Gertraud Klemm: Hippocampus

Erstmals ist eine tote Autorin für den Deutschen Buchpreis nominiert. Dabei handelt es sich um Helene Schulze, eine in Vergessenheit geratene feministische Autorin, welche mit ihrem ersten Buch Erfolg hatte, später jedoch nur mehr Verrisse erntete.

Daraufhin zog sie sich aufs Land zurück. Als sie unerwartet im Garten stirbt, wird ihr Ex-Mann von unzähligen Medien- und Nachlassfragen überrumpelt, also holt er sich Elvira Katzenschlager, eine Freundin Helenes zu Hilfe.

Diese wehrt sich nicht nur gegen die posthume Vereinnahmung und Verkitschung der zu Lebzeiten ignorierten Autorin, sondern startet einen künstlerischen Rachefeldzug, bei dem sie an den Beitrag der Ehefrauen geehrter männlicher Helden erinnert. Am Tatort bleibt immer ein gespraytes Seepferdchen zurück, weil bei dieser Spezies die Männchen die Jungen austragen.

Begleitet wird die resolute Aktionskünstlerin von Adrian, einem Kameraassistenten. Hippocampus ist der lateinische Name für „Seepferdchen“ und auch für jenen Teil des Gehirns, der dafür verantwortlich ist, Eindrücke vom Kurzzeit- in das Langzeitgedächtnis zu überführen. In ihrem vergnüglich zu lesenden, in der Sache durchaus angriffigen Roman hat Gertraud Klemm einiges unternommen, sodass ihr genau das auch mit ihrem Werk gelingen könnte.

Gertraud Klemm: Hippocampus, Kremayr & Scheriau, 382 Seiten, 22,90 Euro

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