LASK-Kapitän: „Fußball wird mehr oldschool“

LASK-Kapitän Gernot Trauner sieht auch Positives in der Krise

Gernot Trauner (r.) und der LASK mischten die Europa League auf, eine Fortsetzung des Bewerbs ist für den Kapitän nur schwer vorstellbar.
Gernot Trauner (r.) und der LASK mischten die Europa League auf, eine Fortsetzung des Bewerbs ist für den Kapitän nur schwer vorstellbar. © APA/EXPA/Eisenbauer

Der Vater von Zwillingen kann Zeit daheim auch genießen, hofft auf faire Lösung für die Liga und glaubt nicht an Fortsetzung der Europa League.

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VOLKSBLATT: Wie herausfordernd ist die Situation für Sie persönlich?

TRAUNER: Es ist gar nicht so schlimm. Natürlich geht mir der Fußball ab, aber nicht so, dass ich nicht weiß, was ich anzufangen habe. Der Alltag mit zwei Kindern ist geregelt, man steht zeitig auf, hat seinen Plan. Einmal am Tag absolviere ich mein Fitnessprogramm. Aber natürlich ist es ungut, dass man nicht weiß, wie es weitergeht. Man trainiert ein wenig ins Nichts. Jetzt ist Selbstdisziplin gefragt, aber die haben wir beim LASK.

Welche Rolle spielt der Fußball derzeit bei Ihnen?

Er ist nicht so präsent wie sonst. Sonst dreht sich im Alltag alles um Fußball, jetzt kann man auch nicht Fußball schauen. Wir versuchen das aber auszugleichen, indem wir wöchentlich Videoszenen zugeschickt bekommen, die wir analysieren sollen, damit wir mit dem Kopf ein wenig beim Fußball bleiben und die Sinne schärfen, was wir am Platz machen wollen. Es ist taktische Arbeit für den Kopf.

Wie erfolgt der Austausch mit den Teamkollegen?

Einmal in der Woche haben wir eine Videokonferenz mit Mannschaft, Betreuern und Präsidium, wo sie uns auf dem Laufenden halten. Man denkt eigentlich von Woche zu Woche, aber keiner weiß wirklich, wie es weitergeht. Es gibt viele Spekulationen, in Wahrheit wartet jeder, was die nächsten Schritte der Regierung und der UEFA sind. Daran wird sich die Liga orientieren, von daher ist eigentlich sinnlos, wenn wir Spieler zu viel Energie hineinstecken, was für Szenarien es gibt.

„Der sportliche Weg wäre fairste Lösung für alle“

Ist man in so einer Krisensituation doppelt froh, bei einem Verein zu spielen, der auf gesunden Beinen steht, wo fast alle Spieler langfristige Verträge haben und wo sehr nachhaltig gearbeitet wird?

Absolut, das kann ich zu 100 Prozent bestätigen. Wir sind froh, dass der Verein so gut aufgestellt ist. Einerseits ist es natürlich unglücklich, weil wir noch einiges vorgehabt hätten, andererseits steht der Verein super da, das ist gut zu wissen. Wenn man liest, dass bereits erste Vereine insolvent gehen, dann gibt das schon ein Gefühl von Sicherheit.

Der LASK führt die Tabelle der heimischen Bundesliga an. Wie groß ist die Hoffnung, dass weitergespielt werden kann?

Natürlich wollen wir, dass fertig gespielt wird. Am liebsten wäre uns, wenn mit Zuschauern gespielt werden kann, wenn es mit Geisterspielen geht, wird man es auch nehmen. Der sportliche Weg wäre die fairste Lösung für alle. Aber wenn die Liga abgebrochen wird, muss auch eine Entscheidung getroffen werden. Da wird es keine faire Lösung geben, die alle zufrieden stellt.

Die EM wurde um ein Jahr verschoben, was im Idealfall auch Sie persönlich betreffen kann. War die Entscheidung alternativlos?

Ja, ich glaube schon. Man hat sich etwas Zeit verschafft und es wäre wohl nicht möglich gewesen. Länderübergreifende Bewerbe finde ich noch schwieriger, fertig zu spielen und zu kontrollieren. Ich denke, es ist schon schwierig genug, das innerhalb von einem Land zu regeln. Alles, was länderübergreifend ist, auch Champions League und Europa League ist, glaube ich, schwierig zu Ende zu spielen.

„Summen waren teilweise nicht nachvollziehbar“

Viele sehen in dieser Krise eine Chance. Wenn wir zuerst auf den Sport und speziell auf den Fußball blicken: Glauben Sie, dass sich die extremen Summen bei Ablösen oder Gehältern bei den Spitzenklubs etwas normalisieren?

Der Fußball hat sich extrem entwickelt, in den Topligen sind die Summen extrem in die Höhe geschnalzt. Es schien, dass es überhaupt keine Limits mehr gab. Jetzt liest man, dass es auch jeden großen Verein richtig trifft. Ich glaube schon, dass sich das auswirken wird. Was da für Summen im Spiel waren, war teilweise nicht nachzuvollziehen. Aus dieser Sicht ist es vielleicht nicht schlecht, dass der Fußball wieder ein bisschen mehr oldschool wird.

Welche Auswirkungen erwarten Sie für die Gesellschaft? Glauben Sie, dass die Menschen ihr Verhalten überdenken?

Ich hoffe schon, dass wir alle etwas lernen. Man sieht wieder weniger Leute im Auto sitzen, viele sind zu Fuß einkaufen, weil man einfach Zeit hat.

„Darauf besinnen, was wirklich wichtig ist“

Das Leben ist schon so schnell geworden. Ich genieße das gerade auch irgendwie, dass man eben keine Möglichkeit hat, etwa ins Shopping Center zu fahren, sondern einfach daheim ist. Das stört mich gar nicht, das tut sogar ganz gut. Natürlich gibt es viele andere, etwa im Krankenhaus, die jetzt einen Haufen Arbeit haben, aber die, die daheim sind, merken das, denke ich, schon. Vielleicht kann sich jeder wieder ein wenig darauf besinnen, was wirklich wichtig ist. Allen voran Gesundheit, dass es jedem gut geht, dass man Familie und Leute um sich hat, die man gern hat. Das lernt man jetzt noch mehr zu schätzen.

Mit LASK-Kapitän GERNOT TRAUNER sprach Christoph Gaigg

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