Fund von Nervengift Nowitschok im Fall Nawalny bestätigt

Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) hat bestätigt, dass der russische Oppositionelle Alexej Nawalny mit einem chemischen Nervengift der Nowitschok-Gruppe vergiftet wurde. Die Organisation gab am Dienstag bekannt, dass in den Blut- und Urinproben Nawalnys “Cholinesterase-Hemmer” gefunden wurden. Damit bestätigte die Organisation mit Sitz in Den Haag die Nowitschok-Analyse von deutschen Laboren sowie Instituten in Schweden und Frankreich.

Die deutsche Regierung hatte die OPCW um Unterstützung bei der Analyse von Proben Nawalnys gebeten. Mit dem Ergebnis bestätige sich erneut der “zweifelsfreie Nachweis, dass Alexej Nawalny Opfer eines Angriffs mit einem chemischen Nervenkampfstoff der Nowitschok-Gruppe geworden ist”, hieß es in einer Mitteilung der deutschen Regierung. Das Gift war zu Sowjetzeiten entwickelt worden und fällt unter das internationale Chemiewaffenverbot. “Die Bundesregierung erneuert ihre Aufforderung an Russland, sich zu den Geschehnissen zu erklären”, hieß es weiter.

Die deutsche Regierung prüft den Angaben zufolge derzeit den detaillierten Fachbericht der OPCW zu der Analyse. Über die nächsten Schritte werde es in den kommenden Tagen im Exekutivrat der OPCW und im Kreis der EU-Partner einen engen Austausch geben. “Jeder Einsatz von Chemiewaffen ist ein gravierender Vorgang und kann nicht ohne Konsequenzen bleiben”, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit.

Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union wollen sich bei ihrem nächsten Gipfel in der kommenden Woche erneut mit dem Fall befassen. Dann könnte es auch um eine gemeinsame Reaktion der 27 Mitgliedstaaten gehen.

Nawalny war am 20. August während eines Inlandsflugs in Russland zusammengebrochen. Nach einer Notlandung in der sibirischen Stadt Omsk wurde er zur weiteren Behandlung nach Berlin gebracht. Der 44-Jährige hat das Krankenhaus mittlerweile verlassen und macht in der deutschen Hauptstadt eine Reha-Maßnahme. Der Oppositionelle ist einer der schärfsten Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Nawalny erholt sich nach eigenen Angaben zunehmend von dem gegen ihn verübten Giftanschlag. Seine Ärzte seien überrascht von den Fortschritten, die er mache, sagte der 44-Jährige in einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit einem russischen YouTube-Blogger. Allerdings zitterten seine Hände weiterhin merklich, sagte Nawalny. Und er befinde sich in physiotherapeutischer Behandlung. Das mehr als zweistündige Interview ist datiert auf Montag.

Es ist das erste Mal, dass der russische Oppositionspolitiker seit dem Anschlag im August auf Video zu sehen ist. Bisher hatte er auf seinem Instagram-Account lediglich Fotos von sich veröffentlicht.

In dem YouTube-Interview sagte Nawalny weiter, er habe keine Ahnung, was genau ihm widerfahren sei. Er habe aber gedacht, er werde sterben.

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