Fußball: Zehn Corona-Fälle bei deutschen Bundesliga-Klubs

Die erste Corona-Testwelle mit 1.724 Personen im deutschen Profifußball hat gleich zehn positive Fälle gebracht. Mit dieser Bürde gehen die Deutsche Fußball Liga (DFL) und ihre 36 Clubs der 1. und 2. Bundesliga in die Woche der erhofften Entscheidung der Politik über die Fortsetzung der Saison mit Geisterspielen.

Nach dem Wirbel um den 1. FC Köln hat die DFL die Vereine zum Stillschweigen aufgefordert und die brisanten Ergebnisse am Montag selbst gesammelt veröffentlicht – ohne die positiven Fälle dabei den betroffenen Klubs zuzuordnen.

„Zehn Infektionsfälle konnten identifiziert und den Gesundheitsämtern gemeldet werden“, hieß es in einer DFL-Mitteilung. Einer davon betrifft einen Spieler des Zweitligisten Dynamo Dresden, wie dieser verlautbarte.

Die insgesamt 1.724 Testungen in den beiden höchsten Spielklassen beinhalten neben Proben von Spielern auch solche von weiterem Mannschaftspersonal wie Trainerstab und Physio-Therapeuten. „Die entsprechenden Maßnahmen, zum Beispiel die Isolation der betroffenen Personen inklusive Umfelddiagnostik, wurden durch die jeweiligen Klubs nach den Vorgaben der örtlichen Gesundheitsbehörden unmittelbar vorgenommen“, berichtete die Liga in ihrer ersten Test-Bilanz.

Zuvor war bekannt geworden, dass zwei nicht genannte Spieler und ein Betreuer des Erstligisten 1. FC Köln positiv getestet worden waren. Weitere Personen haben sich nicht angesteckt, wie der Verein von ÖFB-Teamspieler Florian Kainz nach einer zweiten Testreihe am Montag mitteilte.

Verpflichtendes Quarantäne-Trainingslager

Neben den beiden Testwellen, die Teil des Hygienekonzepts der DFL sind, wurde in Abstimmung mit dem deutschen Bundesarbeitsministerium nun auch „ein verpflichtendes Trainingslager unter Quarantäne-Bedingungen vor einer möglichen Fortsetzung des Spielbetriebs“ integriert. Sobald das Mannschaftstraining gestartet wird, sind zudem unabhängig von der Wiederaufnahme des Spielbetriebs zwei Tests pro Woche in regelmäßigen Abständen vorgesehen.

Eine zweite Testwelle wird in dieser Woche durchgeführt und ist auch schon angelaufen. „Auch hier kann es zu vereinzelten positiven Testergebnissen kommen, zumal eine der Aufgaben dieses zweiten Durchgangs darin besteht, die Wahrscheinlichkeit nie gänzlich auszuschließender ‚falsch negativer‘ Befunde zu senken“, erklärte die DFL.

Die Dachorganisation hatte zuvor in einer Mail an die Klubs empfohlen, bis zu ihrer Veröffentlichung „von eigenen Verlautbarungen abzusehen“ und stattdessen auf die Liga zu verweisen. So hieß es in einem Schreiben von DFL-Direktor Ansgar Schwenken an die Klubs, das das Fachmagazin „kicker“ am Montag unter dem Titel „DFL verhängt Corona-Maulkorb für die Vereine“ veröffentlichte.

Zuletzt waren am Konzept der DFL und an den Maßnahmen des 1. FC Köln Zweifel laut geworden. Der belgische FC-Mittelfeldspieler Birger Verstraete hatte als erster Spieler öffentlich deutliche Bedenken geäußert. Später relativierte er seine Kritik und entschuldigte sich für sein Vorgehen unter dem Hinweis, dass seine Freundin zur Risikogruppe zähle. Anders als die beiden betroffenen Spieler und der Betreuer, die nicht erneut getestet wurden, müssen keine weitere Personen der Kölner in Quarantäne.

Entscheidung am Mittwoch?

Der Profifußball hofft am Mittwoch, wenn sich die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten der Länder berät, auf eine positive Entscheidung für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs ohne Zuschauer. Das Sicherheitskonzept des Fußballs habe inzwischen „parteiübergreifend Zustimmung gefunden“, meinte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU).

Innenminister Horst Seehofer (CSU) hält das DFL-Konzept nach Angaben eines Sprechers nach wie vor „für eine sehr gute Grundlage für Lockerungen in diesem Bereich“. Noch habe die Bundesregierung aber nicht gemeinsam mit den Ländern darüber entschieden, ob sie „dieses Konzept zur Anwendung bringen will“.

Laut Seehofers Sprecher Steve Alter gebe es „politische Grundbedingungen“. Personen, die in unmittelbarem Kontakt mit einer positiven Person gewesen sind, müssten wie diese in 14-tägige Quarantäne gehen. Dies sei ein Prinzip, das derzeit für die gesamte deutsche Bevölkerung gelte – „und es gibt eben keinen Grund, warum das bei Fußball-Profis anders sein sollte“.

Derzeit erreichen die Spielergewerkschaft (VDV) nach wie vor viele Anfragen von Profis zum Gesundheitsschutz. „Nach wie vor gilt aber, dass die Spieler spielen wollen, sofern dies gesundheitlich vertretbar ist“, sagte der Geschäftsführer Ulf Baranowsky. „Die Verantwortung dafür tragen Clubs und Behörden.“

Das Bundesliga-Schlusslicht SC Paderborn startete am Montag als erster Club ins Mannschaftstraining. Bisher war überall nur in Kleinstgruppen trainiert worden. Ursprünglich hatte die DFL auf einen gemeinsamen Zeitpunkt für die Wiederaufnahme des Mannschaftstrainings gedrängt und auf Solidarität unter den Clubs gesetzt. Daraus wurde nichts.

Champions-League-Viertelfinalist RB Leipzig mit den ÖFB-Profis Marcel Sabitzer, Konrad Laimer und Hannes Wolf will am Dienstag starten. Dazu braucht es neben den zwei negativen Tests für alle Beteiligten auch die Genehmigung der jeweils zuständigen Gesundheitsbehörde. Bundesweit sind die Regelungen unterschiedlich – für die Liga eine Herausforderung.

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