Gastronomie erwartet mit Spannung Vorgaben zur Wiederöffnung

Mit Spannung wartet die Gastronomie auf die bevorstehenden Vorgaben der Bundesregierung zur Wiederöffnung der Betriebe, die für 15. Mai vorgesehen ist.

Ein Großteil der geplanten Maßnahmen sind ohnehin schon durchgesickert, die Unternehmer sind teilweise startklar, allerdings auch etwas skeptisch wie ein Rundruf der APA am Montag in Österreich zeigte.

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Neben den großen Rahmenbedingungen sind vorerst auch noch viele kleine Details ungeklärt, beispielsweise ob man als Gast an der Theke stehen dürfe oder ob man Salz und Pfeffer nur abgepackt zur Verfügung stellen darf.

Auch in Salzburg zeigen sich Gastronomen angesichts der geplanten Wiedereröffnung noch etwas skeptisch. „Wir haben viele Ideen, wie man die Dinge lösen könnte“, erklärte Johannes Absmann vom Fuxngut, einem beliebten Wirtshaus im Stadtteil Schallmoos. „Aber das hängt im Endeffekt von den Vorgaben des Ministeriums ab.“ Entscheidend werde wohl sein, ob eine maximale Gästezahl komme und wie hoch diese sei. „Wir haben einen riesigen Gastgarten, den könnte man erweitern. Aber wenn ich draußen nicht mehr als 100 Personen sitzen lassen kann, dann stellt sich diese Frage nicht.“

Über 280 Sitzplätze verfügt das Fuxngut im Haus, noch einmal so viel im Gastgarten. „Wenn ich drinnen zwischen den Tischen zwei Meter Abstand halte und auf einem Acht-Personen-Tisch vier Gäste Platz nehmen dürfen, dann verliere ich gut zwei Drittel der Plätze“, sagte Absmann. Der Gastronom spekuliert – je nach Auflagen – auch mit einer Sieben- statt wie bisher einer Fünf-Tage-Woche. Die 26 Mitarbeiter wären gelangweilt, wenn nur wenige Gäste zu bedienen sind.

Mit Masken für das Service-Personal hat Absmann übrigens nur wenig Freude. „Ich halte das Vollvisier für die attraktivere, freundlichere Variante. Das kann man die Mimik, das Lachen sehen.“ Für die Zeit nach dem 15. Mai hätten bereits die ersten Gäste reserviert. „Aber wir sagen jedem dazu, dass wir noch nicht wissen, welchen Auflagen wir unterliegen werden.“

In Kärnten wollen nach Schätzungen der Fachgruppe Gastronomie in der Wirtschaftskammer rund 70 Prozent der Wirte in der zweiten Maihälfte aufsperren. Fachgruppenobmann Guntram Jilka meinte dazu am Montag auf Anfrage der APA: „Es gibt allerdings noch eine ganze Reihe von offenen Fragen, von deren Klärung sehr viel abhängen wird.“

So sei noch unklar, ob etwa Gäste an der Theke stehen und dort auch bedient werden dürfen. „Thekengäste konsumieren Getränke und diese sind die Butter am Brot.“, so Jilka. Sehr viel werde von den Rahmenbedingungen abhängen, die von der Regierung vorgegeben werden. So müsse klar sein, ob man im Lokal Salz und Pfeffer für die Gäste auf die Tische stellen dürfe oder ob das nur verpackt erlaubt werde. Offen sei auch, ob man mit den Abstandsregeln überhaupt genügend Frequenz zustande bringe, damit sich das Aufsperren auch lohne. Jilka: „Ab dem Moment, wo ich die Kaffeemaschine und den Gasherd einschalte, habe ich 100 Prozent der Kosten.“ Diese müssten verdient werden, und dafür brauche es eine bestimmte Frequenz.

