Gerlinde Kaltenbrunner – 14 Achttausender und 50 Jahre

Die Bergsteigerinnen-Legende Gerlinde Kaltenbrunner wird am 13. Dezember 50 Jahre alt. Die gebürtige Kirchdorferin war die dritte Frau, die alle 14 Achttausender bezwungen hat. „Krisen bergen immer Chancen zur Entwicklung in sich“, ist sich Kaltenbrunner sicher, die auch hofft, dass wir durch die Corona-Krise „lernen einander besser zuzuhören“.

Gerlinde Kaltenbrunner © Dujmovits

„Der 50er ist keine Zäsur sondern ein weiterer Geburtstag. Ich freue mich auf alles was da ist und auf alles was kommen darf“, sagt Gerlinde Kaltenbrunner, die am 13. Dezember ein halbes Jahrhundert alt wird.

Die gebürtige Kirchdorferin ist vermutlich nicht nur Bergfans ein Begriff. Die ausgebildete Krankenschwester ist schließlich eine der erfolgreichsten Höhenbergsteigerinnen der Welt. Mit dem Erreichen des Gipfels des K2 am 23. August 2011 ist sie die dritte Frau, die alle vierzehn Achttausender bestiegen hat.

Besonderheit: Sie ist die erste Frau, der diese Mammutleistung ohne zusätzlich mitgeführtem Sauerstoff gelang.

„Wundervolle Erlebnisse“

„Immer wieder werde ich darauf angesprochen. Das Ziel und dann die Realisierung alle 14 Achttausender bestiegen zu haben, war für mich und meine weitere Entwicklung sehr wertvoll. Viele wundervolle und sehr einschneidende Erlebnisse und Erfahrungen haben mich im Leben vorankommen lassen und mir geholfen, meinem Anliegen näher zu kommen“, lässt Kaltenbrunner das VOLKSBLATT wissen.

Die Sehnsucht vieler Menschen nach den Bergen könne sie – speziell in der aktuellen Corona-Krise – verstehen. „Nach den vielen Einschränkungen kann ich sehr gut nachvollziehen, dass die Menschen richtig hungrig nach Natur und Bergen waren und sind.“ Mit Respekt und Achtsamkeit der Natur und den Mitmenschen gegenüber, sei genug Platz für jeden der sich gerne in der Natur aufhalten möchte. „Zudem stärkt, neben gesunder Ernährung, Bewegung, geistiger und körperlicher Entspannung auch der Aufenthalt in der Natur bekanntlich das Immunsystem“, sagt Kaltenbrunner, die sich regelmäßig Zeit nimmt, in Oberösterreich bergzusteigen.

Ihre berufliche Tätigkeit habe sich wegen der Corona-Krise und der Maßnahmen drastisch verändert. „Im Frühling waren erst einmal alle Seminare und Vorträge ausgefallen. Mein Partner und ich haben daraufhin zumindest die normalerweise wöchentlich stattfindenden Yoga-Einheiten, auf Online-Einheiten verlegt. Kostenlos, damit jeder die Möglichkeit bekommt, seinem Körper und auch seinem Geist etwas Gutes zu tun und sein Immunsystem zu stärken.“

Dennoch: Krisen bergen laut Kaltenbrunner Chancen zur Entwicklung in sich. „Schön wäre, wenn man sich den wirklichen Ursachen, diese sind aus meiner Sicht der Umgang mit den Tieren und der Natur, zuwendet und dementsprechend tiefgreifende Veränderungen initiieren würde. Wir könnten auch lernen einander besser zuzuhören, auch wenn man unterschiedlicher Meinung ist. Mehr Dialog als Diskussion, mehr miteinander statt übereinander reden“, sagt sie.

Und natürlich hat sie noch alpine Vorhaben: „Es gibt viele wundervolle Expeditionsziele, welche ich im Hinterkopf habe. So zum Beispiel auch den Gasherbrum IV. Dieser Berg im Karakorum fasziniert mich, seit ich ihn 1994 das erste Mal in Natura gesehen habe.“

14 Achttausender

Als Achttausender bezeichnet man Berge, die mehr als 8000 Meter hoch sind. Diese 14 höchsten Berge der Erde sind laut Wikipedia: Mount Everest, K2, Kangchendzönga, Lhotse, Makalu, Cho Oyu, Dhaulagiri I, Manaslu, Nanga Parbat, Annapurna I, Gasherbrum I (Hidden Peak), Broad Peak, Gasherbrum II und Shishapangma. Zehn dieser Berge befinden sich im Himalaya und vier im angrenzenden Karakorum. Sie verteilen sich dabei auf die Länder Indien, Nepal, Pakistan und China mit seinen autonomen Provinzen Tibet (Himalaya) und Xinjiang (Karakorum). 1986 hatte Reinhold Messner als erster Bergsteiger alle 14 Achttausender erfolgreich und ohne Zuhilfenahme von Flaschensauerstoff bestiegen; 2011 schaffte das Gerlinde Kaltenbrunner ebenso.

Wie ist Ihre Meinung?