Garteln am Fensterbrett

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Junge Pflänzchen von Radieschen, Rucola und Kresse gedeihen auf Erde und Watte. © Nimmervoll

Von Gisela Nimmervoll

Schmackhaft, vollgepackt mit Nährstoffen, unkompliziert und absolut unabhängig von der Jahreszeit: Für das Ziehen von Keimsprossen und Microgreens braucht es keinen eigenen Garten, nicht einmal einen Balkon — schon ein Einmachglas mit Gitteröffnung und eine flache Box voll Erde oder Watte reichen aus, um bereits nach kurzer Zeit knackige Sprossen und zarte Pflänzchen für Salat und Co. zu ernten.

Gesund, klein und grün

Ein neuer Trend, der aus den USA kommt, ist das Züchten von Microgreens. Wie man dem Namen schon entnehmen kann, handelt es sich dabei um kleine Pflänzchen, die nach dem Ausbilden der ersten Blätter geerntet und gegessen werden können. Wer im Volksschulalter schon einmal einen Kresseigel gemacht hat, kennt diese einfache Form von Pflänzchenaufzucht bereits. Für die Micro- green-Aufzucht gibt es eigene Boxen zu kaufen, man kann das kleine Grün aber auch einfach in etwas Anzucht- bzw. Kräutererde in einem flachen Plastikbehälter selbst ziehen. Nicht so anspruchsvolle Pflanzensaat wie Kresse, Rucola oder Brokkoli wächst sogar auf feuchter Watte. An den Microgreens ist der grüne Pflanzenstoff Chlorophyll in den jungen Blättern besonders wertvoll — er soll dazu beitragen, das Blut im Körper zu reinigen, Entzündungen zu hemmen und Arteriosklerose entgegenzuwirken.
Die zarten Pflänzchen schmecken besonders im Salat oder auf dem Butterbrot. Aber auch für Suppen, Aufläufe und zum Garnieren von Speisen werden sie verwendet.

Sprossen: Nährstoffpakete

Als Sprossen werden die jungen Austriebe der Samen von Gemüsepflanzen, Getreide und Hülsenfrüchten bezeichnet. Sie werden im Gegensatz zu den Microgreens nicht auf Erde, sondern in einem Keimglas gezogen und noch vor dem Ausbilden der ersten grünen Blätter gegessen. Die „Babypflänzchen“ stecken voller Enzyme, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente und sind so neben ihrem feinen, würzigen Geschmack ein echter Gewinn für die Gesundheit. Durch den Keimprozess sind Sprossen „vorverdaut“, was es dem Körper leichter macht, die Inhaltsstoffe optimal zu verwerten.
Nach einer kurzen Einweichphase und täglichem Spülen mit Wasser wachsen die Samen in etwa vier Tagen zu Sprossen heran. Für die Herstellung kann man ein Einmachglas mit einer Gitteröffnung oder auch professionelle Keimschalen aus dem Reformhaus verwenden. Die Sprossen sollten nicht in direktes Licht gestellt werden und an einem kühleren Ort (nicht über 21 Grad) keimen. Zudem müssen sie täglich zwei- bis dreimal gespült werden, um Pilz- und Schimmelbildung zu verhindern.

Richtiges Saatgut

Beim Kauf des Saatgutes für die Sprossen- und Microgreenzucht sollte man auf eine gute Qualität achten. Im Reformhaus gibt es Samenmischungen, die unbehandelt sind und speziell für die Sprossenzucht verwendet werden können.

Sprossen ziehen im Glas

Utensilien: Einmachglas, ein Stück Plastikfliegengitter (ca. 15 x 15 cm), ein Gummiring, Keimsaat
Samen wie Weizen, Hafer, Gerste, Senf, Mungobohnen, Bockshornklee, Linsen oder Rettich werden gerne für Keimsprossen verwendet.
Herstellung: Ein bis zwei Esslöffel einer Sorte Keimsaat in das Einmachglas geben und über Nacht in Wasser einweichen. Am nächsten Tag Wasser abseihen, die Samen gut durchspülen und wieder ins Glas geben. Das Fliegengitter über die Öffnung des Glases stülpen und mit dem Gummiring befestigen. Nun das Glas schräg mit der Öffnung nach unten auf ein Ablaufbrett stellen. Die Samen täglich zwei- bis dreimal mit frischem Wasser spülen. Nach etwa vier Tagen können die Sprossen gegessen werden.

Microgreen auf Erde und Watte

Utensilien: Flache Schale, Kräuter- bzw. Anzuchterde oder Watte, Sprühflasche, Keimsaat, Zeitungspapier oder Frischhaltefolie
Hier eignen sich besonders: Kresse, Rucola, Brokkoli, Radieschen, Erbsen, Weizengras
Herstellung: Die Schale etwa zwei bis drei Zentimeter hoch mit Erde füllen oder mit Watte auslegen. Dann das Saatgut darauf dicht aussähen und mit der Sprühflasche mit Wasser benetzen. Lichtkeimer wie Kresse, Rucola, Brokkoli oder Radieschen mit einer Frischhaltefolie bedecken, die mit einigen Löchern versehen wurde. Weizengras (Dunkelkeimer) mit Zeitungspapier bedecken. Größere Samen wie etwa Erbsen sollten über Nacht eingeweicht und dann in die Erde gesteckt werden. Täglich gießen. Sobald die Pflänzchen erste Blätter ausbilden, können sie verzehrt werden.