Gänsehaut bei diesem „Macbeth“

Produktion des Landestheaters eröffnete ImPulsTanz-Festival in Wien

Andressa Miyazato und Pavel Povrazník
Andressa Miyazato und Pavel Povrazník © Dieter Wuschanski

Von Renate Wagner

Choreografie: Johann Kresnik; Optik: Gottfried Helnwein; Musik: Kurt Schwertsik — schon 1988 ein unschlagbar böses, scharfes, brillantes künstlerisches Trio, als die drei Österreicher in Heidelberg ihre „Macbeth“-Produktion herausbrachten.

Es war das Musiktheater in Linz, wo man im Vorjahr diese Ikone des Tanztheaters revitalisiert hat. Das Festival ImPulsTanz hat die Produktion von TANZLI.Z nun zur Eröffnung eingeladen — und Johann Kresnik zum Ehrengast des Festivals erklärt.

Die Macht wird durch Blutbäder erreicht

Er selbst spricht von der „politischen“ Implikation seiner Arbeit, und das ist jede Sekunde lang präsent. Von Anfang an, wo ein schwarz gekleideter Mann einen Kübel ausschüttet, der nicht nur, wie erwartet, Blut, sondern auch noch Fleischteile und Eingeweide enthält, weiß man, dass Schonung bei der „Macbeth“-Paraphrase nicht angesagt ist: Hier geht es um Macht, und diese wird durch Blutbäder erreicht und gehalten.

In der Welt von Macbeth und seiner Lady spielen sich Orgien des Grauens ab, sind Mord und Tod, Leichen und Geister dauernd präsent. Badewannen als Särge, drei sexy Stewardessen als „Hexen“, die sich von Macbeth auch ihre nackten Brüste blutig beißen lassen, viele Opfer und zwei Täter — damit springen die pausenlosen fast zwei Stunden das Publikum gnadenlos an.

Um auch immer wieder zu verwirren, wenn gegen Ende des Abends plötzlich ein Bühnenbild mit Riesen-Teekanne auf einem Riesentisch eingefügt wird, wo die anfangs netten „Kinder“ schnell zu Monstern mutieren … Ein Effekt für sich ist der „Wald“, in dem der all seiner Insignien beraubte, „nackte“ Macbeth mit Riesenstiefeln und einer grotesken goldenen Spitzmütze sein unrühmliches Ende findet.

Zu Beginn des Abends gibt es nur eine Art von „lebenden Bildern“, der Vorhang fällt fast im Minutentakt, um eine neue Variation des Grauens zu zeigen. Dann wird durchgehend getanzt — mit einem faszinierenden Pavel Povrazník als Macbeth und Andressa Miyazato als Lady, die mit dieser Studie von Gier und Wahn auch auf jeder Theaterbühne reüssieren könnte.

Helnwein hat den Raum kreiert (der der Technik eines Hauses — in Wien gastierte man im Volkstheater — allerlei abverlangt), der groß und beängstigend ist und dessen Riesentor allein mit den bedrohlichen Geräuschen beim Schließen und Öffnen unübersehbar mitspielt. Geräusche — furchtbare Schreie — auch von den Protagonisten, im übrigen sind zwei Pianisten vor der Bühne (Bela Fischer jr. und Stefanos Vasileiadi) damit beschäftigt, Schwertsiks Musik zu realisieren, die erstaunlich vielgestaltig ist, sogar manchmal tonal klingt.

Hier wirkte jedes Element des Abends perfekt zusammen, und das staunende Publikum belohnte die Produktion mit Ovationen.

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