„Gemma weida, werma gscheida“: Sitzenbleiben zur Tanzmusik

Das erste Post-Corona-Konzert im Linzer Posthof: Trio Folkshilfe mit einem Spezial-Heimspiel

Comback im Posthof: das oberösterreichische Trio Folkshilfe
Comback im Posthof: das oberösterreichische Trio Folkshilfe © Ingo Pertramer

Sie haben vom großen Ruhm gekostet, brachten Menschenmengen zum Tanzen. Das oberösterreichische Trio Folkshilfe, mit „F“ wie Folk, heizte beim vorjährigen Donauinselfest und am Nova Rock tausende Fans an, füllte das Brucknerhaus, eine Konzerttour war geplant. Dann kam Corona und der Stillstand.

Verloren und verstreut sitzen die Fans

Große Wiedersehensfreude und soziale Nähe unter den Besuchern vor Beginn am Imbisstand im Freien. Für die Veranstaltung im Linzer Posthof selbst ist vorschriftsgemäß alles bestens organisiert: Kein Stau beim Einlass, vier Zugänge und Sektoren für die etwa hundert Besucher im großen Saal. „Maske kannst runternehmen wennst sitzst“, auf jedem dritten Sessel ein grünes Pickerl, Reihenabstand mehr als ein Meter. Verloren und verstreut sitzen die wenigen Fans, die eine Karte ergattern konnten, wo sich sonst Begeisterung und körperliche Schwingungen tausendfach übertrugen.

Das Trio musiziert auf Augenhöhe, wird aber auch nicht zur Stubenmusi. Jeder macht sich so isoliert seine Begeisterung mit sich selbst aus. „Holladidlduliö, gemma weida, werma gscheida“, eine Textzeile als Motto für Veranstalter und Künstler. Da und dort reißt es wen vom Sessel, dauert aber nicht lang, die Stimmung ist einfach nicht danach, gesetzt bleibt das Publikum.

Schlagzeuger Gabriel Haider hat auch nicht seine ganze „Burg“ dabei, seine Percussions geben aber Gas, verleihen den Texten die Kanten, der Musik die Geografie. Er bricht die Harmonie, wenn es zu langsam wird, oder zu weit ins volksmusikalische driften will. „I sing mei Ding“.

Das passt ins Regionalprogramm wie zu FM4. Bass- und Quetschist Florian Ritt stellt sich und seine Folkshelfer in die Reihe mit Wanda, Seiler und Speer oder Ruskaja.

Vorfahren erfanden den gemütlichen Austropop

Viel stärker aber drängt sich der Vergleich zu historischem Austropop in den Mittelpunkt, vermengt mit Hip-Hop, Rap und Latino. Die Grundzutaten der Lieder stammen von STS, Falco schaute zu beim Hit „Mir langt’s“. Die Texte kritisch „he Stopp!“, „Pomale“ mit einem Schuss Lebenshilfe, intim, weich, sehr musikalisch „Hey du“. Die schönsten Momente aber geschehen wortlos, wenn sich Paul Slaviczek an der Gitarre von seiner Umgebung befreit.

Ihre musikalischen Vorfahren erfanden den gemütlichen Austropop samt Chorgesang und sanft kritischen Texten, Hubert von Goisern etablierte dazu die Knöpferlharmonika. Folkshilfe ergänzen mit Hip-Hop, Rap und dem Synthesizer zur Quetschn. Draus wuchsen eingängige, ins Tanzbein fahrende, Lieder, vertraut, neu, technisch und handwerklich von großer Meisterschaft. Zwei Zugaben. Der zwangsläufig stets leise Jubel verklingt.

Durch vier Ausgänge werden Hundert ruhige Menschen geordnet hinausgeleitet, wo ein paar Monate v.C. (vor Corona ….) noch mehr als tausend Fans im Nachklang ihrer Begeisterung ins Freie geströmt wären.

Folkshilfe gehen ab Oktober auf Tour von Norddeutschland bis Südtirol. Den großen Schlussakkord setzt es spätestens im Juli 2021 open air dahoam in Linz.

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