Fünf Monate bedingt in Linz für Zahnarzt wegen Kinderpornos

Nach Prozessbeginn im Jänner und Vertagungen gab es jetzt das Urteil © APA/KERSTIN SCHELLER

Ein Zahnarzt, der bereits im August 2021 wegen Drogenweitergabe an Minderjährige zu fünf Monaten bedingter Haft und einer Geldstrafe verurteilt worden war, hat am Mittwoch in Linz noch zusätzlich fünf Monate bedingt ausgefasst.

Der inzwischen 60-Jährige soll laut Staatsanwalt eine „Riesensammlung“ von Kinderpornos besessen haben. Zudem habe er in seiner Praxis Mitarbeiterinnen heimlich beim Umkleiden gefilmt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Der Staatsanwalt hielt dem Mediziner vor, im Juli und August 2017 im Umkleideraum seiner Ordination ein Handy aufgestellt zu haben. Durch die Ausrichtung der Kamera soll er Blick auf den Geschlechtsbereich der heimlich gefilmten Mitarbeiterinnen gehabt haben. Mindestens acht dieser Videos habe er bis zur Sicherstellung im Februar vergangenen Jahres auf Datenträgern gesichert.

Zudem fanden Ermittler bei der Auswertung von sichergestellten Datenträgern an die 10.000 Pornobilder – auf 400 sollen Mädchen unter 18 bzw. 14 Jahren zu sehen sein. Seit dem Jahr 2000 soll der Zahnarzt die einschlägigen Dateien auf mehreren externen Festplatten abgespeichert haben.

Der Verteidiger hatte schon am ersten Prozesstag im Landesgericht Linz im Jänner von einer „unglaublichen Schmutzkübelkampagne“ gegen seinen Mandanten gesprochen. Mittlerweile ist dessen Ordination geschlossen.

Zudem hatte der Rechtsvertreter einen Antrag wegen Befangenheit und Kompetenzüberschreitung des Gutachters eingebracht. Der Informatiker habe die Einteilung der Fotos in volljährige, minderjährige und unmündige Mädchen getroffen und „pädophile Neigungen“ beim Angeklagten festgestellt. Der Rechtsvertreter vermisste die medizinische Grundlage bei der Altersfeststellungen. Das Gericht veranlasste noch im Jänner ein Ergänzungsgutachten von jenem Experten, was den Prozess in die Länge zog.

Der Angeklagte selbst beteuerte, von der Existenz der Kinderpornos nichts gewusst zu haben. Als er wegen eines Bandscheibenvorfalls als Dentist drei Jahre pausierte, sei er als Fotograf bei einigen Studios eingestiegen, erklärte er dem Gericht. Als diese Zusammenarbeit im Streit endete, habe er sein Equipment, auf das alle Fotografen hätten zugreifen können, in einen „Karton geschmissen“. Seitdem würde dieser bei ihm herumstehen. Im besagten Karton fand man dann bei der Hausdurchsuchung die Festplatten mit den Pornos.

Das heimliche Filmen in der Umkleidekabine stellte der Arzt nicht in Abrede. Allerdings habe er die Handyaufnahmen nur deshalb gemacht, um das Verschwinden von Geld aus der Kaffeekasse an der Rezeption zu klären. Für den Staatsanwalt ein „an den Haaren herbeigezogener Rechtfertigungsversuch“, wie er im Abschlussplädoyer betonte. Dem Angeklagten sei es darum gegangen „möglichst viel nackte Haut“ zu sehen.

Die Richterin sprach den Zahnarzt in beiden Anklagepunkten schuldig und verhängte eine Zusatzstrafe von fünf Monaten bedingter Haft. Der Verteidiger kündigte umgehend Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an. Nach wie vor bezweifelt er die Expertise des Gutachters, der etwa manipulierte Pornobilder nicht als solche erkannt haben will.

Außerdem meinte er, dass von den „angeblich tausenden Bildern“ nur 146 übrig geblieben seien – 22 doppelte dabei mitgezählt. 87 Fotos würden einen Quellenhinweis von einer registrierten Homepage verfügen. „Zum Schluss reden wir über zwei Handvoll Fotos von nackten Mädchen und keinen pornografischen Darstellungen“, hatte er u.a. sein Plädoyer für einen Freispruch begründet.

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