Muliar sein bewegtes Leben Revue passieren. „Trotz meines Glaubens an Gott hab ich mich nicht dazu durchringen können, auch an ein Leben nach dem Tod zu glauben“, schrieb der damals 83-Jährige in seiner Autobiografie. „Nur die Taten eines Menschen leben weiter. Und so lange man von einem Menschen spricht, ist er wohl gestorben, aber nicht tot.”

Seit 1955 war Muliar in zweiter Ehe mit Franziska Kalmar, der ersten ORF-Fernsehsprecherin, verheiratet, hatte mit ihr zwei Söhne, Alexander (geb. 1957) und Martin (geb. 1959). Letzterer trat als Schauspieler in seine Fußstapfen. Muliars Sohn Hans aus der ersten Ehe mit Gretl Doering verstarb 1990.

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