Ganz wichtig sei auch, dass etwa die Öffnung der Bäder und der Ausflugsziele parallel zur Gastronomie stattfinden müsse. Das hintereinander zu reihen, sei völlig unsinnig, denn Ausflugsziele ohne Gastronomie seien „eine halbe Sache“. So würden nun zwar die Golfplätze wieder bespielt werden dürfen, das Golfrestaurant dürfe den Sportlern aber nichts ausschenken. „Das muss Hand in Hand gehen“, fordert Jilka. Man hoffe jedenfalls auf klare Regeln mit möglichst wenig Interpretationsfreiraum, auch wenn die vergangenen Wochen gezeigt hätten, dass es immer wieder Unschärfen in den Vorgaben gegeben habe.

Niederösterreichs Gastronomiebetriebe zeigten sich für die in etwas mehr als zwei Wochen geplante Öffnung „startklar“, wie es Harald Pollak, der Obmann der Niederösterreichischen Wirtshauskultur, ausdrückte. In dem Verein engagieren sich Vertreter von rund 220 Betrieben aus etwa 200 Orten im Bundesland. Wie sich Abstands- und Maskenregeln auswirken werden, bleibe jedoch abzuwarten.

Gearbeitet wird im Hintergrund jedenfalls intensiv an neuen und angepassten Kommunikationsmaßnahmen, die ab Mitte Mai das Licht der Öffentlichkeit erblicken sollen. Michael Duscher, Geschäftsführer der Niederösterreich Werbung, möchte alles daran gesetzt wissen, „die Wirtinnen und Wirte für unsere Gäste wieder bestmöglich zu präsentieren“. Tourismuslandesrat Jochen Danninger (ÖVP) sprach davon, dass die „Abstandsregelungen und die Maskenpflicht in der Gastronomie zu einer ungewohnten Herausforderung“ für die Betriebe sowie die Gäste werden würden. „Um weitere Infektionen mit dem Corona-Virus zu vermeiden, werden wir mit diesen Maßnahmen leben lernen“, betonte der Landesrat.

In der Vorarlberger Gastronomie gibt man sich bezüglich der Wiedereröffnung am 15. Mai noch zurückhaltend. „Bevor die Vorgaben des Ministeriums nicht vorliegen, weiß ich noch gar nicht, ob ich überhaupt aufsperre“, sagte Andrew Nussbaumer, Chef der „Palast Erlebnis Gastronomie“ in Hohenems und Fachgruppenobmann der Gastronomie in der Vorarlberger Wirtschaftskammer.

Reservierungen für den 15. Mai nehme er deshalb noch keine entgegen, lediglich solche für den Sommer und unter Vorbehalt. Auch andere Vorarlberger Gastronomie-Kollegen würden das so handhaben. Einen Trend in Richtung Gastgärten – jener des Palasts bietet 320 Plätze – konnte Nussbaumer derzeit ebenfalls noch keinen ausmachen. Zwar hätten Gastgärten den Vorteil, dass sie mehr Raum bieten, umgekehrt sei man aber halt vom Wetter abhängig. Als ambivalent beschrieb Nussbaumer ebenso die Haltung seiner Gäste: „Manche sagen, dass sie nicht kommen, solange für das Servicepersonal Maskenpflicht besteht. Andere warten schon darauf, wieder ihr Leibgericht zu essen.“

Konkrete Pläne, wie die Wiedereröffnung erfolgen soll, hat man auch im Restaurant Henrici in der burgenländischen Landeshauptstadt Eisenstadt noch nicht. Zunächst wolle man einmal die weiteren Informationen der Regierung abwarten, hieß es am Montag auf APA-Anfrage. Die Grundidee, das Geschäft überwiegend in den Garten zu verlegen, sei jedoch auch aufgrund des guten Wetters „logisch“. Bei den Reservierungen sei bisher noch keine Rückkehr zur Normalität bemerkbar. Einige Stammgäste hätten aber bereits angefragt, hieß es vonseiten des Restaurants.

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