Gegen die kulturelle Barbarei

Theatervertrag: 21.603 Unterschriften sollen Aufkündigung im Linzer Gemeinderat verhindern

Übergabe der Petition an Gemeinderätin Elisabeth Leitner-Rauchdobler, die Stadträtinnen Eva Schobesberger und Doris Lang-Mayerhofer, Vbgm. Bernhard Baier, Betriebsratsvorsitzende Johann Stütz, Gotho Griesmeier und Josef Fuchsluger (Bruckner Orchester Linz) © Sakher Almonem

Bei der Linzer Gemeinderatssitzung am Donnerstag marschieren FPÖ und SPÖ im Gleichschritt gegen den Theatervertrag zwischen Stadt und Land, der finanzielle, aber auch künstlerische Aspekte regelt. Bgm. Klaus Luger hat die Aufkündigung bereits unterschrieben, ein Akt kultureller Barbarei, der Landestheater und Bruckner Orchester schweren Schaden zufügen könnte. Am Mittwoch versuchte SPÖ-Kultursprecher Stefan Giegler noch, die Grünen in das Stimmverhalten mit der FPÖ einzugliedern. Es genügen aber die Stimmen von SPÖ/FPÖ, um das kulturelle Image der Stadt zu torpedieren, Arbeitsplätze zu gefährden und die Qualität zu hintertreiben.

Die Online-Petition „#linzliebtseintheater“, die sich gegen den Ausstieg der Stadt Linz aus dem Theatervertrag mit dem Land wendet, haben 21.603 Personen unterschrieben. Die Listen wurden Mittwochfrüh von den Betriebsratsvorsitzenden des Landestheaters und des Bruckner Orchesters Linz an Vertreter der Stadt übergeben. „Das Aus für den Theatervertrag wäre ein massiver kulturpolitischer Rückschritt und der Tunnelblick von SPÖ und FPÖ in dieser Frage ein großer Schaden für die Stadt“, so Vize-Bürgermeister Bernhard Baier (ÖVP) am Mittwoch. „Das ist ein kulturpolitisch katastrophales Signal und sicher nicht hilfreich, wenn es um Verhandlungen über eine … Verbesserung der Zahlungsströme zwischen Stadt und Land geht“, so Grünen-Stadträtin Eva Schobesberger, deren Fraktion eine „Aktuelle Stunde“ zum Theatervertrag in Gemeinderat eingebracht hat. „In dieser Sache werden politische Grabenkämpfe auf dem Rücken der Kultur ausgetragen“, sagte NEOS-Gemeinderätin Elisabeth Leitner-Rauchdobler. „Es ist fahrlässig, die über Jahrzehnte positiven, nachhaltigen Veränderungen als Kulturhauptstadt Linz zu gefährden“, sagt Kulturstadträtin Doris Lang-Mayerhofer.

Der Theatervertrag habe seit Mitte der Siebzigerjahre eine tragfähige Zusammenarbeit ermöglicht. Im Kulturhauptstadtjahr habe das Land ein Drittel der Kosten von 60 Mio. Euro übernommen, sagte LH Thomas Stelzer am Mittwoch im Landtag. Das Budget des Landes, das heuer auch der Kultur Einsparungen bescherte, sei in vielen Gesprächen diskutiert und von heftiger Kritik begleitet worden. Er habe sich dennoch nicht wie ein Rumpelstilzchen aufgeführt. Luger aber habe die Kündigung des Theatervertrages einfach auf den Tisch geknallt. Wenn der Vertrag gekündigt werde, gebe es für das Bruckner Orchester keinen Auftrittsplatz im Brucknerhaus.