Für eine selbstbestimmte Rolle im Leben

Kino: „Die perfekte Kandidatin“ der saudischen Regisseurin Haifaa Al Mansours

Als „perfekte Kandidatin“ sah Maryam sich für den Posten als Ärztin in Riad. Doch dann kam alles anders. Weil sie eine Frau ist. Beim Check-In ist nämlich Schluss, ihre Reiseerlaubnis vom Vater ist zwar gültig, liegt aber nicht in digitaler Form vor.

„Ihr solltet Ehemänner haben, die sich um solche Dinge kümmern“, hatte der alleinerziehende Vater davor noch angesichts seiner drei unverheirateten Töchter gesagt. Dass sich die weiblichen Familienmitglieder um ihrer eigenen Angelegenheiten kümmern, ist in Saudi-Arabien keine Option. Oder doch?

Zwischen Ermächtigung und Sommerkomödie

Genau darum scheint es der saudischen Regisseurin Haifaa Al Mansour in ihrem Werk „Die perfekte Kandidatin“ zu gehen, nach „Das Mädchen Wadjda“ wieder ein Film, der die Selbstermächtigung von Mädchen und Frauen in den Mittelpunkt stellt. Und das in einer Welt, wo das unmöglich scheint. Wo Männer sich nur unter Narkose von Ärztinnen behandeln lassen wollen, Kandidatinnen für politische Ämter sich ihren potenziellen Wählern nicht zeigen dürfen, es bei Hochzeiten heißt: „Bedeckt euch, der Bräutigam kommt!“

Maryam und ihre Schwestern leben trotz allem ein unkonventionelles Leben, das ihnen quasi in die Wiege gelegt worden ist, sind bzw. waren ihre Eltern doch Musiker. Ihre Mutter ist gestorben und der Vater genießt seine Freiheit auf Tournee. Und so sind sie dann doch ganz alleine auf sich gestellt, als Maryam durch einen witzigen Zufall auf die Idee kommt, für den Gemeinderat zu kandidieren.

Mit Wahlkampftipps aus dem Internet und der Hilfe ihrer Schwestern versucht sich die junge Frau unter verschärften Bedingungen auf dem Parkett der politischen Selbstdarstellung. Denn dass das Leben als Frau auch heute in Saudi-Arabien unglaublich vielen Regeln und Einschränkungen unterliegt und von Demütigungen gespickt ist, daran lässt die Regisseurin keinen Zweifel. Aber auch nicht daran, dass hier ein Leben möglich ist, in dem man sich nicht als Opfer positionieren lässt.

Stellenweise ist „Die perfekte Kandidatin“ ein wahnsinnig starker Film, der ermutigt. Dann schweift er ab und könnte plötzlich eine hübsche Sommerkomödie sein, in der es um eine Vater-Tochter-Beziehung geht, um Erziehung zur Selbstständigkeit — unerlässlich für jenes Selbstbewusstsein, das es braucht, um sich die Rolle im eigenen Leben selbst auszusuchen.

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