Fußball: Politik gab grünes Licht für Bundesliga-Neustart

Mit der Genehmigung von Mannschaftstraining und in weiterer Folge Spielen ist die Basis für einen Neustart des österreichischen Profi-Fußballs gelegt.

Wie am Dienstag bekanntgegeben wurde, sind ab Freitag Trainings mit direktem Körperkontakt erlaubt – etwa zwei Wochen später könnte es mit dem Cupfinale zwischen Red Bull Salzburg und Austria Lustenau losgehen.

☣️➡️  Mehr zu diesem Thema ⬅️☣️

Die Wiederaufnahme des Spielbetriebs in der Bundesliga ist dann für Anfang Juni geplant. Die zehn ausstehenden Runden plus das drei Partien umfassende Europa-League-Play-off sollen bis Ende Juli, also praktisch ausschließlich in englischen Wochen, über die Bühne gebracht werden.

Keine kollektive Quarantäne

Knackpunkt war bis zuletzt die Frage, was im Falle eines positiven Coronavirus-Tests passiert. Hier kam das Gesundheitsministerium der Liga entgegen – es muss lediglich der Betroffene in Quarantäne. Alle anderen Personen des jeweiligen Clubs sind laut Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer „angehalten, zu Hause zu bleiben. Sie können, dürfen und sollen aber weiter zu den Trainings und den Spielen gehen.“

Engmaschige Tests sollen weitere Infizierungen ausschließen oder zumindest soweit eindämmen, dass der Spielbetrieb aufrechterhalten werden kann. Vor dem ersten Mannschaftstraining müssen sich alle Akteure, also neben Spielern auch Betreuer, PCR-Tests unterziehen. „Sie können sich dann in ihrem Umfeld frei bewegen, trainieren und spielen, sind aber angehalten, ihre sozialen Kontakte zu minimieren“, erklärte Ebenbauer.

Verpflichtendes Gesundheitstagebuch

Außerdem vorgesehen ist ein sogenanntes „Gesundheitstagebuch“. Dies beinhaltet unter anderem tägliches Fiebermessen. „Wir haben die Rahmenbedingungen geschaffen, um dem Virus zu trotzen“, sagte Ebenbauer.

Der Liga-Vorstand hob hervor, dass der Meisterschafts-Neustart mit einer wissenschaftlichen Studie begleitet wird. „Dadurch erhält man Daten, die der Allgemeinheit weiterhelfen können.“ Über die weitere Vorgehensweise und den genauen Terminplan beraten die Oberhaus-Vereine am Mittwoch auf einer Clubkonferenz.

Die Clubkonferenz der 2. Liga ging bereits am (heutigen) Dienstag über die Bühne. Eine Fortsetzung der zweithöchsten Spielklasse, bei der noch elf Runden ausständig sind, ist nicht ausgeschlossen.

Bisher durfte von den 16 Clubs nur Cupfinalist Austria Lustenau in Kleingruppen trainieren, das könnte sich nun ändern. „Wenn die Voraussetzungen aus dem Präventionskonzept erfüllt werden, dann ja“, sagte Ebenbauer zu einem möglichen Mannschaftstraining der Zweitligisten ab Freitag.

So wie der Bundesliga-Vorstand zeigte sich auch Austria-Sportvorstand Peter Stöger, Mitglied einer Bundesliga-Arbeitsgruppe, über die am Dienstag verkündeten Entscheidungen erfreut. „Uns ist klar, dass wir eine große Verantwortung haben, die wir mit diesem Konzept übernehmen. Wir könnten eine Vorreiterrolle haben, und der werden wir auch gerecht werden“, versprach der Ex-Teamspieler.

ÖFB-Präsident Leo Windtner blickte ebenfalls optimistisch in die Zukunft, lobte die Zusammenarbeit aller Beteiligten und sprach von einem „effizienten Doppelpass mit den Ministern und den Damen und Herren der Beamtenschaft“.

Die getroffenen Beschlüsse für die Bundesliga als „Flaggschiff des Clubfußballs in Österreich“ (Windtner) sollen für den Breitenfußball und andere Mannschaftssportarten richtungsweisend sein. „Damit könnte ein Role Model entwickelt werden, das auch für andere Sportarten und Gesellschaftsbereiche anwendbar ist“, meinte der Oberösterreicher.

Beim ÖFB als größtem Sportfachverband des Landes sind laut Windtner etwa 2.200 Vereine und 300.000 Spielerinnen und Spieler gemeldet – sie alle dürfen sich Hoffnungen auf eine baldige Rückkehr machen.

Bereits vor einigen Wochen waren sämtliche Ligen unter den beiden höchsten Spielklassen abgebrochen worden. „Wir werden alles tun, dass die Meisterschaften im Herbst wieder starten können. Denn wenn ein noch größeres Loch zwischen Spielen ist, dann müssten wir von einem wirklichen Corona-Loch reden“, betonte Windtner.

Wie lange sich das ÖFB-Nationalteam noch in der Warteposition befindet, lässt sich nach den Angaben des Verbandschefs nicht abschätzen. Zwar sei derzeit von der UEFA „ein Triple-Header im September“ bestätigt, „es gibt aber keinen präsumtiven Fahrplan für den Herbst“. Diesbezüglich erwarte man im Juni weitere Informationen. Das bisher letzte Länderspiel endete am 19. November des Vorjahres in der EM-Qualifikation mit einem 0:1 in Riga gegen Lettland.

Wie ist Ihre Meinung?