Geladen und gesichert

Der Hyundai Ioniq Plug-in vereint unter seiner haifischartigen Silhouette zwei Motoren – ein Elektro- und ein Benzinaggregat – sowie zahlreiche nützliche Helferlein, die den Autoalltag sicherer, angenehmer und entspannter werden lassen.

86

Von Oliver Koch

Ein Ion ist ein elektrisch geladenes Atom oder Molekül, lernt man im Chemieunterricht und die Hyundai-Ingenieure haben da wohl gut aufgepasst, schließlich leitet sich der Name Ioniq nicht umsonst auch von diesem Wort ab. Denn der Ioniq ist das erste Serienfahrzeug, das mit drei unterschiedlichen Antriebskonzepten zur Wahl steht: Den rein elektrischen und die Hybrid-Version haben wir bereits testen können, nun fand sich im auffallenden Marina Blue die Plug-in-Variante des 4,47 Meter langen Koreaners bei der VOLKSBLATT-Redaktion ein.
Betankt werden kann der Fünfsitzer ganz normal bei der Tankstelle mit Benzin, in den Tank passen 43 Liter. Zusätzlich befindet sich vorne an der Fahrerseite die Öffnung für den Stromanschluss, die Batterie ist dabei nach zweieinhalb Stunden aufgeladen und ermöglich theoretisch ein rein elektrisches Fahren von maximal 63 Kilometern. In Summe kommt man voll aufgeladen und aufgetankt gut 900 Kilometer weit. In der Praxis reicht eine volle Batterieladung bei moderater Fahrweise für knapp 50 Kilometer, wobei man den Gasfuß nicht zu rasant durchdrücken sollte – denn dann schaltet sich trotz eingeschaltetem Elektromodus der Benziner hörbar zu. Positiv ist die Kombi der beiden Aggregate für das Geldbörsel allemal: Der Plug-in lässt sich mit weniger als fünf Litern problemlos fahren ohne auf allzu viel Fahrspaß verzichten zu müssen. Wer mehr Fahrspaß will und mittels Schaltwippen die Gänge wechseln will findet im Auto auch einen Sportmodus vor, bei dem der Verbrauch erfreulicherweise aber auch nicht allzu sehr in die Höhe geht. In der Stadt ist das Elektroaggregat natürlich ein Segen; ermöglicht es doch den blitzartigen Start nach einer roten Ampel wodurch der Koreaner auch Sportwagen hinter sich lässt. Bei höheren Geschwindigkeiten merkt man dann doch die nicht allzu üppige Systemleistung von 141 PS: Ein Raser vor dem Herrn wird aus dem Ioniq wahrlich nicht – da kann auch die geduckte, lang gestreckte, haifischartige Silhouette nicht darüber hinwegtäuschen. Dennoch fällt das fahrtechnische Resümee überwiegend positiv aus: die Beschleunigung ist sehr gut, das Kurvenverhalten fein, die Bremsen gut dosierbar und fest zupackend und die Sechsgangautomatik arbeitet butterweich dahin. Butterweich ist jedoch auch das Attribut, das auf die indirekte Lenkung am ehesten zutrifft – diese hätte unserer Meinung nach durchaus etwas straffer sein können.

Viele Helferlein

Geladen ist der Wagen also allemal; bestens gesichert sind zudem auch die maximal fünf Insassen. Hyundai hat dem Style-Plug-in eine umfangreiche Serienmitgift mitgegeben: Als Helferlein für ein entspanntes Fahren stehen Abstandstempomat, Spurhalteassistent, elektronisches Stabilitätsprogramm, Antiblockiersystem, Notbremsassistent, Berganfahrhilfe, Lichtsensor, Regensensor und elektronische Servolenkung zur Verfügung. Rückfahrkamera, Toter-Winkel-Assistent und Querverkehrswarner gibt´s gegen moderaten Aufpreis, zudem holte der Ioniq im NCAP-Crashtest fünf Sterne.
Den Innenraum hat Hyundai durchaus wertig gestaltet – im 36.000 Euro teuren Wagen springt den Passagieren ein poppig verspieltes leder- und chrom-getränktes Interieur entgegen, das fast schon auf Oberklasse-Niveau ist. Acht-Zoll-Touchscreen, Sitzheizung, Sitzkühlung, Lenkradheizung seien hier als Vertreter der hyundai-typischen Opulenz genannt. Die Digitalanzeigen leuchten froh und munter vor sich hin, die Bedienung von Klimaanlage, Radio, Navi, Tempomat und Fahreinstellungen hat man nach wenigen Augenblicken intus. Die Sitzeinstellung erfolgt zudem elektrisch; es mangelt also nicht an Knöpfen im Fünfsitzer.
Stichwort Fünfsitzer: Als solcher ist er durchaus geeignet, wenn auch die Fahrt zu Dritt im Fond eher beengend ist. Den Fahrer wird´s nicht allzu sehr stören, da vorne Bein- und Kopffreiheit üppig sind – und die Sicht nach hinten kann mit drei Fondpassagieren nicht mehr viel schlechter sein, die geteilte Heckklappe ist in dem Zusammenhang das größte Manko.

Fazit: Ein im Betrieb günstiges Gefährt, wenn man auf Gratis-Ladesäulen zurückgreifen kann. Dazu noch stylisch und gut ausgestattet – der Ioniq Plug-in verbindet das Beste aus den beiden Motorenwelten zu einem stimmigen Gesamtbild.

Typenschein
Hyundai Ioniq Style 1,6 GDi PHEV

Preis: ab € 30.990,- inkl. Steuern und Abgaben; Testwagenpreis € 36.090,- unter anderem inklusive Leder-Paket € 1900,-, Sicherheitspaket (Toter-Winkel-Assistent, Querverkehrswarner) € 500,-, Winter-Paket 2 (Sitzheizung vorne und hinten, beheizbares Lederlenkrad) € 450,-, Navigations-Paket € 1600,- und elektrischem Glas-/Schiebedach € 700,-; einen Hyundai Ioniq PHEV gibt es ab € 29.490,-
NoVA/Steuer: 0 %/ € 394,32 jährlich
Garantie: 5 Jahre ohne Kilometerbegrenzung, 3 Jahre Lackgarantie, 12 Jahre gegen Durchrostung, 8 Jahre bzw. 200.000 km Batteriegarantie
Service: alle 20.000 km bzw. jährlich

Technische Daten:
Otto-Motor: R4, 16V, Turbolader, 1580 cm³, 77,2 kW/105 PS bei 5700 U/min, max. Drehmoment 147 Nm bei 4000 U/min
Elektromotor: 44,5 kW/60,5 PS, Systemdrehmoment 170 Nm, Lithium-Ionen-Polymer-Batterie mit 8,9 kWh Nennkapazität, Nennspannung 360 V
Systemleistung: 104 kW/141 PS
Getriebe: Sechsgangautomatik
Antrieb: Frontantrieb
Höchstgeschwindigkeit: 178 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 10,6 s
Leistungsgewicht: 11 kg/PS
MVEG-Verbrauch: 1,1 Liter
VOLKSBLATT-Testverbrauch: 4,9 Liter
CO2-Ausstoß: 26 g/km
NOx: 0,0015 mg/km; Euro 6

Eckdaten:
L/B/H: 4470/1820/1450 mm
Eigen-/zul. Gesamtgewicht: 1550/1970 kg
Kofferraum: 341-1401 Liter
Tank: 43 Liter (Benzin)
Reifen: 4 x 205/55 R16 91H auf 16“-Alus

Sicherheit:
Regelsysteme: ABS/EBV/ESP/ASR/BA/LDW/BSD
Airbags: 6