Gemütlich-biedere Inszenierung

Gars: Grandiose Carmen Ljubica Vranes sehnt früh den Tod herbei

Manche sind galant, ansonsten sind ihr Männer keine große Hilfe: Ljubica Vranes als Carmen und Oscar Marín (Don José).
Manche sind galant, ansonsten sind ihr Männer keine große Hilfe: Ljubica Vranes als Carmen und Oscar Marín (Don José). © Andreas Anker

Seit 1990 bietet die Babenberger Burgruine über Gars am Kamp eine Pilgerstätte für Opernfreunde, die in atemberaubender Atmosphäre Stimmen in Reinkultur, also ohne Verstärker, sowie traditionelle Inszenierungen lieben.

So registrierte man am Donnerstag trotz der Premieren-Konkurrenz zum Musical-Spektakel in Mörbisch „volles Haus“.

Ideales Wetter wurde kurz nach Beginn des letzten Aktes durch einen Gewitter-Guss unterbrochen. Nach einiger Hektik ging die Vorstellung problemlos bis zum tödlichen Ende.

Es dominieren einmal mehr grandiose Sänger

Seit 2014 ist Johannes Wildner Leiter des Burg-Spektakels, wo er „Carmen“ bereits für 2020 plante und zweimal verschieben musste, was uns im Vorjahr eine sensationelle Mozart´sche „Entführung aus dem Serail“ bescherte.

Für diese vierte „Carmen“-Produktion in Gars nach 1996, 2003 und 2011 engagierte er den deutschen Regisseur Dominik Wilgenbus, der allerdings zu viel mit der Ursprungsnovelle des Prosper Mérimée beschäftigt war, um sich mit Personenregie und lebendigeren Aktivitäten der Protagonisten und vor allem des starren Chores zu widmen.

Auch das für vier Akte an verschiedenen Schauplätzen nötige Bühnenbild von Franz Zlatar und Asim Dzino trug nichts zur natürlicheren Bewegung bei, war es doch, was vor allem im Gebirgsakt störte, eine einheitlich gemütliche Umgebung, in der sich die doch sehr präzisen Aktionen abspielten.

So dominieren einmal mehr die Sänger-Persönlichkeiten. Ljuba Vranes ist als Titelfigur und Star des Abends eine bildschöne, jugendliche Kraft ausstrahlende reife Frau, die sich schon sehr früh dem Todesgedanken hingibt. Sehr stark ist in dieser Aufführung das Bauernmädchen Micaela, womit sie kraftvoll zur echten Rivalin für Carmen wird. Die junge Österreicherin Corina Koller ist die Entdeckung der Produktion.

Für Oscar Marin ist der tenoral auftrumpfende Don José fraglos eine Grenzpartie. Ähnliches gilt für seinen Rivalen Escamillo, der dem populären Stierkämpfer mehr darstellerisches Profil abgewinnen müsste. Die sogenannten Nebenrollen sind mit Tina Drole und Claudia Goebl als Zigeunerinnen sowie Krzystof Borysiewicz und Wolfgang Resch als Soldaten optimal besetzt. Das Orchester und der von David Ricardo Salazar einstudierte Chor der Oper Burg Gars werden von Johannes Wildner souverän durch die Partitur geführt, wobei der Kontakt zu den Sängern auf geheimnisvolle Weise funktioniert.

Das enthusiasmierte Premierenpublikum feierte Künstlerschar und Orchester lange und frenetisch. Bis 6. August stehen noch acht Aufführungen auf dem Programm.

Info: „Carmen“ wird im nächsten Jahr im Steinbruch St. Margarethen aufgeführt.

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