Gazprom drosselt Lieferungen

Gazprom hat erneut Reparaturarbeiten als Grund angegeben © APA/AFP/JOHN MACDOUGALL

Der russische Gasriese Gazprom liefert wie angekündigt seit Mittwoch weniger Gas durch die Pipeline Nord Stream 1, nämlich nur 20 Prozent der Kapazität. Das spüren auch Gasriesen wie die heimische OMV oder die deutsche Uniper, bei denen derzeit auch weniger ankommt. Über die Leitung in der Slowakei fließt dagegen mehr Gas, was darauf hindeuten könnte, dass die Gazprom die ausfallenden Lieferungen über diese Route ausgleicht.

Nach Angaben eines Sprechers gegenüber der APA erhält die OMV aktuell nur 40 Prozent der von ihr nominierten Menge. Uniper erhält aktuell nur 20 Prozent der von Gazprom zugesicherten Lieferung, teilte der Konzern mit. Gazprom hatte am Montagabend angekündigt, die Gaslieferungen durch Nord Stream 1 ab Mittwoch früh von derzeit 40 Prozent auf nur noch 20 Prozent der Kapazität zu drosseln. Als Grund gab der Konzern die Wartung einer Turbine an.

Der Chef der deutschen Bundesnetzagentur, Klaus Müller, sagte am Mittwoch im Deutschlandfunk, „zur Zeit sehen wir die nominierte Drosselung. Wir werden im Laufe des Tages sehen, ob es dabei bleibt“.

Zurückhaltend äußerte sich Müller zu Berichten, dass Russland mehr Gas über die Ukraine nach Europa liefern könnte. Dies müsse man noch verifizieren. „Da traue ich den ganzen Ankündigungen nicht, bis wir nicht ein paar Stunden in diesen Tag gesehen haben.“ Der „Spiegel“ hatte berichtet, dass Gazprom für die Pipeline Transgas in Richtung Slowakei mehr Kapazitäten angemeldet habe.

Nach Angaben des Pipelinebetreibers Eugas hat Gazprom am Mittwoch deutlich mehr Kapazität bei der Transgas-Leitung durch die Slowakei gebucht als in den vergangenen Tagen. Im slowakischen Grenzort Velké Kapusany, dem Startpunkt des slowakischen Abschnitts, wurde die Durchleitung von 68,6 Millionen Kubikmeter Gas angemeldet. Am Vortag waren es 36,8 Millionen Kubikmeter.

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Transgas ist eine Leitung, die von Russland über die Ukraine in die Slowakei und nach Österreich und Deutschland führt. Die am Mittwoch zusätzlich nominierten Gasmengen entsprechen ungefähr der Drosselung durch die Pipeline Nord Stream 1, die Gazprom mit einer Reparatur einer weiteren Turbine begründet hatte.

Die verstärkte Kapazität durch die slowakische Leitung deutet darauf hin, dass Gazprom die bei Nord Stream 1 ausfallenden Gaslieferungen nach Europa über die Route durch die Slowakei ausgleicht, ist aber kein Beweis dafür, dass Gazprom tatsächlich mehr Gas schicken wird. Allerdings gibt es weitere Indizien dafür. So hatte sich der Betreiber des ukrainischen Pipeline-Abschnitts TSOU am Dienstag beschwert, dass der russische Gasriese dort ohne Vorwarnung den Druck in den Leitungen erhöht habe. Das spricht dafür, dass Gazprom mehr Gas pumpt. Dem widersprechen jedoch Daten der Messstation Sudscha am Übergang zwischen Russland und der Ukraine. Die dort nominierten Liefermengen von 42,2 Millionen Kubikmeter liegen praktisch auf dem Niveau der vergangenen Tage.

Zeitgleich zur angekündigten Drosselung der russischen Gaslieferungen über die Ostseepipeline Nord Stream 1 ist der europäische Gaspreis weiter gestiegen. Am Mittwochvormittag kletterte der Preis für eine Megawattstunde niederländischen Erdgases zur Lieferung im August im Vergleich zum Vortag um etwa zehn Prozent auf 224 Euro. Der Preis bezieht sich auf den Terminkontrakt TTF, der in Europa als Richtschnur angesehen wird.

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