Gemeinsam gegen Alterseinsamkeit

Kanzler und Regierungsvertreter trafen sich mit Organisationen

Wollen einen „Pakt“ gegen die Alterseinsamkeit (v. l.): Seniorenbund-Präs. Ingrid Korosec, Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Herbert Pichler (Präsident des Behindertenrates).
Wollen einen „Pakt“ gegen die Alterseinsamkeit (v. l.): Seniorenbund-Präs. Ingrid Korosec, Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Herbert Pichler (Präsident des Behindertenrates). © APA/Punz

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat am Montag Vertreter mehrerer Organisationen zu einem Runden Tisch zur Alterseinsamkeit empfangen. Der von der Regierung angestrebte „Pakt“ soll Maßnahmen ermöglichen, um während der Corona-Krise ein sicheres Umfeld für Pflegeheime und Krankenhäuser zu schaffen. Neben unterschiedlichen Maßnahmen plädierte der Regierungschef für ein stärkeres Bewusstsein. Alterseinsamkeit sei schon generell eine Herausforderung unserer Gesellschaft, betonte Kurz. Auch während der Pandemie sei es vor allem wichtig, soziale Kontakte aufrecht zu erhalten. Als Maßnahmen zählte er unter anderem bauliche Einrichtungen wie Plexiglasscheiben, gute Hygiene, Besuchskonzepte und gezielte Testungen auf.

Auf freiwilliges Engagement setzt die auch für den Zivildienst zuständige Ministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP). Gerade in Zeiten der Pandemie sei es wichtig, Ehrenamtliche einzusetzen sowie Nachbarschaftshilfe stärker in den Fokus zu rücken. Natürlich sei dies aber auch — vor allem in Zeiten steigender Infektionen — mit „gewisser Angst“ verbunden.

Pakt gegen Einsamkeit

Die derzeitige Seniorenratspräsidentin Ingrid Korosec (ÖVP) betonte, dass es sich um ein grundsätzliches Thema handle. „Wir müssen aufpassen, dass sich diese Einsamkeit nicht zur sozialen Pandemie entwickelt“, warnt sie. Gemeinsamkeit statt Einsamkeit sei das Wichtigste zum Gesundheitserhalt und zur Wiedergesundung, betont auch der Präsident des Behindertenrats, Herbert Pichler. Für die Einsetzung eines oder einer Beauftragten der Bundesregierung plädierte Caritas-Präsident Michael Landau, denn man müsse das Virus isolieren, und nicht die Menschen.

„Dass das Thema Einsamkeit ganzheitlich und breit in den Blick genommen werden muss, ist eine wichtige Lernerfahrung aus der Corona-Krise“, ergänzt Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser. Volkshilfe-Direktor Erich Fenninger wiederum forderte Maßnahmen gegen den „Kollaps der Angehörigenpflege“. Es brauche eine österreichweite, einheitliche Erhöhung der verrechenbaren Stunden für die mobile Pflege und Betreuung sowie ein kostenloses Coaching für pflegende Angehörige. Enttäuscht über den Runden Tisch zeigte sich FPÖ-Obmann Norbert Hofer. „Mehr als Lippenbekenntnisse und schöne Worte von Regierungsseite“ hätten die geladenen Vertreter von Caritas, Hilfswerk, Diakonie oder Pensionistenverband nicht zu hören bekommen.

Teil der Pflegereform

Ein weiterer Runder Tisch wurde für die kommenden Wochen avisiert, hieß es nach dem mehrstündigen Gespräch im Kanzleramt. Bis dorthin sollen die kurzfristigen Maßnahmen erarbeitet werden. Weiters werde — wie bereits von Bundeskanzler Kurz angekündigt — ein langfristiger „Pakt” geschlossen. Laut Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) werde die Arbeit gegen die Einsamkeit darüber hinaus ein zentraler Teil der Pflegereform.

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